Verlorene Bestellungen

Es gibt ja wenig, was mir noch peinlich ist. Also so richtig Ich-werd-jetzt-schamesrot peinlich. Als Journalistin muss man einfach viel zu viele peinliche und erniedrigende Dinge im Laufe seiner sogenannten Karriere machen, als dass einem da noch großartig was erschüttern kann. Man muss wildfremde Menschen auf der Straße anquatschen und sie fragen, ob sie schon einmal in einer Dreier-Beziehung waren. Man muss Wildhüter fragen, ob sie denn nicht ein Lieblingsmurmeltier haben. Man muss Gärtner fragen, ob sie denn nicht mit ihren Pflanzen reden, damit die so schön ausschauen. Und das ist nur eine kleine Auswahl. Wie gesagt, ich bin abgehärtet. Umso mehr trifft es mich, wenn ich dann doch vor lauter Peinlichkeit im Boden versinken möchte. Vor allem dann, wenn ich etwas mache, was ich normal praktisch nie mache. Ein Beschwerde-Email schreiben. Denn meistens ist mir das echt zu blöd. Und ich weiß ja auch, dass die Hansln, die das beantworten müssen weder etwas dafür noch etwas ändern können. Diese Schwelle zum notorischen Querulantentum habe ich noch nicht überschritten. Dann könnte ich ja gleich Leserbriefe schreiben. Oder Standard-Postings.

Na jedenfalls war der Grund meines – nach wie vor berechtigten Zornes – eine verschlampte Bestellung. Ich mein, da finde ich in Netz endlich die perfekte Sofa-Lümmel, ähem, Yoga-Hose und bin auch bereit den für so ein Teil etwas exorbitanten Preis zu zahlen. Und dann kommt das einfach nicht. Laut Sendeverfolgungsdingsi hat die Hose die Post nie erreicht. Nach einer Woche und einer Zahlungsaufforderung inklusive Produktbewertung hat es mir gereicht. Ich habe, ganz vorsichtig einmal nachgefragt, was denn das soll. Die Standardantwort: “Ihre Bestellung wird Ihnen ehestmöglich zugestellt.” Da werd ich schon heiß. Also noch einmal hingeschrieben, dass ich mir da eine etwas elaboriertere Antwort wünschen würde. Und auch wenn das meinen lieben W. eine hochgezogene Augenbraue gekostet hat: Ja, ich habe elaboriert geschrieben. Sollen die doch im Duden nachschlagen. Haben sie scheinbar auch. Die Antwort war länger, eher auf der devoten Seite. Sie wissen halt auch nit, was da los ist, aber wenn ich das Ding noch will, soll ich es nocheinmal bestellen.

Mein innerer Kampf – “lass es aus Protest sein” und “aber ich will diese Hose” – war binnen einer halben Stunde entschieden. Und die neue Bestellung aufgegeben. Und, oh Wunder. Das selbe Spiel noch einmal. Nur diesmal war ich echt stinkig. Und meine Nachricht an die Servicestelle schon auf der dunklen Seite von unhöflich. Irgendwas von wegen unglaublicher Inkompetenz oder so. Die Erinnerung ist schwammig. Das Mail hab ich vormittags abgesendet. Am Nachmittag wurde das Paket dann zugestellt. Und auch wenn mir die Hose so überhaupt nicht passt, die Farbe doch scheußlich ist oder der Schnitt eine Katastrophe, ich werde sie behalten. Und gleich auch bezahlen.

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