Alles wird gut

Ich find’s ja immer schön, wenn ich Reaktionen auf meine Postings erhalte. Euphorische Lobhudeleien, die mein ungemeines Schreibtalent, meinen tiefgründigen Humor und meine augenzwinkernden Selbstironie preisen sind mir natürlich am liebsten. Kommen aber erstaunlich selten vor. Also mehr so gar nicht. Aber ich lasse mir ja von der Realität nicht meine Laune verderben. Und ich träume weiter. Na jedenfalls ist es wirklich schön zu wissen, dass meine Zeilen nicht vollkommen unbeachtet im Schreib-Nirvana verschwinden. Ja, da werden manchmal sogar wahre Emotionen frei. Quasi halt. Vorgestern erreichte mich folgende Nachricht (Rechtschreibung wurde angepasst. Erlaubnis zur Veröffentlichung nicht eingeholt): “Bin sehr dafür, dass du zukünftig Bücher empfiehlst, in denen am Ende Menschen am Leben bleiben. Auch wenn es noch so gut ist.” Absender: die liebe N. Ich werde jetzt nicht verraten, um welches Buch es sich gehandelt hat. Will ja niemanden spoilern. Aber ich habe diese Kritik vernommen, verarbeitet und will darauf reagieren. Ich dachte, ich werf’ meinen lieben Lesern jetzt einfach einmal gleich ein paar Bücher hin, die ohne Todesopfer auskommen. Und bei denen nicht zuviel verraten ist, wenn man sagt, dass da keiner stirbt. Tja, das winzige Problem war gerade nur, dass außer Schmusibu-Büchern mir da kaum etwas Passendes eingefallen ist. Und da ich mich mittlerweile an der Heimatfront auf Weihnachtsurlaub befinde, kann ich nicht einmal mein Bücherregal durchgehen und nachschauen. Aber ich verzage ja selten. Nach kurzem In-Mich-Gehen kann ich nun folgende Werke mit gutem Gewissen an alle Anhänger von Protagonisten, die samt und sonders überleben, empfehlen. (Und falls da doch einer abtritt, kann ich mich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern und es zählt nicht.) Falls wer noch ein Last-Minute-Geschenk für jemanden braucht, oder sich einfach auch Lesestoff für die Feiertage auf den Kindle laden will. Also bitte lesen! (Ähem, ein Teil ist scheinbar zur Zeit schlecht zu bekommen. Aber vielleicht wird’s wieder.)

Bill Bryson: Notes from a Small Island  – Unübertroffener Reisebericht eines Amerikaners, der nacht Großbritannien ausgewandert ist und sich die Insel erwandert. Unglaublich lustig.

Toni Jordan: Tausend kleine Schritte (Addition) – Schmusibu mit Twist. Zwangsneurotikerin versucht mit dem Leben zurechtzukommen. Bezaubernd.

Sophie Kinsella: I’ve got your number – Klassisch Schmusibu. Man weiß, wie es ausgeht, aber der Weg dorthin ist wirklich sehr lustig. Obwohl es in der ersten Person geschrieben ist.

Peter Mayle: Trüffelträume – Bissi Krimi, aber ohne großartige Gewalt. Im Prinzip ein Loblied auf die Provence. Man riecht den Lavendel, man schmeckt den Wein und will sofort die Koffer packen und einen Urlaub in Südfrankreich machen. Scheinbar nur mehr gebraucht erhältlich. Hmm.

Science Busters: Gedankenlesen durch Schneckenstreicheln – Die schärfte Boyband der Milchstraße hat zum Buch auch ein Hörbuch. Gelesen vom großartigen Harry Rowohlt. Aber auch die Herren Puntigam, Gruber und Oberhummer kommen zu Wort.

Wolf Haas: Das Wetter vor 15 Jahren – Seine Krimis mag ich nicht lesen. Aber das ist meiner Meinung nach eines der besten Bücher ever. Ich liebe Bücher mit ungewöhnlicher Struktur. Das ist wirklich praktisch perfekt.

Vladimir Nabokov: The Real Life of Sebastian Knight – Also einen Nabokov muss man in seinem Leben gelesen haben. Der hier hat eine ungewöhnliche Struktur (Präferenz s.o.) und kann mit einem der schönsten Sätze aufwarten, die jemals geschrieben wurden: “She entered his life without knocking.”  (Ähem, die Titelperson ist am Anfang vom Buch schon tot, das zählt also nicht.)

Last Modified on December 30, 2012
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4 thoughts on “Alles wird gut

  1. N.

    For the record: ich bewundere dein ungemeines Schreibtalent, mag deinen tiefgründigen Humor und noch viel mehr deine augenzwinkernden Selbstironie… Ich weine nur halt so ungern im Zug – dann schauen einen alle komisch an. Ist aber auch mein Fehler, wurde ja gewarnt (das nächste Mal ziehe ich mich einfach in mein stilles Kämmerlein zurück, da kann ich dann nach Herzenslust weinen ;).
    N.

  2. Ja, ihr solltet besser auf mich hören. Aber wie ich gerade feststelle, beginnst du langsam damit. Man muss also den Leuten nur genau vorsagen, was sie sagen sollen. Irgendwann machen sie’s dann ;D

  3. lapoule

    lobhudle ich nicht genug? dann hudle ich lob hinterher!

  4. Erstens kann’s ja nie genug sein. Bin da wirklich unersättlich. Doch ich verspreche nicht abzuheben. Meine ausgeprägten Arbeiterklasse-Wurzeln halten mich fest am Boden. Zweitens hat’s meine Beschwerde ja scheinbar gewirkt;D

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