Wir werden alle nicht jünger

Geburtstage haben es ja so an sich, dass man ein bisschen übers Älterwerden nachdenkt, oder besser gesagt, wann man denn jetzt alt geworden ist.

S. glaubt, wenn man anfängt seine T-Shirts runterzuziehen, damit es nicht mehr so auf Kreuz zieht oder man, oh Schreck, gar Unterziehleiberln (das sind laut meiner Definition Trägerleiberln, die als Unterleiberln getragen werden. Nichteinmal ich neige dazu richtige Unterleiberln zu kaufen) trägt. Dem kann ich nur entgegnen: Ich habe schon immer T-Shirts in einer Länge getragen, die nicht meine Nierengegend entblößt haben. Und ich habe es tatsächlich schon immer schön gefunden, vor allem wenn die Temperaturen viel zu niedrig sind , ein Unterziehleiberln in die Hose stecken zu können. Auch wenns sagenhaft unsexy ist. Es ist warm. Und ich hab’s nun einmal gern warm. An allen Körperteilen.

N. hingegen glaubt, dass Rezepteaustauschen altmacht. Glaub’ ich persönlich ja auch nicht. Ich erinnere mich noch lebhaft daran, als mir im Studentenheim eine Stockkollegin den wirklich unschätzbar wertvollen Tipp gegeben hat, doch hin und wieder auch einen Löffel Brunch in meinen Tomatengatsch zu rühren. Dann schmeckts auch einmal anders. Und bitte, mit knapp 20 ist man wirklich noch nicht alt, oder?

Womöglich lässt sich das Älterwerden aber am Verhalten der anderen einem gegenüber ablesen. Etwa wenn man hinter ein paar Jugendlichen hergeht, mit forschem Schritt versucht an ihnen vorbeizukommen, einer von ihnen dich bemerkt und in einer merkwürdigen Anwandlung von Höflichkeit meint: “Passt’s auf, lasst’s die Dame vorbei.” So passiert mit 24.

Oder wenn man vor den Sachen-einsperr-Kastln eines großen Elektrogeschäfts steht, aber nicht das erforderliche Kleingeld hat und man dann ein Studentenpärchen Anfang 20 fragt, ob die wechseln können und er zu ihr dann meint: “Du, kannst du der Dame wechseln?” So passiert mit 26.

(Und nur so kurz als Zwischenruf: die DAME?! Ernsthaft? “Die Dame” ist doch mindesten 60, hat irgendwas Beiges an, trägt Stützstrümpfe und diese schicken blaulila Helmfrisuren.)

Schön war auch der Moment, als ich ziemlich genau zwei Monate nach meinem 25. Geburtstag und noch nicht ganz aus der Quarterlife-Crisis draußen, mir eine neue Gesichtscreme kaufen wollte. Und weil’s halt Winter war, dachte ich an, wie heißt’s so schön, etwas Reichhaltigeres. Die nette Bedienfrau hatte auch gleich etwas Passenden bei der Hand und präsentierte mir den Tiegel mit den Worten: “Die ist gut im Winter und sie hilft auch gleich bei den ersten Fältchen.” Ich hab sie natürlich gekauft. Und die Augenfaltencreme gleich dazu.

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