When in Rome

W. und ich haben uns kürzlich noch einen kleinen Urlaub gegönnt. Bevor es richtig kalt wird und man, wenn man nicht in die Karibik jetten kann, dann nur noch einen Schiurlaub zur Auswahl hat. Oder Thermenplanschen. Und bevor W. dazu abberufen wurde, die Welt vor den Bösen zu bewahren. Und weil’s schon allzu lange angedacht war, hat’s uns nach Rom verschlagen. Heißt zwar die ewige Stadt, aber man weiß ja nicht. Also besser anschaun, so lange es noch steht (oder war das Venedig?)
Städteurlaub ist ja eine ganz besondere Form des Urlaubs, weil so richtig erholsam ist das ganze ja nicht. Das heißt nicht, dass so ein Städtetrip nicht schön ist. Dafür schau ich mir viel zu gern Sachen an, aber so als Touri ist man halt schon den ganzen Tag auf den Füßen. Und dann halt eher vor Mitternacht noch bettbereit. Eh auch nix Schlechtes.
Und bei Rom tut man sich auch schon schwer nicht den ganzen Tag herumzulatschen. Ist ja auch ein einziges, riesiges Open air-Museum. Und sowas muss man strukturiert angehen. Meint W.
Ein eilfertiger Romliebhaber und -kenner hat ihm dann auch noch einen 700 Seiten-Reiseführer zugeschanzt, in dem jeder Stein der ganzen ewigen Stadt beschrieben ist. Und derer gibt es viele. Der Spezialtouriwälzer hat auch thematisch geordnete Spaziergänge parat. Das romantische Rom oder das antike oder das päpstliche oder das der Renaissance. Die sind wir gegangen. Alle. Ganz genau. Schritt für Schritt. Sehenswürdigkeit für Sehenswürdigkeit.
Und da sind wir wieder einmal an dem Punkt angekommen, an dem W. und mir jedes Mal bewusst wird, dass wir doch eine eher unterschiedliche Herangehensweise an Urlaub allgemein und Städteurlaub im Besonderen haben.
Ich bin keine allzu eifrige Vorbereiterin. W. hingegen liebt es schon im Vorfeld alles Wissenswerte über den Zielort in sich aufzusaugen. Das kommt mir entgegen, weil ich muss ihn einfach nur fragen, was das jetzt Spannendes ist.
Außerdem hat er einen untrüglichen Orientierungssinn. Ich verlaufe mich manchmal noch in meinem Viertel. Und spätestens seit N. und ich in London das British Museum nicht gefunden haben, vertraue ich meinen Kartenleskünsten überhaupt nicht mehr. Wir haben ja jahrelang geglaubt, wir sind da einfach an der Rückseite vorbeigelaufen. Bei unserem erneuten Besuch im Frühjahr sind wir aber draufgekommen, dass das gar nicht sein kann. Weil die Rückseite so ganz anders ausschaut, als die Mauer, die wir fürs Museum gehalten haben.Wir haben das kontrolliert. Wie dem auch sei, wir haben inzwischen das Museum gefunden und waren auch drinnen. Empfehlenswert. Vor allem die Mumien.
Aber mit W. kann mir das nicht passieren. Der kann Karten lesen. Aber er hält sich einen Tick zu genau an vorgeschlagene Wege. Weil als ich bei unserer Renaissance-Tour einmal in eine andere Gasse abgebogen bin, weil die auch hübsch war, hat ihn das extrem unrund gemacht. Wir sind dann zurück gegangen und den “richtigen” Weg fertig spaziert.
Eher unenspannt hingegen war ich, nachdem wir am kapitolinischen Hügel stehend etwa eine Stunde lang das Forum betrachtet haben. Ich halte mich ja schon eher für einen fantasiebegabten Menschen, aber so nach 15 Minuten hab ich mir lange genug vorgestellt, wie das alles ausgesehen hat und wie Cäsar & Co. darüber marschiert sind. Dann seh’ ich einfach nur drei Säulen da und fünf Brocken dort und nicht mehr den Vestatempel oder die Via Sacra. Außerdem war ich hungrig.
Aber das ist das Schöne an W. Auch wenn er meinen mangelnde Begeisterungsfähigkeit für alte Steine nicht ganz versteht und mit meinem teils spärlich vorhandenen Sinn für Romantik immer wieder zu kämpfen hat: die Liebe zum guten Essen und einem netten Glaserl Wein, die teilen wir. Und von beidem gibt es in Rom genug.

Last Modified on November 15, 2010
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