Lichtspiele

Ich bin ja jetzt nicht so total ungern in Hotels. Vor allem, weil das meistens bedeutet, dass ich auf Urlaub bin. Diesmal war es zwar keine erholsame Privatangelegenheit, die mich vom trauten Heim weggelockt hat, sondern berufliche Verpflichtungen – jaja, die Karriere – aber lustig war’s trotzdem. Und das Hotel war echt nett. Also so richtig schön schick. Das Einzige aber, das mich an so modernen Hotelzimmern stört oder besser gesagt in Verwunderung versetzt ist der exorbitante Einsatz von Lichtschaltern, die dann nach Betätigung absolut keinen sichtbaren Effekt haben. In diesem speziellen, französischen Zimmer, um da jetzt einmal präzise zu sein, fanden sich in der Nähe der Eingangstür vier Lichtschalter, von denen einer das Badezimmer erhellt hat und ein zweiter das eigentliche Zimmer. Wenn die zwei übrigen etwas bewirkt haben, dann nicht in meinem Zimmer. Spannender war die Situation nur noch beim Bett. Also das jetzt nicht falsch verstehen. Das war eine Arbeitsreise. Jedenfalls waren dort sage und schreibe acht Lichtschalter. Einer hat zwei Deckenfunzeln eingeschalten, einer das Licht im Gang und einer den Sternenhimmel überm Bett (ja ernsthaft). Die übrigen fünf Lichtschalter waren wohl nur aus Gründen der Symmetrie da. Das Nachtkastllicht musste nämlich direkt an der Lampe betätigt werden, genauso wie die Lampe überm Tisch gegenüber vom Bett. Das größere Problem für mich war dann nur, dass es auch wenn alle Lampen eingeschaltet waren, das Zimmer im Halbdunkeln war. Natürlich hat eine romantische Raumbeleuchtung durchaus seine Berechtigung und seine Reize. Aber wenn ich mich anziehe oder irgendwelche Unterlagen aus meinem Koffer fischen muss, dann möchte ich nicht auf meinen Tastsinn angewiesen sein. Einen anderen, durchaus nicht unberechtigten Punkt hat ein Kollege vorgebracht: Im Angesicht von Sternenhimmel und zwei gegenüberliegenden Waschbecken (also ich fand die super, da hat man mehr Platz) hat er gemeint: “Also wenn man jetzt eine verzweifelter Single ist, dann ist das Zimmer wirklich gemein.”

 

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