Graham erzählt

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle eine Lobeshymne auf Graham Greenes “Stamboul Train” singen. Hatte nämlich wieder einen schwachen Amazon-Moment (einen von vielen, meine Kreditkarte kann ein Lied davon singen) und hab mich mit neuem Lesestoff eingedeckt. Auch wenn ich einen bald mannshohen To-Read-Turm zu Hause stehen hab (Zum Kindle-Kindl). Aber da hat mich halt nix so gereizt, da dachte ich: der Graham, der lässt mich nicht im Stich. Leider muss ich sagen: Hat er doch, so ein bisserl. Weil anders als die Bücher, die ich bisher von ihm gelesen hab, und die ihn zu einem meiner absoluten Lieblingsautoren gemacht haben, hat mich die Geschichte nie so richtig fesseln können. Und die Charaktere haben mich auch eher kalt gelassen. Aber weil ich euch den Briten ganz unbedingt ans Herz legen will, greif ich jetzt einfach auf Schon-vor-Längerem-Gelesenes zurück.
Was wirklich jede und jeder gelesen haben muss – ich mein das ernst – ist “Our man in Havana”. Die unglaublich großartige, lustige und bitterböse Geschichte vom Staubsaugervertreter Jim Wormold (bitte, der Name!), der mit seiner Teenager-Tochter Millie in Havanna lebt und sich mehr schlecht als recht über Wasser hält. Zudem muss er mit den Kapriolen seiner frühreifen Tochter zurechtkommen, die einem mächtigen Partei-Bonzen aufgefallen ist.
Kalter Krieg ist und da tritt ein britischer Geheimdienstler auf Wormold zu und will ihn als Spion anheuern. Der Gute will zuerst nicht, doch dann denkt er sich: Geld bringt’s und ich muss ja nicht wirklich spionieren. Ich muss nur gute Geschichten erfinden. Und das tut er auch. Und so glaubwürdig, dass die Herren in London schon so richtig nervös werden, was denn auf Kuba passiert und ob die vielleicht die A-Bombe haben.
Wie herrlich die ganze Geheimdienstwelt da zerlegt und satirisch auf die Schaufel genommen wird: ganz groß. Unbedingt lesen.
Nicht lustig aber wunderschön ist “The End of the Affair”. Die Geschichte der Liebesbeziehung vom egomanischen Autor Maurice Bendrix und der verheirateten Sarah Miles erzählt Greene ruhig aber mitreißend. Seine Sätze sind einfach nur ein Genuss. Und er zeigt, dass jede Geschichte, jede Affäre zwei Seiten hat. Mindestens. Bitte lesen.
Und weil aller guten Dinge drei sind: “The Comedians”. Und nicht nur weil die Protagonisten Jones, Smith und Brown heißen. Oder weil ich durch dieses Buch ein bisserl was von der nicht so glorreichen haitianschen Geschichte mitbekommen habe (Die Komödianten sind britische Exilanten auf Haiti. Als der nicht zimperliche Diktator Papa Doc dort herrscht haben sie auch mit ihren ganz persönlichen Problemen zu kämpfen). Sondern vor allem, weil Greene es mit seiner Prosa schafft eine ganz besondere Atmosphäre zu schaffen. Ich kann’s nicht beschreiben, deshalb: Unbedingt lesen.

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