Frische Luft

Menschen lassen sich ja relativ leicht in verschiedene Gruppen einteilen. Fleischfresser und Vegetarier. Putzfanatiker und Schlampertatsche. Schifahrer und Snowboarder. usw.usf. Und dann gibt’s da auch die Lüfter und die Nicht-Lüfter. Ich bin ja eindeutig eine Lüfterin. Ich halte es einfach für nötig in nicht allzu großen Abständen einmal das Fenster aufzumachen und Frischluft reinzulassen. Nach dem Kochen ist das fein. Dann stinkt nach Möglichkeit nicht mehr alles nach Essen. Vor dem Schlafengehen ist das auch fein. Dann muss man nicht in der abgestandenen Luft schlafen gehen. Während des Arbeitstages ist das fein. Weil dann schläft man nicht ein.

Mein Lieblings-W. ist ein Nicht-Lüfter. Dass Lüften vorm Schlafengehen ist ihm seit Jahren ein Dorn im Auge. Weil, dann wird’s ja kalt im Schlafzimmer. Soll es ja auch. Will ja nicht im heißen Zimmer schlafen. Was bedeutet, ich ignoriere seit Jahren etwaige Proteste. Mit dem Erfolg, dass er immer hinter mir nachgeht, um die Fenster zu schließen.

Bisher habe ich dieses Verhalten nicht unbedingt geschlechtsspezifisch gesehen. Doch die liebe H. brachte mich vergangene Woche beim Ganslessen (Wie immer ein Traum. Und auch wenn wir es uns noch so gern einreden wollen – wir waren wieder einmal der lauteste Tisch im Lokal) darauf, dass das doch was mit der Höhe des Testosteronspiegels zu tun haben könnte. Denn vor Kurzem musste sie gleich zweimal Büros betreten, in denen ausschließlich Männer arbeiten. Und die schienen es nicht so mit dem Lüften zu haben. Oder, um mit H.s Worten zu sprechen: “Da hat es gestunken wie im Affenhaus in Schönbrunn.” Also nicht dass hier irgendjemanden mangelnde Körperhygiene oder eine erhöhte Flatulenz-Frequenz unterstellt werden soll. Die Luft wird im Laufe der Zeit einfach verbraucht und grauslich. Deshalb wird ja auch gelüftet. Ein Konzept, dass den Herren durchaus suspekt sein dürfte. H. hat aber in dem Moment davon abgesehen, sie darauf hinzuweisen. Sie ist einfach schnell wieder gegangen. Ins Büro mit der Kollegin, die sich mit Vorliebe mit starkduftenden Handcremen und Ölen einreibt. Ist zwar auch intensiv. Aber nicht ganz so widerlich, wie H. versichert. Zur Not kann man ja immer noch das Fenster aufreißen.

Last Modified on March 8, 2013
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