Reisefieber


Wer hin und wieder hier schon einmal vorbeigeschaut hat, wird bemerkt haben, dass ich Graham Greene ganz toll finde. Zwar hat mir mein vorheriges GG-Buch “Stamboul Train” nicht so super gefallen hat, aber das gerade ausgelesene reißt alles wieder raus. “Travels with my Aunt” ist GG at his best. Außerdem ist das Buch der beste Beweis dafür, dass wenn man nur genug oft sagt: “Das Buch würde ich echt gern einmal lesen”, man es auch geschenkt bekommt. Danke, C.!

Henry Pullen, ein pensionierter Bankfilialleiter, trifft beim Begräbnis seiner Mutter auf seine Tante Augusta. Er hat sie schon gekannt, aber ab diesem Zeitpunkt haben die beiden erst wieder Kontakt. Augusta ist alles, was Henry nicht ist: abenteuerlustig, reisefreudig, phantasievoll, kompromisslos. Henry liebt sein ereignisloses Leben und verbringt seine Zeit mit der Zucht von Dahlien. Er hat bisher kein Bedürfnis gehabt, England zu verlassen: “My books are a good antidote to foreign travel and reinforce the sense of the England I love” -statt zu reisen, liest er Walter Scott. Trotzdem lässt er sich in Augustas Welt hineinziehen, beginnt mit ihr zu reisen. Und nach und nach merkt er, dass ihm schon etwas gefehlt hat, bisher. “I have lost the taste for dahlias.” ist wohl einer der großartigsten Sätze des Buches.

Die Charaktere in “Travels with my Aunt” sind zwar nicht immer unbedingt sympathisch, aber irgendwie kann man nicht anders, als sie zu mögen. Wenn Augusta von ihrer Vergangenheit erzählt, etwa von ihrem Liebhaber Curran, mit dem sie eine Kirche nur für Hunde gegründet hat, verzeiht man ihr ihre ruppige Art sofort. Außerdem ist es einfach nur so absurd witzig. Die ganzen Nebenfiguren mit ihren kleinen und großen Spleens und Absonderlichkeiten vervollkommnen das Buch. Und ganz nebenbei macht einem Graham Greene auch etwas anderes klar: Man muss sich einfach etwas trauen. Und es ist gar nicht so wichtig, wohin man reist, Hauptsache man bewegt sich. Denn wer still steht erlebt keine Abenteuer. An dem der still steht, läuft das Leben vorbei. Bitte lesen.

 

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