Haben wollen

“Mein Keller ist feucht”, berichtet mir Ch. “Welcher in der Hauptstadt ist das nicht”, schießt’s mir durch den Kopf. Aber darum geht’s jetzt nicht. Der feuchte Keller wird nämlich gerade zum Problem, weil Ch. dort doch tatsächlich ein paar Sachen aufbewahren möchte. Die MG-WG hat diesen Plan, nach einem kurzen Blick in die finsteren Gefilde unterm Haus sofort verworfen. Aus der angedachten Champingnonzucht ist allerdings auch nichts geworden. Noch.

Jedenfalls ist Ch.s Wohnung jetzt nicht so riesig, da würde es sich anbieten ein paar Dinge, die sie halt nicht unbedingt jeden Tag braucht, also mehr so nie, im Kellerabteil zu deponieren. “Aber: Keller feucht, Sachen beginnen zu rosten”, wie sie geknickt meint. Und das will sie weder der Pastamaschine noch dem Fleischwolf und schon gar nicht der Eismaschine antun. Hmm, ich halte mich ja nicht für küchentechnisch gänzlich unbegabt oder uninteressiert, aber… “Na, so ein selbstgemachtes Erdbeereis schmeckt am besten.” Gut. Akzeptiert. “Und die Pastamaschine stammt aus meiner Jamie Oliver-Phase.” Been there, done that – ohne Pastamaschine, dafür mit Wiegemesser und Flavour Shaker. (Wo ist der eigentlich?) Die Nudeln mussten zum Trocknen jedenfalls aufgehängt werden. “Überall auf Stuhllehnen und so.” Das erklärt den nur zweimaligen Einsatz der Nudelmachmaschine. “Und ich habe irrsinnig gern mit Faschiertem gekocht. Das geht schnell und man kann so ziemlich viel damit machen.” Als Ch. dann aber einmal eher nicht so kaubare Teile, “irgendwie so dicke Gefäßwände” in ihrem Laberl fand, war’s vorbei mit dem Faschierten vom Fleischhacker. Ab da wurde selbst zerkleinert. Zumindest so lange, bis die Faschierfleischeslust abgeklungen war.

Aber ich sollte besser ganz still sein, was solche Haben-wollen-Dinge betrifft. Auch wenn sich die bei mir eher nicht aus dem Bereich Küchengeräte speisen. Die Therabänder liegen noch originalverpackt irgendwo. Die Nordicwalking-Stecken sind an der Heimatfront geparkt. Das spezielle Eierspeis-Reindl hab ich kürzlich erst wieder entdeckt – und verwendet, bitte schön. Und die einen Schuhe, die mir schon beim Probieren nicht richtig gepasst haben (die geben schon noch nach) und mir dann beim ersten und einzigen Mal Tragen doch tatsächlich die Füße blutig gerieben haben, sind in der hintersten Ecke des Schuhschranks verborgen. Wegschmeißen? Nein, vielleicht werd’ ich sie doch noch einmal tragen.

Last Modified on November 21, 2012
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