Weil’s einfach echt nicht schmeckt

“Provenzalisches Huhn”, sagt A. und verzieht dabei keineswegs verzückt ihr Gesicht. “Im Römertopf.” Natürlich. In den 80ern und frühen 90ern hat es wohl kaum einen Haushalt ohne ihn gegeben. Der ist ja auch so praktisch. Und es ist so gesund damit zu kochen. “Provenzalisches Huhn”, sagt A. nocheinmal und diesmal schüttelt es sie richtiggehend. Weil, das hat es nicht nur in ihrer Kindheit viel zu oft gegeben. Auch später noch, als sie immer nur aus der großen Stadt an die Heimatfront zurückgekehrt ist. Zu Besuch halt. Aber das Römertopf-Geflügel ist immer wieder serviert worden. Ist ja auch so einfach zuzubereiten. Und es hat ihr doch immer so geschmeckt.
Das, muss ich jetzt einmal anmerken, ist ein großes Problem mit Müttern (ja, ich würd hier auch gern schreiben “und Vätern” aber ich glaub’ ich bin da ein(ig)e Generation(en) zu früh geboren als dass die Väter allzusehr ins tägliche Kochgeschehen eingegriffen hätten. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel). Sie merken sich irgendwie nie, welches Gericht einem schmeckt und bei welchem sich eine Magensperre einstellt. Ich habe lange Zeit gedacht, dass es an den Geschwistern liegt. Dass sich Mütter einfach schwer tun auseinanderzuhalten welches Kind beim Anblick von sagen wir in roter Soße schwimmenden Hendlteilen vulgo Paprikahendl in Verzückung gerät und welchem sich der Magen umdreht. Aber A. ist ein Einzelkind. Deshalb meine neue Theorie. Mütter erklären gerne das zur Lieblingsspeise des Nachwuchses, was sie selbst gerne essen. Dann kann es möglichst oft auf den Tisch kommen, die Verantwortung dafür wird aber abgegeben. Zudem setzen sie sich nicht allzu intensiv damit auseinander, was dem oft schon erwachsenen Sprösslingen ein lukullischer Genuss ist. Und dann kommt es zu unschönen Szenen am Mittagstisch.

Meine persönlichen esstechnischen No-gos sind ja Paprikahendl, Szegediner Gulasch und Reisfleisch. Sicher, Innereien machen mich auch nicht gerade froh, aber die hat’s auch nie so gegeben. Aber die drei – ständig. Welch Graus.

A. hat übrigens ihre Konsequenzen aus dem ständigen mit Provenzalischem Huhn-Bekochtwerden gezogen. Sie kommt jetzt immer erst nach dem Mittagessen zu Besuch.

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