Fehlalarm

Es gibt ja so Momente, da weißt du: das geht jetzt schief. Und heute war wieder so einer bei mir. Und, hui, ging das schief. Weil, ich war die letzte in der Redaktion. Passiert zugegeben selten bis gar nicht. Mit ein Grund, warum ich immer schau, dass ich nur ja nicht die letzte bin ist die Alarmanlage. Zwei Kolleginnen haben die schon versehentlich ausgelöst. Ich wollte nicht die dritte sein. Nun, sein heute Abend kann ich mir das einrexen.

Dabei hat Kollegin A. mir versichert, dass ich nach dem Drücken von dem und dem Knöpferl noch genügend Zeit hätte, heil rauszukommen. Nix da. Der Dreck hat gleich zu piepen begonnen. Zuerst dachte ich ja noch: Hmm, das ist vielleicht das Jetzt-ist-eingeschaltet-Piepsen. Aber als ich bei der Gebäudetür rauswollte und das Alarmlicht im Hof losgegangen ist, wusste ich: Nö. Das ist das Ich-schlage-Alarm-Piepsen.

Und in dem Moment begann die Panik. Weil ich hatte ja den Code nicht, um das Drecksteil abzuschalten. Aus welchem Grund auch immer, wissen den nur drei Leute oder so. Und ich hatte natürlich nicht die Telefonnummer dieser Menschen. Also: Panik. Hysterie. Schweißausbrüche. Und die Angst, dass die Wega binnen weniger Minuten mit MP im Anschlag vor mir stehen wird. Und ein sanftes: “Tschuldigung, hab den Alarm versehentlich ausgelöst. Ich arbeite da.” dürften die nicht so klass finden.

Also versuchte ich irgendwen zu erreichen, der vielleicht eine Telefonnummer hat. Die liebe S. empfahl mir, doch vielleicht bei der Polizei anzurufen. Keine schlechte Idee. “Hallo, also ich weiß nicht, ob sie da schon was gemerkt haben, aber in dem und dem Gebäude, also da ist grade der Alarm losgegangen. Ich wollt nur sagen: das war ich. Und zwar versehentlich. Und jetzt weiß ich nimmer wie das zum Ausschalten geht. Können Sie das?” Die nette Dame vom Polizeinotruf hat noch nichts bemerkt gehabt. Und kann da auch nichts abschalten. Aber sie kann ja einmal einen Streifenwagen vorbeischicken.

Die liebe K., die mich dann gottseidank zurückgerufen hat, wies mich darauf hin, dass im Alarmanlagen-Kastler die Nummer vom Sicherheitsdienst steht. Sie muss es ja wissen. Sie ist eine von den unglückseligen Alarmauslöserinnen. Der ebenfalls nette Herr (ich frage mich wie oft die alle von leicht hysterischen Hühnern angerufen werden, die wieder einmal versehntlich den Alarm ausgelöst haben) konnte den Alarm auch nicht beenden. Aber ob ich nicht vielleicht so ein Markerl am Schlüsselbund hätte. Mit dem geht das. Also wenn ich so ein Drecksteil hätte, hätte ich den Alarm wohl schon ausgeschaltet. Hmm, dann könne er mir noch zwei Nummern geben, von Leuten aus der Redaktion, die den Code hätten. Uff. Danke.

Das erste Handy war ausgeschalten. Beim zweiten ging wirklich wer dran. M. gab mir den Code. Alarm aus. Das dürfte dann auch die Nachbarn gefreut haben, die neugierig aus den Fenstern der umliegenden Gebäude gelugt haben.

Nachdem mich endlich wieder Stille umfangen hat der nächste Anruf bei der Polizei: “Hallo, ich bin’s wieder. Die mit dem Alarm. Hab ich mit Ihnen geredet? Also ich hab das jetzt abgeschalten. Die Polizei braucht nimmer kommen.” Die Dame war wieder sehr zuvorkommend. Hat mich aber trotzdem ausgelacht. Und grade als ich gehen wollte fahren zwei Autos ein. Das erste ist mein Chef. Also der Chef vom Chef. Der Oberchef. Das zweite die Polizei. Mein Glück war wohl nur, dass el Jefe einfach so erleichtert war, dass nicht gerade eine Einbrechergruppe die Büros ausräumt. Sondern nur die patscherte Redakteurin einen Fehlalarm ausgelöst hat.

Und was lerne ich daraus? Ich werde nie wieder länger arbeiten.

Last Modified on November 20, 2012
This entry was posted in Turmzimmer
Bookmark this article Fehlalarm

2 thoughts on “Fehlalarm

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *