Ein Jahr

Es wäre doch schön, wenn man im Leben nichts zu bereuen hätte. Doch Gelegenheiten verstreichen nur allzu oft ungenutzt. Und plötzlich fehlt da jemand. Und man kann ihn nicht mehr über Geschichten aus seinem Leben ausfragen, weil man ihn doch besser kennenlernen will. Oder mit ihm einfach beim Frühstückstisch sitzen und Rätselauflösen. Oder spazieren gehen. Oder umarmen und sagen, dass er brav sein soll und auf sich aufpassen soll, weil man ihn ja noch braucht. Und man hat ihn zum Schluss nicht mehr besucht. Man hätte ja trotzdem fahren können, auch wenn er gesagt hat, komm nicht. Man hat ihn zwar jeden Tag angerufen, aber dann doch nicht so lange geredet, wie man Zeit gehabt hätte. Weil Zeit zum Reden haben wir später auch noch. Falsch gedacht. Und dann kommt der Schmerz, lange vorm Verstehen oder gar dem Akzeptieren. Und ohne die Menschen um einen herum hätte man das alles gar nicht ausgehalten. Die, die mit einem am Küchenboden sitzen wenn man vor Schmerz keine Luft bekommt. Die da sind, wenn der Sarg ins Grab versenkt wird. Die einen festhalten, damit man nicht untergeht. Die einem zuhören. Oder auch nur zuhören würden, wenn man’s einmal braucht. Danke.

 

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Last Modified on March 8, 2013
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