Ordnung ist das halbe Leben

Das Bedürfnis Ordnung zu machen überkommt mich immer eher anfallsartig. Nicht, dass ich wahnsinnig unordentlich wäre. Also nicht im eigentlichen Sinn. Mein Schreibtisch ist nicht von einer zentimeterdicken Schicht an alten Zeitschriften, Unterlagen und Notizen bedeckt (so gesehen beim Kollegen A. – bitte, wie kann der an einem Tisch arbeiten, an dem aber wirklich kein Futzel freie Tischfläche mehr vorhanden ist?) und in meiner Wohnung sieht’s auch nicht aus wie bei Marcel Prawy, dem Schutzheiligen aller Plastiksackerl-Fanatiker. Ich bin vielmehr eine leidenschaftliche Stapelmacherin. Stapel, die zu gegebener Zeit abgearbeitet werden. Meist so einmal im Jahr.

Meine Kreditkartenrechnungen, Versicherungspolizzen und was weiß ich, was sonst so an wichtigen Unterlagen in einem Jahr anfallen, landen schön säuberlich in einer Schublade. Und wenn die dann nicht mehr zu oder auf geht, wird eingemappelt. Uh, allein bei dem Gedanken läuft mir ein wohliger Schauer über den Rücken. Schon in der Studienzeit war es wunderbar befreiend am Ende des Semesters, nach allen Prüfungen oder nachdem eine Seminararbeit fertig war alle Unterlagen fein säuberlich in Mappen einzuheften.

Alles wichtige gleich nach Erhalt sofort in den richtigen Ordner zu geben, das kommt mir nicht in den Sinn. Nein, das ist falsch. Es kommt mir in den Sinn. Ich mach’s nur nicht. Und zu meinen Kontoauszügen hab’ ich generell ein gespaltenes Verhältnis. Da kann mir W. noch so oft seine akkurat nach Jahrgängen in speziellen Mäppchen eingehefteten Zettelchen zeigen und über die Vorteile dieser Aufbewahrungsart, die ich auch gar nicht abstreiten will, sie sind ja offensichtlich, schwärmen. Ich hab ein hübsch grünbuntes Papiersackerl für meine Kontoauszüge. (Und ja, ich weiß, wie sich das jetzt anhört.)

Der Nachteil meines über die Jahre perfektionierten Systems (also das Stapelmachen, nicht das mit den Kontoauszügen) offenbart sich mir aber auch mit schöner Regelmäßigkeit. Besser gesagt, in mitten meines Einmappelrausches. Nämlich dass da schon sehr viel zusammenkommt, mit der Zeit und dass ich meist so nach der Hälfte schon keine Lust mehr habe. Aber da muss ich durch. Und dann ist auch wieder Platz für die Papierwirtschaft des nächsten Jahres.

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