Die unersättliche Gier nach Geld

Ich war ja nie so ein Leo-Fan in dem Sinn, dass ich den guten DiCaprio besonders hübsch gefunden hab. Zuerst hat er ewig ausgeschaut wie fünfzehn und die Proportionen haben irgendwie nicht zusammengepasst. Und dann auf einmal ist er gesichtstechnisch erwachsen geworden. Und schaut leider immer ein bisschen aufgedunsen aus. Außerdem geht er so komisch. Ist das nur mir aufgefallen? Es gibt ja Menschen, meistens Männer, die beim Gehen, wenn sie den Fuß eigentlich über die Zehen abrollen sollten, sich stattdessen auf die Zehen hochdrücken. Dadurch hubbeln die ein wenig ungelenk durch die Gegend und die Aufundabbewegung schaut auch merkwürdig aus. Der Typ von Karate Kid, also eigentlich Karate Kid ist auch so gegangen. Ich hab den Film damals mit meinem großen Bruder gesehen und das hat mich schon damals das enorm irritiert. Aber zurück zu Leo. Der war in meinen Augen zwar nie umwerfend gutaussehend aber dafür ein großartiger Schauspieler. Egal ob in Gilbert Grape oder Blood Diamond. Und dann geht der Mann her und macht The Great Gatsby. Ich muss sagen, was mich neben so vielen anderen Sachen in diesem Film – im negativsten Sinn – umgehauen hat, war, dass Leonardo DiCaprio darin echt schlecht war. Jedesmal wenn der “old sport” gesagt hat, bin ich zusammengezuckt. Echt elend das ganze. Aber jetzt hab ich ihm verziehen. Denn er hat zu seiner alten Form zurückgefunden. In “The Wolf of Wall Street” ist er tatsächlich brillant. Überhaupt ist der ganze Film eine Wucht. Erzählt wird die Geschichte von Jordan Belfort (DiCaprio) der in den späten 80ern mit ziemlich krummen Börsengeschäften ziemlich reich wird. Und so überhaupt keine Skrupel hat, jedem möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen. Und weil so ein Job als Börsenhai doch ziemlich anstrengend ist, gönnt er sich zum Ausgleich jede Menge Drogen und Huren. Und seine Mitarbeiter genauso. Der Film wird aus seiner Sicht erzählt, ohne korrigierende Erzählstimme, die uns sagt, wie schlecht Jordan und seine Kumpanen sind. Das ist bei den Kritiken teilweise negativ hervorgehoben worden. (Das ganze erinnert mich ein bisschen an die Madame Bovary-Zensur: Weil Flaubert in seinem Text seine ehebrecherische Protagonistin nicht verurteilt, waren einige Moralapostel düpiert. Ein Prozess war die Folge. Ganz so ist es hier zwar nicht, aber ich kann einfach nicht anders, als Parallelen zwischen der Kritik im 19. und im 21. Jahrhundert sehen.) Jedenfalls finde ich persönlich, dass diese Perspektive und das Nichteingreifen eine große Stärke des Films ist. Denn alles, was passiert, welche Entscheidungen getroffen werden, ist – von meiner Warte aus – abstoßend. Den einzigen Antrieb, den die Handelnden haben ist reich werden. Egal wie. Was aber noch viel erschreckender ist, sind Leute, die in 80er-Bürooutfits ins Kino gehen, weil sie die Geschichte eines ihrer Helden anschauen wollen.

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