Friedhofsbesuch

Wie schon erwähnt findet zur Zeit das Klezmore Festival in der Hauptstadt statt. Und neben wirklich lässigen Konzerten gibt es auch ein Rahmenprogramm. Ein Programmpunkt ist ein Rundgang am Währinger Jüdischen Friedhof. Und nachdem das letztes Jahr nicht geklappt hat, weil ich zu spät mit der Anmeldung war, hab ich mich sehr gefreut heuer dabei sein zu können. Die Führung macht Historikerin Tina Walzer. Die Erhaltung und Restaurierung des Friedhofs und Öffnung für die Öffentlichkeit ist ihr Herzensprojekt. Und wohl auch ein bisserl eine Lebensaufgabe. Na jedenfalls kennt sie sich wirklich aus mit dem Friedhof und kann wirklich super spannende Sachen erzählen. Die zwei Stunden vergingen wie im Flug. Wär’ mir am Ende nicht schon wirklich kalt gewesen, hätt’ der Rundgang noch länger dauern können. Die liebe L., die mich begleitet hat, hätte ja vorgeschlagen, in der Mitte einmal heißen Tee auszuschenken. Vielleicht ist das eine Idee fürs nächste Jahr.

Der Friedhof selber wurde 1784 unter Josef II. eröffnet und war gut 100 Jahre “in Betrieb”. In der NS-Zeit wurde er erstaunlicher Weise nicht komplett zerstört. Laut Tina Walzer wohl, weil es andere antisemitische Betätigungsfelder gegeben hat, die den Ausführenden mehr “Spaß” gemacht haben dürften. Einige Grabsteine wurden allerdings dann schon umgestoßen und die Gruften vom Naturhistorischen Museum Wien geöffnet und die Knochen zu “Rasseforschungszwecken” entfernt. Das Areal selber musste von der Israelitischen Kultusgemeinde an die Gemeinde Wien zwangsverkauft werden. Nach WK II wurde dann der Friedhof irgendwann doch wieder zurückgegeben. Aus Geldmangel verfällt der Friedhof seither aber zunehmend und ist sogar für die Öffentlichkeit gesperrt. Schließlich könnte ein Ast von einem Baum runterkommen oder Steine umfallen. Zwar sollte das Washingtoner Abkommen garantieren, dass die jüdischen Friedhöfe in Wien staatliche Unterstützung bekommen. Aber irgendwie schieben sie Bund und Land die Verantwortung zu. Unterm Strich heißt das einfach, das nix weitergeht und der Friedhof weiter verfällt. Eine Gruppe von Freiwilligen kämpft dagegen an. Aber das alles und noch mehr erfährt man bei einer Führung. Die Termine für 2013 werden irgendwann bald einmal hier bekannt gegeben.

So, eigentlich wollte ich nur kurz darauf hinweisen, was ich heute nicht Schönes getan hab und dann gleich die Fotos posten. Tja, nix da. Bin wieder einmal vom Hundertsten ins Tausendste gekommen. Aber jetzt, damit ihr einen Eindruck vom wirklich faszinierenden Friedhof bekommt, die Bilder.

 

 

 

 

Last Modified on March 8, 2013
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