Kranksein ist böse

Es mag ja sein, dass ich das jetzt ein wenig glorifiziere. Aber früher war Kranksein schon schöner. Also nicht, dass es mir in meiner Schulzeit mit einer Bronchitis besser gegangen ist als heute. Oder dass ich eine Angina vor fünfzehn Jahren mehr genossen habe. Aber früher, da war ganz einfach die Mama da, die einen umhätschelt hat. Die Essigpatscherln gemacht hat (Auch wenn es immer einige Überzeugungsarbeit gebraucht hat, mir dieses diese stinkerten, kalten nassen Fetzen um die Füße zu wickeln). Die einem Topfen auf die Brust geklatscht hat, weils die Entzündung hemmt. (Ja gut, auch das alles andere als ein schönes Gefühl, aber trotzdem.) Und die einen kurz und gut ständig gefragt hat, ob man noch was will oder braucht. Das war schon schön. Und als ich da vergangene Woche mit wundem Anginahals, Schüttelfrost und schmerzenden Gliedern im Bett gelegen bin, war ich doch wirklich kurz versucht, dass Angebot meiner Frau Mama anzunehmen, doch zu mir in die Hauptstadt zu kommen. Zum Pflegen. So wie früher.

Keine Sorge. Ich hab’s nicht angenommen. Bin ja schon groß. Kann mich alleine zur Ärztin schleppen, die nach einem kurzen Blick in meinen Hals lapidar meint: “Ja, der werden wir schon Antibiotika brauchen.” Kann mir auch selber Tee kochen. Den ich die ersten drei Tage eh nit trinken hab können. Weil ich konnte einfach gar nicht schlucken. Weder fest noch flüssig. Also so als Diät war das sicher super. Vom Wohlfühlfaktor her eher nicht so. Kann auch selbst bei mir Fieber messen. Und kann mir meine Medikamente auch selbst verabreichen. Aber schön war das nicht.

Also nicht, dass ich ganz auf mich allein gestellt war. Mein liebster W. war ja auch noch da. In der Früh und am Abend. Muss ja arbeiten. Aber, naja, das ist halt einfach nicht dasselbe. Weil wenn wir krank sind, dann sind wir einfach wieder Kind und dann wollen wir unsere Mama. Da bin ich sicher nicht allein. Und wenn ich krank bin, dann bin ich sowieso ganz arm. Und dann darf ich auch einmal ein wenig schwierig sein. Bin ja eh so unglaublich pflegeleicht im gesunden Zustand. Und dann darf ich mir auch Pudding wünschen, nur um später Chips zu wollen. Und dann darf ich Pfirsichkompott bestellen, nur um später lieber Weichselkompott essen zu wollen. Dann geht’s mir auch bald besser. Kommt ja auch nicht oft vor, so viel selbstmitleidtriefende Unschlüssigkeit.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *