Zu fett und zu faltig

Guilty pleasures sind etwas Schönes. Eines meiner (ja, ich hab mehrere davon) sind glossy magazines. Zeitschriften die relativ eindeutig an eine weibliche Zielgruppe gerichtet sind. Mit vielen hübschen Bildern, meist mit Verweisen auf Mode, die sich die durchschnittliche Leserin sowieso nie leisten wird können, und immer wieder erstaunlich sinnfremdem Inhalt. Es gibt wenig, was das Hirn besser auslüftet als die Lektüre so einer Zeitschrift. Und so ein Sonntag am Sofa ist fast nicht komplett, ohne ein wenig unintellktueller Unterhaltung. Was leider nicht heißt, dass mich gewisse Inhalte nicht doch auch emotionalisieren können.

Immer häufiger werden jetzt nämlich Artikel zum wunderbaren Thema Anti-Aging. Da gibt es die besten Tipps, wie das Alter aufzuhalten ist. Die besten Ärzte, die dabei helfen können. Und Selbstversuche, in denen die Autorin versucht binnen zehn Stunden zehn Jahre zu jüngern. Scheinbar sind wir alle nicht mehr nur zu fett, sondern auch zu faltig.

Botox ist natürlich ganz oben auf der Liste der Mittel, die das Altern aufhalten sollen. Irgendwelche Unterspritzungen sind auch immer empfehlenswert. Die glätten und machen süße Apfelbäckchen. Wer sich nix spritzen lassen will, sollte zumindest zu chemischen Peelings greifen. Im Prinzip wird dabei die oberste Hautschicht abgetragen und die Haut “angeregt” neue Hautzellen zu bilden. Es dauert halt ein paar Tage bis man wieder gesellschaftsfähig ist, wie es so schön heißt. Eh klar, schließlich ist das Gesicht eine einzige offene Wunde.

Vor ein paar Jahren, damals knackige 26, musste ich einen Artikel über Anti-Aging-Methoden schreiben. Über minimalinvasive. Also nix mit seitlich aufschneiden und straff ziehen, mehr so unterspritzen was geht. Es sollte nix Kritisches werden. Schließlich waren die Anzeigenkunden und die Chefredakteurin hat sich auch gern kostengünstig jung erhalten lassen. Und wenn man dann so einer Schönheitsärztin gegenüber sitzt, da will man doch wissen, was bei einem selbst gemacht gehört.

Als erstes müsste ich dringend einmal ein chemisches Peeling machen, so die Dame mit der wächsernen Haut. Damit die alte Haut wegkommt und was Frisches nach. Dann wär Botox total wichtig. Schließlich hätte ich eine wirklich intensive Mimik und da kann sich die Haut schon recht früh in Falten werfen. Deshalb Nervengift in die Stirn. Wenn ich will, kann ich natürlich auch was bei meinen Wangerln machen. Siehe Apfelbäckchen. Find ich ja total wichtig, dass auch noch 80jährige Apfelbäckchen haben. Wenn wir schon mit osteoporotischen Knochen (dank Mangelernährung, wir sind ja so dick) dem Grab entgegen wackeln, schau ma wenigstens noch frisch aus. Und etwas noch: Also ich muss ganz unbedingt Hautcreme mit Lichtschutzfaktor verwenden. Bei meiner Haut wär 50 schon angebracht. Weil die Sonne ist böse, die lässt die Haut so rasend altern. Und ich muss natürlich sofort mit den Jugendsichernden-Maßnahmen beginnen. Denn mit Mitte 20 ist das schon eher knapp. Am besten ist es nämlich möglichst früh mit den Behandlungen anzufangen. Da kann man noch sanft vorgehen. Später muss gleich einmal geschnippelt werden. Am besten wäre es wohl gleich nach der Geburt das Freie zu meiden. Die Nacktmulle machen’s ja nicht anders und wie hübsch die sind.

Irgendwie hat mich schlussendlich keine Behandlung so richtig angesprochen. Also hab ich die vergangenen vier Jahre damit verbracht, meiner Haut beim Altern zu zuschauen. Oh, tschuldigung. Etwas hab ich probiert, nachdem mir meine Apothekerin es auch sehr empfohlen hat: Hautcreme mit Sonnenschutz. Das einzige, was es gebracht hat, waren mehr Pickel als während meiner ganzen Pubertät zusammen. Auch eine Möglichkeit des jugendlichen Aussehens.

 

 

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