Auch Engel haben Angst

Ich bin ja eigentlich nicht die super Krimileserin. Also hin und wieder les ich schon einen. Der ist dann meist von Agatha Christie. Wenn ich dann einmal was Zeitgenössisches erwisch, bin ich entweder tief deprimiert, weil die ganze Welt so schlecht ist (Elizabeth George) oder in leichter Panik, wie nach “Sein letzter Auftrag” (Michael Connelly). Letzteres Buch hat dazu geführt, dass ich nicht wie bisher an einer überschaubaren Menge an Passwörtern für dies und das festhalte, sondern mir für jeden Zugang ein eigenes ausgedacht habe. Was wiederum dazu geführt hat, dass ich bei einigen gar nicht mehr reinkomm, weil ich das Passwort vergessen habe. Und mit einem neuen anfordern ist es auch schwierig, wenn man sich dafür eine eigene Emailadresse zugelegt hat, von der einem nicht nur das Passwort nicht mehr einfällt, sondern gleich die ganze Adresse ein Mysterium bleibt.

Also halte ich mich einfach von contemporären Krimis mit Hinweis auf die Gefahren des Internets und was weiß ich noch fern und führe ein vielleicht ahnungsloseres aber glücklicheres Leben. Aber weil einem manchmal halt nach Krimi ist, hab ich jetzt was ganz eigenes gefunden. Krimis, die im Regency-England spielen. Die meisten historischen Schmusibu-Bücher spielen ja dort. Also kenn ich die Zeit schon recht gut. Ähem. Und sie funktioniert auch gut als Hintergrund für Verbrechensgeschichten. Also zumindest bei der C.S. Harris und ihren Sebastian St. Cyr- Büchern. Das ist jetzt aber nicht das schöne, schicke Regency-England, wie man sich denken kann.

Im ersten Teil “What Angels fear” wird unser Held auch gleich des Mordes verdächtigt. Sebastian St. Cyr, Viscount Devlin, ist mehr oder weniger gerade frisch vom Krieg zurückgekehrt, wo er aufgrund seine brillanten Verstandes und der Tatsache, dass er praktisch im Dunkeln sehen kann (gut, das is a bissl komisch) recht erfolgreiche Missionen hinter sich gebracht hat. Zur Familie, oder das was noch da ist, hat er ein schwieriges Verhältnis. Vielleicht tät ja eine Familienaufstellung helfen. Und überhaupt ist er grad nicht so happy-peppy unterwegs. Und dann soll er auch noch eine junge Schauspielerin bestialisch dahingemetzelt haben. Sein Revolver wurde bei der Leiche gefunden. Und weil ihm irgendwie keiner glaubt, muss er halt selbst beweisen, dass er unschuldig ist. Was bedeutet: den Mörder finden. Hilfe kriegt er dabei von seinem Ärzte-Freund Paul Gibson, dem Straßenjungen Tom und seiner Ex-Geliebten Kat Boleyn (ein Künstlername, was soll ich sagen). Der politische Hintergrund zu der Zeit (der Prince of Wales soll zum Prince Regent gemacht werden, weil sein Vater, King George der soundsovielte, wie sagt man so schön one fry short of a happy meal ist) spielt auch eine wichtige Rollen.

Das ganze ist superspannend geschrieben. Die Sprache ist auch nicht zu platt. Der Leser wird von der ersten Seite weg in die Welt des Sebastian St Cyr hineingezogen, man fühlt mit den Figuren mit, versteht die einen, hasst die anderen und weiß bis zur Auflösung echt nicht, wer es denn jetzt wirklich getan hat. Das Buch ist auch nur ein bisserl grausig. Also nicht zu sehr. Wer einmal einen etwas anderen Krimi mag: Bitte lesen. Ich bin grad beim zweiten Band.

angels_200

 

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