Künstlerische Markenzeichen

Wenn man sich das einmal so genau anschaut, dann haben die meisten Blogs ja ganz viele Fotos. Da gibt’s Leute, die täglich fotografieren und kommentieren was sie anhaben. Die andern zeigen der Welt, was sie kochen oder backen. Die andern einfach nur, dass sie heute schwimmen waren. Also mach ich da irgendwas falsch. Meine Einträge lassen meistens Fotos arg vermissen. Einfach, weil ich eigentlich echt nicht das Bedürfnis habe, mein Gesicht das ständig herzuzeigen. Und mich auch nicht so superduper modisch anziehe, dass das irgendjemanden jucken würde. Und weil ich relativ wenig Fotowürdiges koche. Und weil meine Fotos echt nicht so der Hammer sind. Wobei, ich müsste die wahrscheinlich einfach nur richtig verkaufen.

Im Zeitmagazin darf immer irgendein Fotograf, eine Fotografin ihre Werke veröffentlichen. So als Serie. Der eine hat immer schrecklich überbelichtete Bilder von halbnackten bis nackten Frauen gemacht. (Soviel wollte ich von Vivian Westwood nie sehen). Die haben alle einen ungesunden gelblichen Hautton gehabt. Sowas zwischen leberkrank und Chemotherapie. Es war sein Markenzeichen, stand dann einmal irgendwo.

Die andere macht so verschwommene Fotos von irgendwas. Sie selbst halb versteckt hinter einem Vorhang. Ihr Freund in der Badewanne. Ein Reh im Wald in der Dämmerung. Bei letzteren beiden war der Oberkörper abgeschnitten. Beim Mann hat man dann im Prinzip eh nur Oberschenkel und Penis gesehen. Beim Reh den Popsch. Freundlicherweise steht in den Bildunterschriften immer, was man sehen soll. Beim Vorhang-Foto war es super, dass ich wusste, dass die Fotografin selbst die anämisch verschwommene Trutschn sein soll. Beim Mann war es schön zu erfahren, dass das verschwommene Geschlechtsteil ihrem Liebsten gehört. Beim Reh-Bild dachte ich zuerst, es geht um den Wald. Erst nach etwas Suchen habe ich das Viech entdeckt. Die Weichzeichner-Verschwimm-Abschneid-Methode ist ihr Markenzeichen.

Ich habe mir überlegt, ich werde jetzt auch meine Bilder zu irgendeinem hippen Lifestyle-Magazin schicken. Oder, wenn ihr Glück habt, hier veröffentlichen. Ich habe nämlich auch künstlerisch wertvolle Fotos. 85 Prozent meiner Urlaubsfotos sind verschwommen und unterbelichet, irgendwelche Körperteile der Fotografierten sind gerne einmal abgeschnitten. Das ist mein Markenzeichen.

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