Wiener Freundlichkeit

Ja, ich weiß. Eigentlich ist es weder etwas Neues noch etwas Ungewöhnliches. Aber dennoch. Auch nach mittlerweile fast 13 Jahren in Wien überrascht mich die überbordende Arroganz gepaart mit selektiver Unfreundlichkeit der Wiener Kellner, auch bekannt  – und wohl als Marke eingetragen, und Touris immer als Gegebenheit präsentiert – als Wiener Charme immer noch. Und lässt meinen Blutdruck fatalerweise in die Höhe schnellen. Ort des Unheils? Café Weimar bei der Volksoper. Ja, ich weiß. 18. Bezirk. VOLKSOPER. De Leit sind dort einfach oasch. Aber wir wollten uns mit der lieben M. in der Mitte treffen. Und da wir nicht in die Aida wollten, halt Café Weimar. Waren beide noch nie dort. Sieht ja nett aus.

Also am Ambiente lag es nicht. Das ist zweifelsohne toll. Aber der Rest? Schauderbar. Gut. Ich bin wohl nicht ganz unschuldig an dem Ganzen. Denn ich, ganz offensichtlich nicht Pelzmantel tragende Hofratswitwe habe mich doch glatt erdreistet, mich an einen netten Bankerl-Nischenplatz am Fenster zu setzen. Das brachte mir nicht nur böse Blicke von den Kellnern sondern auch von den Insassen ein. Und von denen, die nach mir kamen. Scheinbar geht sowas gar nicht. Die Strafe folgte auch auf dem Fuß. Der Kellner ließ mich zehn Minuten warten, bis er sich zu meinem Tisch bewegte. (M. hatte sich ein bisserl verspätet also ich ganze 15 Minuten alleine einen Tisch besetzt. Die Frechheit.). Meine Kaffeebestellung nahm er stoisch an. Es ist mir bei ähnlichen Gelegenheiten ja schon passiert, dass ich gefragt wurde, ob ich vielleicht einen Kuchen dazu möchte. Oder überhaupt etwas zum Essen bestellen will. Nicht so hier. Gut schon klar. Wenn man bei den Gspritzen A-Kriechen muss, dann bleibt nimmer so viel Kraft für das Fußvolk übrig. Außerdem, wenn meinesgleichen auch noch etwas isst, bleiben wir ja ewig sitzen.

Den Kaffee hat er mir dann auch demonstrativ ans andere Tischende gestellt. Den der lieben M. dann auch. Und die hat dann noch etwas viel Schrecklicheres getan. Sie hatte ein Baby mit. Mit Kinderwagen. The horror.

Fazit: Wir verbrachten zwei sehr nette Stunden miteinander (Nett wegen der gegenseitigen Gesellschaft. Und trotz der Vollpfosten im Kaffeehaus.). Bei einer Tasse Kaffee. Ohne Kuchen. Weil der Kellner zwar recht oft bei uns vorbei musste. Aber uns nie mehr eines Blickes würdigte. Eigentlich lustig. Hat ihm dann wohl auch nicht so gefallen, dass er 40 Cent rausklauben musste. Weil Trinkgeld gab es zu seiner Überraschung keines. Ähnliche Berichte könnte ich übrigens auch aus dem Café Korb, Bräunerhof, Pancho etc liefern. Aber da muss man dann ja auch nimmer hingehen. Ärgern tut’s einen in dem Moment trotzdem.

3 thoughts on “Wiener Freundlichkeit

  1. marion

    ich finde, wir sollten da mal mit gesamter www-gruppe antanzen, natürlich inklusive den kids und wie immer die lautesten im raum sein. aja und die selbstgemachten kuchen und brötchen nehmen wir uns natürlich auch mit, notfalls setzen wir uns mit der picknickdecke am boden. wieviele minuten bis zum lokalverbot?

  2. k

    oh ja! da bin ich dabei! wir besetzen das café weimar!

  3. Meine Lieben, das klingt nach einem Plan. Und vergesst nicht, den eigenen Prosecco mitzunehmen. Das Gschlodrach von dort kann ja keiner saufen.

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