Die Hecke, die Schere und ich

Jeder hat so seine Nemesis. Meine hört auf den Namen Hecke. Meist Thuje, gern auch Berberitze. Letztere ist nicht nur schiach sondern tut auch noch weh. Meine Eltern lieben Hecken (ein eindeutig rezessives Gen), was zur Folge hat, dass ein Großteil des, wenn man es so betrachtet, nicht kleinen heimatlichen Grundstücks davon umgeben ist. Und inzwischen fällt es in meinen Aufgabenbereich, diesen wuchernden Ungetümen Einhalt zu gebieten. Seit vergangenem Jahr rücke ich also mit der Heckenschere bewaffnet aus und versuche Thujen und Berberitzen und den gelegentlichen Buchs auf eine für mich akzeptable Größe zusammenzustutzen. Das Ergebnis sollte nach Möglichkeit optisch ansprechend sein. Das ist aus mehreren Gründen nicht einfach.

1. Eine Hecke war für meinen Vater nur eine Hecke, wenn sie mindesten zwei Meter hoch war. Drei sind noch besser. Wie es ein 1,64 m großer Mann geschafft hat ohne Hilfsmittel wie Leiter oder Gerüst eine Hecke auf dieser Höhe zu schneiden, und schön auch noch dazu, ist mir ein ewiges Rätsel. Ich bin doch sieben Zentimeter größer und ich sehe absolut keine Möglichkeit die Aufgabe zu bewältigen, ohne mich künstlich zu erhöhen. Es mag vielleicht daran liegen, dass meine Arme krafttechnisch eher an diese Tyrannosaurus Rex-Ärmchen erinnern. Vernachlässigenswert.

2. Eine Hecke ist für mich im Idealfall nicht größer als ich. Einfach weil sie leichter zu schneiden ist. Siehe Tyrannosaurus Rex-Ärmchen.

3. Beim Stutzen der Hecke von der väterlichen Idealgröße auf die töchterliche (oder zumindest daran angenähert) muss man bedenken, dass a) die Stämme mit der Zeit ziemlich dick werden können und so nicht mehr mit der Gartenschere gestutzt werden können, und b) innen braun werden. Punkt a) hat zur Folge, dass ich mit der Baumschere die gefühlten 200 Heckenmeter bearbeiten musste. Ist übrigens mindestens so gut wie Hanteltraining. Doch wie dieses müsste es, um einen tatsächliche Effekt abgesehen vom Muskelkater zu erzielen, regelmäßig über einen längeren Zeitpunkt ausgeführt werden. Einmal pro Jahr ist zwar auch regelmäßig, aber wohl nicht ausreichend. Punkt b) hat zur Folge, dass, wird zu viel weggeschnitten, das Grüne außen weg ist, und das Braun innen zum Vorschein kommt.

4. Ich bin mehr so die Grobmotorikerin. Ich bin eigentlich relativ gut darin, Büsche in ihre Schranken zu weißen. Oder, wie ich seit vergangenem Wochenende weiß, mit der Sense mannshohen Brennesseln zu Leibe zu rückten. Verletzungsfrei, abgesehen von Brennessel-Brennern, möchte ich anmerken. Bei einer Hecke geht es aber viel um die Feinarbeit. Im Prinzip bräuchte ich jemanden, der nach mir mit einer kleinen Schere und/etwas Geschick alles hübsch macht. Hab ich aber nicht. Das Resultat: eine windschiefe, wellige, mehr braun als grüne Hecke.

Ich gebe zu, dass ich in diesem Jahr, die tatsächliche Entwicklung meiner Fähigkeiten verkennend, möglicherweise etwas zu radikal vorgegangen bin. Aber ernsthaft: ich kann die Hecke ja nicht gewinnen lassen. Und auch wenn meine Beine (und auch mein Oberkörper. Es war heiß, da hat man halt nix Langärmeliges an) nach wie vor ein wenig so aussehen als hätt ich mit wilden Tieren gekämpft. Hecke: 0. Ich:1

Meine Frau Mama hat wohl ursprünglich gehofft, dass ihr Zwangsoptimismus aus dem vorigen Jahr, heuer nicht mehr notwendig wäre. Da hat sie sich ein bisserl geirrt. Er war sogar noch mehr gefordert. Doch auch wenn den leicht panischen Ausdruck beim Anblick der Hecke post Helena schnell überspielen konnte, ihr “Das wächst schon wieder” hat heuer ein wenig gezwungen geklungen. Am nächsten Tag hatte sie sich aber wieder voll im Griff und meinte schulterzuckend: “Na ja, so schlimm ist es ja gar nicht.” Mutterliebe halt. Die müssen das sagen. Glücklicherweise.

 

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