Das Dutzend ist voll

Es ist ja ganz normal, dass sich Paare, wie soll ich sagen, im Laufe der Jahre im Verhalten annähern. Wenn sich schon nicht von Anfang an Gleich mit Gleich gesellt hat, oder nur teilweise, weil halt irgendwas schon zusammengepasst hat, dann wird’s langsam gleich. Oder halt ähnlich. Angenähert. Ist ja per se nix Schlechtes. Ist ja sogar schön. (Hier bitte sich ein “solange die eigene Persönlichkeit erhalten bleibt” oder etwas Ähnliches dazudenken. Will ja keine schlechte Nachrede haben.) Aber was inzwischen hier, bei mir passiert, das macht mir Sorgen. Ich erkenne mich kaum wieder.

Mein Lieblings-W und ich waren in der Therme. Zum Jahrestag. Machen wir schon zum wiederholten Mal. Weil, was willst denn machen, wenn man sich just im Jänner über den Weg gelaufen ist? Im Sommer oder Frühling oder Herbst gibt’s ja mehr Möglichkeiten für ein nettes Wochenende das nicht das Abfrieren der Extremitäten beinhaltet. Aber im Jänner? Schlechtes Timing eigentlich. (Hmm, es war wohl nicht meine ausgeprägte romantische Ader, die W. so an mir bezaubert hat, dass er es nun doch schon ein Dutzend Jahre mit mir aushält.)

Na jedenfalls ab ins warme Wasser. Alles sehr entspanndend. Mit ein wenig Dampfgebade und Sauna und Infrarotkabine und eine gute Dosis Schlaf dazwischen. So weit, so mein normales faules Ich. Aber dann fallen mir auf einmal so Kleinigkeiten auf. Wie das Schwimmen vorm Frühstück. Oder der Besuch des Fitnessraumes. Oder die Yogastunde. Oder das Längenschwimmen im Sportbecken. (Ich war noch nie irgendwo in einem Sportbecken!) Und immer mit dabei meine neue Pulsuhr, die ich mir zu Weihnachten gewünscht habe.

Nach dem ersten Schock, denke ich mir, das ist ja alles nicht so schlimm. Das krieg ich wieder in den Griff. Drei Abende am Sofa und alles ist wieder gut. Doch dann fallen mir mehr Sachen auf. Etwa, dass ich bereits fünf Mal in drei Jahren bei Laufwettbewerben mitgemacht habe. Freiwillig. Dass ich mir im vergangenen Jahr total hübsche Laufschuhe und neue Laufhose und Leiberl und so gekauft habe. Dass ich mit Intervalltraining angefangen habe und es mit Spaß macht. Dass ich den Monat im Fitnessstudio als nette Abwechslung zum normalen Training empfinde. Dass ich ein normales Training habe. Dass ich nach drei Tagen ohne Sport unrund werde. Und dass ich mich wirklich, wirklich gerne beim Crossrun im Mai anmelden will, aber noch niemanden gefunden habe, der das mit mir macht. Was mich echt traurig stimmt. Dass ich für unseren nächsten Urlaub eine Wandertour durch Neufundland anstrebe, auf der ich vielleicht ein süßes gleichnamige Hundebaby finde.

Ihr versteht hoffentlich meine Sorge. Binnen weniger Jahre hat “Ich muss mich bewegen. Ich muss Sport machen. Ich muss laufen, laufen, laufen”-W. es geschafft mich von einer ihrem inneren Schweinehund stets untergeordneten, “Mein Sofa ist mein Tempel”- Anhängerin zu einem Sport-Zombie- in – progress zu machen. Ich glaube, ich muss mir diese Beziehung wirklich noch einmal überlegen.

2 thoughts on “Das Dutzend ist voll

  1. k

    Liebste Helena!

    Solange du noch deine Laufschuhe als “schön” beschreibst und nicht beginnst die ganzen technischen Details aufzuzählen und stillschweigend übergehst, dass das Aussehen eher unwichtig ist, musst du dir keine Sorgen machen, dass deine Persönlichkeit in der Beziehung langsam aber sicher verschwindet 😛

    Übrigens: Die liebe Ex-Kollegin R. fand die Idee mit dem Crosslauf gut. Ich muss noch meinen Trainingsverlauf beobachten, bevor ich dir sagen kann, ob ich die Idee auch gut finde.

    Alles Liebe,
    K.

  2. Beobachte, meine Liebe. Und mach mit!

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