Sprachverwirrung

Mich wundert ja gar nix mehr. Also mich wundert zumindest nicht mehr, dass irgendwie kaum jemand mehr einen geraden Satz herausbringt. Einen, der zumindest annähernd mit den grammatikalischen Regeln der deutschen Sprache konform geht. Ich gebe ja zu, dass ich sowohl im gesprochenen Wort als auch hier im Elfenbeinturm manchmal einen etwas legeren Umgang mit der Satzgestaltung habe. Trotzdem, und ich hoffe, ich grabe mir da nicht gerade selbst ein sprachliches Grab, halte ich mich dann doch an grammatikalische Grundregeln. Und wenn nicht, klingt es zumindest schön. Deshalb tut es mir auch immer extrem weh, wenn mir sprachliche Abenteuerlichkeiten begegnen. Aber woher sollen die Leute denn das Wissen und Können haben? Und ja, hier folgt kurz die Anmerkung, dass Kurzmeldungen in Social Media-Netzwerken das Gefühl für die Sprache nicht stärken. Und auch die Rechtschreibung geht flöten. Aber hinzukommt, dass wir auch ständig mit grammatikalischen und rechtschreiberischen Schwachsinnigkeiten – die dann nicht einmal schön klingen, wenigstens das wäre doch drin – konfrontiert sind, dass wir ja gar nicht mehr wissen, wie es richtig klingt. Und ja, ich kann schon eine kleine Sprachfaschistin sein. Und ja, Sprache ist kein starres Konstrukt, sondern verändert sich ständig. Und das ist ja auch gut so. Aber es wäre schön, wenn sich beim Hören oder Lesen einem nicht vor Graus die Zehennägel aufrollen. Blame it on my Germanistikstudium.

Na jedenfalls werden wir immer und überall richtiggehend zugedröhnt von Blödsinnigkeiten. Da ist diese eine Elektrogerätekette, die sagt, dass Technik muss, aber dabei vollkommen darauf vergisst, was sie muss, wie sie muss, warum sie muss. Und angebliche Lebenserleichterer wie Navis können mit ihren elenden Elektrostimmen weder Ortschaften richtig betonen (Wie bitte ist es möglich Krems mit langem E auszusprechen?) noch wurden sie so programmiert, dass sie einen korrekten Satz formulieren können. “Im. Kreisverkehr. Zweite. Ausfahrt. Nehmen.” oder “Auf. Stockerauer. Straße. Auffahren.” Diese Konstruktionen schauen auf den ersten Blick zwar aus, wie aus einem Buch von Marlene Streeruwitz, aber es fehlt doch die schriftstellerische Klasse. Schon jemand einmal etwas von bestimmten Artikeln gehört? Die sind echt praktisch. Die können einen Satz so richtig schön rund machen. Wirklich. Einen Versuch wäre es auf jeden Fall wert.

So, genug geschimpft. Wir wollen ja nicht mit einem bösen Wort auseinander gehen. Damit der Abend gemütlich eingeläutet wird, ein wirklich ganz bezauberndes Lied, das mich zum Lächeln bringt.

One thought on “Sprachverwirrung

  1. lapoule

    Das Navi hat auch mich sprachlich beeinflusst, nie wieder werde ich Lönd’n (=London) und Edinburre (=in Schottland zu finden) so aussprrechen wie es eigentlich mal geplant war. Oder vielleicht wars nur auf sächsisch eingestellt?

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