New Addiction

Ich fürchte, ich muss tatsächlich an meiner Ausstrahlung arbeiten. Dass es vornehmlich die Generation 50plus ist, die mich irgendwie bemerkt, hab ich schon immer eher unangenehm gefunden. Aber es war zumindest nicht total grauslich. Bis auf den einen Typen, der gemeint hat, ich sei ja so eine süße Maus. Ernsthaft? Ich hab auch mit Mitte 20 solche Tierbenamsungen einfach nur schrecklich gefunden. Aber vergangenen Freitag hab ich ein neues Tief erlebt. Mit der liebe L. plauschend im Tachles sitzend, kommt auf einmal ein Typ daher und meint zu mir: “Siehst du den Mann, der da verschwindet?” und deutet auf die Tür. Da war aber niemand mehr. “Oh, jetzt ist er schon draußen. Also jedenfalls wollte ich dir nur sagen: Er hätte dich gerne gestreichelt.”

Ich meine, ernsthaft, welche creepy Menschen sind denn da draußen unterwegs? Und warum, warum ziehe ich sowas an? Und warum findet sein Haberer, dass er mir das unbedingt sagen muss? Jedenfalls war ich am Nachhauseweg extra aufmerksam und hab wiederholt über die Schulter geschaut. Nur so, zur Vorsicht.

Und weil man sich von so Gänsehaut verursachenden Begebenheiten ablenken muss, hab ich mir am Wochenende auch eine Extradosis meiner new addiction gegönnt. Die liebe K. hat mir ja schon lange davon vorgeschwärmt, aber ich kam einfach nicht dazu. Jetzt hat mir jedoch der liebe M., der einen erstaunlich girlie-mäßigen Film- und Seriengeschmack hat, da letztens die DVD-Box in die Hand gedrückt und was soll ich sagen, ich bin total reingekippt. In was? In Suits. Die Anfangsplot ist zwar vielleicht ein bisserl an den Haaren herbeigezogen, aber hey, wenn ich Realitätsnähe haben will, schau ich Alltagsgeschichten. Na jedenfalls sucht der New Yorker Top-Anwalt Harvey Specter einen Konzipienten. Auftritt Mike Ross. Der Gute ist ein Genie, aber halt ein bisserl auf die schiefe Bahn geraten. Auf der Flucht vor der Polizei landet er bei den Vorstellungsgesprächen und kann Harvey davon überzeugen, dass er ihn anstellt. Weil er kann alle Rechtsbücher auswendig, hat aber halt keine Uni besucht. Also arbeiten die fortan zusammen und müssen das Geheimnis auch in der Anwaltskanzlei geheimhalten. Wem das jetzt ein bisserl zu unspannend klingt: selber schuld. Die Serie ist echt unglaublich witzig. Nicht nur das hin und her zwischen den Hauptcharakteren. Auch die kecke (‘tschuldigung, aber ich wollt schon immer einmal keck schreiben. So ein tolles Wort) Sekretärin Donna, der leicht schleimige Anwalt Louis Litt (“You got Litt up”), die fesche Anwaltsgehilfin Rachel….Natürlich gibt’s auch die Fälle zu bearbeiten, aber eigentlich geht’s, eh klar, um die Leute. Also bitte, anschaun.

Hier noch ein Spoiler-freier Vorgeschmack. Ich hoffe, es ist auch lustig, wenn man’s noch nicht gesehen hat.

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