Im zweiten Kreis der Telefonhölle

Ich gebe es offen zu: Ich bin wohl nicht der geduldigsten Menschen eine. Ich schmeiß auch gerne einmal die Nerven weg. Und ich bin, besonders an schlechten Tagen oder wenn ich hungrig und/oder müde bin, eher leicht zu nerven. Was mir aber immer, wirklich immer – vollkommen unabhängig von meiner Tages- oder Stundenverfassung, vom Wetter oder der Gesamtsituation – unsäglich am Geist geht, ist Musikuntermalung statt Telefonklingeln beim Anrufen. Ich spreche nicht von Telefon-Warteschlangen (Obwohl die auch ihren Teil zum vorzeitigen Ergrauen meiner Haare beitragen). Kein: Zur Zeit sind alle Leitungen besetzt. Einer unserer Mitarbeiter kümmert sich sobald eine Leitung frei wird um Sie. Bitte etwas Geduld. Und eine gedüdelte Kleine Nachtmusik soll entspannend auf den Anrufer wirken. FYI: Tut es nicht. Wirklich nicht. Und es ist auch keine gute Idee “Guantanamera” mit Tastentönen zu spielen, liebe Gemeinde XY. Warteschlangen sind so ein ganz eigener Höllenkreis. Hauptsächlich reserviert für Journalisten. Und Menschen mit Problemen mit UPC.
Nein, ich meine den zweiten Kreis der Telefonhölle: Anrufmusik, die sich jeder für sein Handy persönlich einstellen kann. Also angenommen man würde jemanden von, pfuh, der Wirtschaftskammer brauchen und wählt ganz brav die Handynummer. Dann kommt da nicht hundsordinäres Läuten. Nein! Irgendein Italo-Schmalzheini singt von der ewigen Liebe, dem knackigen Hintern seiner Angebeteten oder Linguine mit Basilikumpesto. Zwischendurch wird das Gedudel ein wenig leiser und es klingelt sanft. Nur damit der Anrufer weiß, dass er noch anruft. Könnte ja sein, dass man das vergessen hat und glaubt die Notte italiana auf Radio Arabella erwischt zu haben. Wie bitte soll ich den Hansl da noch ernst nehmen?
Wer auch immer diese schwachsinnige Idee hatte, gehört eine Runde öffentlich ausgepeitscht. Danach muss er einen Tag lang nur Leute anrufen, die sich ihr derzeitiges Lieblingslied als Anrufton eingestellt haben. Aber keiner wird abheben und es wird auch nicht die Mailbox angehen, bis er das Lied nicht einmal ganz angehört hat.
Und wer auch immer sich sein Lieblingslied eingestellt hat, gehört ebenso bestraft. Und die, die das mit ihrem Arbeitshandy machen, kriegen noch ein paar Hiebe mehr. Sie haben’s verdient.

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