Thermale Körperkunst

Auch wenn ich das gruppöse Wir-sind-so-romantisch-und-verliebt-weil-wir-gemeimsam-mit-hundert-anderen-Pärchen-im-Thermalwasser-auf-einander-picken-und-uns-gaanz-verliebt-anschauen weder verstehe, noch mag, so ein Thermenwochenende ist schon schön. Man muss sich nur vom Gruppenkuschel-Becken fernhalten. Dann ist alles gut.

Weil alle während der ganzen – also meisten – Zeit (beim Frühstück und beim Abendessen ist man dann doch eher vollständig bekleidet) jetzt nicht ganz so viel anhaben, gibt’s auch viel zu schauen, äh sehen. Also Haut. Jetzt nicht unanständig denken. Fahr nicht in die Therme zum Spechteln. Da brauch ich nur kurz aus dem Fenster schaun. Da hab ich meinen Ugly Naked Guy. Der ist immer, wirklich immer auf Youtube. Zumindest hoffe ich, es ist YouTUBE. Aber er hat öfter seine Händer hinterm Kopf verschränkt. Das wär ja höchst ineffektiv würd er sich so Pornos reinziehen. Weil, ich seh zwar recht gut auf seinen Bildschirm. So gut dann aber auch nicht, dass ich genau erkennen kann, was er da schaut. Nicht dass ich das wollte. Außerdem, wie gesagt ist er nicht Handsome oder Cute oder Hot Naked Guy. Aber ich schweife ab. Therme war ja das Thema.

Ein Thermenwochenende verschafft einem also nicht nur viel Ruhe und Entspannung sondern auch einen guten Überblick über das, was in der Tatoo-Welt grade so in ist. Oder war. Je nach Alter der Träger. Jedenfalls kann ich nach drei Tagen unausweichlicher Beobachtungen folgendes mitteilen: Asiatische Schriftzüge sind immer noch in. Würd ich mich ja nie trauen. Außer man kann fließend Japanisch, kann da ungefähr genau alles stehen. Der Tätowierer, wenn sein Humor auch nur ein bisschen meinem ähnelt, kann da richtig blöde Sachen schreiben. “Ich lass mir was asiatisches auf den Nacken stechen und glaub auch noch das ist voll kreativ und so” oder “Meine Lieblingsfarbe ist hot Pink, passt nur leider nicht zu meinen Augen” wären eine tolle Zier für jeden Cornetto-Bären.

Schulter-Tatoos sind wieder ganz groß im Kommen. Kaum ein Anfang-20er ohne. Gerne auch in Bunt. Und das Arschgeweih, das tatootechnische Nonplusultra der späten 90er und Nuller-Jahre ist einfach echt nicht tot zu kriegen. Und wenn die normalen Tribal-Hautstechereien schon mäßig ästhetisch sind, hab ich seit vergangenem Wochenende einen neuen Spitzenreiter auf dem Sektor entdeckt. Ich gehe davon aus, dass die Trägerin sich gedacht hat, das schaut hübsch aus. Und man sieht sich ja auch selten selber von hinten. Aber so ein bisserl Vorstellungsvermögen sollte man schon haben. Oder alles dreimal kontrollieren. Besonders wenn man sich mehr oder weniger für ewig mit einem Dekoelement versieht. Dann wär’ der Guten aufgefallen, dass die vier Schmetterlinge nicht ganz so geschickt platziert sind. Weil’s halt jetzt so ausschaut, als ob ihr die Schmetterlinge aus dem Popsch fliegen. Wie gesagt, mäßig ästhetisch.

 

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