Bus zur Seligkeit

Rechtzeitiger Dienstschluss reicht im Normalfall ja schon aus, um ein Lächeln in N.s Gesicht zu zaubern. Doch an diesem Donnerstag war ihr Blick richtiggehend verklärt. Wir sind nämlich zu unserem Lieblings-Schweden-Möbelgeschäft getuckelt. Und weil wir beide schon ewig nicht mehr dort waren, war’s wieder etwas zum Hinfreuen. Zum Aufgeregtsein. Weil Ikea-Shopping macht schon ein bisserl selig.
N.s Abstinenz erklärt sich aus der Tatsache, dass sie wirklich keinen Platz mehr für Möbel hat (bis auf das minikleine Kastl, das sie jetzt gekauft hat) und genug Teelichter bis zur Apokalypse. Meine durch den Ikea- und Baumarkt-Overkill, als W. und ich unsere WG gegründet haben. Ich brauchte zwei Jahre lang die Wörter Obi und Ikea nur zu hören, um nervöses Augenzucken zu bekommen. Erst vergangenen Herbst hab ich mich wieder in die Höhle der Raumausstatter gewagt. Aber das war wirklich ein Notfall.
Und jetzt, ja jetzt ziehen wir wieder um. In eine größere und schönere weil hellere Wohnung. Die dank mir eine waldbeereisfarbene Wand im Vorraum hat. So schön.
Jedenfalls braucht man da halt so Sachen. Türchen, um aus Expedit ein Kastl zu machen. Pölster, um das Sofa aufzupeppen. Ein Rollo fürs Schlafzimmer, zwex der Privatsphäre. Und dem Dunkelmach-Effekt. Und N. wollte auch einfach wieder zum Schweden. Und brauchte das Kastl.
Weil W. aus dem Süden kommend mit Auto schon an geheiligter Stätte war, haben N. und ich wie in guten alten Studienzeiten den Bus genommen. Leichte Panik kam nur auf, als das Schilderl, das da immer war und die Ikeabushaltestelle angekündigt hat nicht mehr da war. Aber nach Nachfrage beim örtlichen Würstelstand waren wir beruhigt. “Der fährt immer da vorne”, hat’s geheißen.
Zu unserer Beruhigung waren auch andere Menschen verwirrt. Und haben jeden heranfahrenden Bus gefragt, ob das der Ikea-Bus ist. Wenn groß “236 A” draufsteht eher nicht. Aber die wollten halt auf Nummer sicher gehen. Und dann ist er gekommen. Bunt wie eh und je und mit riesigem Ikea-Schriftzug drauf. Das mittelalte Paar vor uns ist zielstrebig zum Busfahrer hin und hat gefragt: “Ist das der 59 A?” Allein dafür hat sich die Öffi-Fahrt wieder gelohnt. Das Einkaufen danach war übrigens auch schön.

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