What is a weekend?

Ja, es hat ewig und drei Jahre gedauert aber widrige Umstände haben es einfach verhindert, dass ich früher zu Downton Abbey gekommen bin. Weil, erstens braucht man Zugang, zweitens Zeit und drittens die richtige Stimmung. Und da war zuerst Game of Thrones. Und wenn man in Game of Thrones-Stimmung ist, kann man nicht Downton Abbey schaun. Und dann hat Hart of Dixie quer geschossen. Und How im met your Mother musste auch ständig aktualisiert werden. Und Big Bang Theory ebenso. Und dann haben der liebe W. und ich auch noch Friends neu für uns entdeckt. Ja, das Leben eines Serien-Junkies ist echt hart. Und dann hat so ein Tag auch nur 24 Stunden. Und gut acht davon sitzt man in der Arbeit. Wenn ich regelmäßig weniger als acht Stunden Schlaf krieg, werd ich unleidlich. Und hin und wieder will man dann ja doch echte Menschen treffen. Zum Plaudern oder so. Dann bleibt halt nimmer viel Zeit übrig, sich seiner Sucht im ausreichenden Maß zu widmen.

Aber jetzt hat alles zusammengepasst. Die DVD ist pünktlich am Freitag angeliefert worden. Die anderen Serien waren gerade aus. Also blieb am Samstag genügend Zeit, nach Downton zu fahren, um sich mit den Crawleys und ihren Angestellten bekannt zu machen. Und was soll ich sagen, es war wunderbar. Die Ausstattung ist herrlich üppig. Die Idee sowohl die Geschichten der Adelsfamilie als auch die ihrer Angestellten zu erzählen ist zwar nicht neu aber trotzdem gut. Und wenn einen das kurz einmal an Gosford Park erinnert – kein Wunder. Der Macher von Downton war auch dort beteiligt. Und dann gibt es da auch immer noch Upstairs, Downstairs (bei uns Das Haus am Eaton Place), das dieses Konzept verfolgt hat. Übrigens gibt’s da auch eine Neuauflage/Fortsetzung, zu der ich auch noch kommen muss. Aber eines nach dem anderen. Jetzt sind wir in der Abbey. Na jedenfalls, die Geschichten sind gut. Die Basis: In England anno 1912 können Frauen nach wie vor nicht erben. Lord Grantham hat aber nur Töchter. Also würde der Titel von Lord Grantham samt Abbey und dem Vermögen (inkl. dem von seiner Frau in die Ehe mitgebrachten) an seinen nächsten männlichen Verwandten gehen. Sein Cousin x-ten Grades und dessen einziger Sohn saufen aber mit der Titanic ab. Und der nächste männliche Verwandte ist ein noch viel weiter entfernter Cousin und der ist auch noch Anwalt. Middleclass. Und jetzt soll der zum Erben herangezogen werden. Was weder der Familie noch Mr Matthew Crawley sonderlich taugt. Und während Lord Grantham das Vermögen nicht irgendwie aufteilen versuchen möchte, sind seine Gattin und seine Mama bestrebt, dass die älteste Tochter zu ihrem Erbe kommt.

Soweit, so kurz zusammengefasst. Wie gesagt, die Geschichte ist spannend und lustig und interessant. Was meiner Meinung nach Downton Abbey aber so besonders und großartig macht, sind die Schauspieler. Gut, ich würde mir auch einen Werbespot für Kloreiniger mit Genuss mehrfach anschauen, wenn Maggie Smith mitspielen würde. Nicht das die es nötig hätte, bei sowas mitzumachen. Aber Maggie Smith ist einfach nur so unglaublich wunderbar. Die kann alles. Und die snobistische Dowager Countess steht ihr sehr gut zu Gesicht. Wenn der Anwalt und neue Erbe erklärt, dass er unter der Woche ja arbeitet und sich dem Anwesen einstweilen nur am Wochenende widmen kann, schaut sie irritiert über den Tisch und meint: “What is a weekend?” Oder wenn die Mama von Anwalt Matthew die neuentdeckte Verwandtschaft freudig begrüßt und sie fragt: “How should we call each other?” meint sie lapidar: “Well, we could always start with Mrs Crawley and Lady Grantham.” Herrlich. Und natürlich sind die anderen Schauspieler und Schauspielerinnen auch grandios. Aber ich hab jetzt schon soviel geschwafelt. Die Botschaft ist eigentlich recht kurz: Wer Kostüme mag und den britischen Akzent und wunderbare Darsteller MUSS sich das unbedingt anschauen.

Und wer schon einmal einen Eindruck von Dear Maggie bekommen will, hier ein zehn herrliche Momente mit ihr. Ohne wirkliche Spoiler-Gefahr.


 

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