Wir dekorieren also sind wir

“Silberbesteck! Goldrandteller! Kerzenleuchter! Und alles perfekt aufeinander abgestimmt!” N. ist noch immer, nicht sprachlos, aber doch ziemlich nah dran für ihre Verhältnisse. Der Grund ist eine simple Abendessenseinladung. Oder besser gesagt, nicht ganz so simpel. “Es gab für alles einen eigenen Teller, für die Butter, den Salat. Da waren sogar kleine Abstützdinger für die Messer, damit das Tischtuch nicht schmutzig wird. Ich weiß nicht einmal, wie die heißen.” Ich übrigens auch nicht. Ich wusste bis zu N. atemloser Erzählung noch nicht einmal, dass es so etwas gibt. Und es ist, meiner Meinung nach, eine ganz besondere Art Mensch, die erstens weiß, was das ist, und das zweitens auch noch zu Hause hat. Für 15 Personen. Der Dekomensch.

Dekomenschen haben einfach ein Auge dafür, was gut ausschaut, wie man einen Tisch herrichtet, dass er zur festlichen Tafel wird oder wie man eine Wohnung superstylisch aufpeppt. Irgendwie bewundernswert. Irgendwie auch lästig. Und unverständlich. Ich habe nämlich für alles, was Dekorationen betrifft, überhaupt kein Gespür. Wirklich. Keines. Als N. und ich einmal zum Brunch bei M. waren etwa, da hat M. Schinken und Käse in netten Röllchen auf einem Drehteller angerichtet (Ich hätte die Sachen einfach so auf den Tisch gelegt. Wozu mehr Geschirr schmutzig machen als unbedingt nötig?). Mir blieb von meinem Müsli noch ein halber Apfel übrig und M. meinte, der würde sich doch hübsch als Deko auf dem Schinken-Käseteller machen. Also hab ich ihn in die Mitte gelegt. Ehrlich, ich fand das sah ansprechend aus. Wie eine Blume mit Schinkenkäseröllchen als Blütenblätter. Die andern zwei waren entsetzt.

Dekomenschen haben auch für jede Jahreszeit eine eigene Deko. Und wechseln sie auch zur rechten Zeit aus. Die Ostereier, mit der W. und ich die MG-WG-Birke geschmückt hatten, haben wir im August wieder abgehängt. Zudem schauen Dekomenschen auf Trends, wie: in diesem Jahr sind violett-silber geschmückte Christbäume in. Ich hätte wirklich nicht die Energie und schon gar nicht den Willen mich jedes Jahr um neues Dekozeugs zu kümmern.

Dekomenschen sind auch, wie oben offensichtlich wurde, mit schönem Geschirr für mindestens 20 Gäste ausgestattet. Und mit passenden Gläsern. Nicht nur die Klassiker, also Wein, Wasser, Schnaps. Nein, auch für verschiedene Weine (nicht rot und weiß sondern Chardonnay, Riesling und Cabernet Sauvignon) und Schnäpse (Grappagläser sind da unerlässlich). Für eine, deren Großteil der Gläser noch in der Studentenzeit zusammenge- sucht wurde ist das wirklich beeindruckend. Und unvorstellbar.

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