Der Berg ruft

Der Berg hat gerufen und die Neigungsgruppe Wandern ist gefolgt. Wie jedes Jahr wurden die höchsten Gipfel des Landes ohne Zaudern und Zögern, immer mit einem Liedchen auf den Lippen erklommen. Ja, gut, das ist Blödsinn. Aber schön war’s schon. Sehr schön sogar. Und wer einmal Gelegenheit hat auf den Sonnblick zu hatschen: Rauf mit euch! Der ist echt schön.

Wir sind ja inzwischen schon vier Jahre miteinander unterwegs und da kristallisieren sich schon gewisse Besonderheiten der Wanderfreudigen heraus. Wer einen W. macht (ja, das klingt mit vollem Namen natürlich knackiger, aber Persönlichkeitsschutz und so. Da wird mir der Richter ohne Hammer sonst vielleicht unrund.), der zieht auf den letzten Metern noch einmal so richtig an und zwar egal, wie steil es ist. Wie ein Pferd, das den Heimatstall gerochen hat. Immer wieder wird so etwas begleitet mit dem wirklich nicht gern gehörten Satz: “Kommt’s schon. Einmal noch anstrengen. Is nimmer weit.” Übertroffen wird der Satz dann nur mehr von einem klassischen M.: “Da oben wird’s schon hell.” soll heißen: “Wir sind praktisch schon da.” Waren wir btw nicht. Wir waren damals noch gefühlte vier Stunden unterwegs. Der liebe M. hat sich mit dem in voller Überzeugung ausgesprochenen Satz: “Am Vormittag gewittert es nie.” Übrigens auch eher in die Nesseln gesetzt. Wir standen um halb elf im Hagelgewitter auf einer Scharte. Wenn nicht die Wettervorhersagen schief gehen ist: “Geht’s weiter, ich mach noch ein Foto.” der Satz, den man von ihm am öftesten hört.

Der liebe F. bewegt sich generell in einer anderen Klimazone. Wer also einen F. machen will, der ziehe bitte sobald die Gruppe kurz stehen bleibt, sämtliche mitgeführten Jacken an. Es gibt unzählige Fotos die die einen in kurzen Ärmeln an ihren Müsliriegeln knabbernd zeigen, während der F. ausschaut, als ob er grad die Antarktis durchquert. Beim Gehen dann sollte ein Maximalpuls von P 128 nicht überschritten werden. Dann ist man aus der aeroben Zone draußen oder so. Wobei, seitdem der Pulsgurt zuhause bleibt, hat sich das mit dem P 128 auch erledigt. Wir sind einigermaßen froh, weil man bergauf da doch eher auf der langsamen Seite unterwegs ist.

Der Spannungsaufbau war ja jetzt wieder unglaublich großartig, sodass meine verehrte Leserschaft ja schon wie auf glühenden Kohlen sitzend sich die Nägel beißt. Was ist denn eine Helena? Ganz einfach, denn dafür muss man nur mittels Körpersprache und Gesichtsausdruck vermitteln: Red mich nicht an, ich bin grantig weil a) ich seit einer halben Stunde einen Buchenwald senkrecht hinaufgehe. b) wir zum zweiten Mal an diesem Tag komplett eingeregnet werden und ich seit drei Tagen in nicht trocknenden Schuhen herumlaufe ergo nasse Füße habe. c) es da oben zwar hell geworden ist, wir aber noch immer nicht da sind und ich mich ganz sicher nicht noch einmal anstrengen will. Und nein, ich will keine Fruchtschnitte.

PS: Fotos werden bald folgen. Versprochen.

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