Willkommen in der Vorhölle

So, Dienstagabend ist und ich denke, ich hab das Wochenende so halbwegs verdaut. Da war ich nämlich in meiner ganz persönlichen Vorhölle. Also eine davon. Eine andere wären vorstädtische Reihenhaussiedlungen. Aber diesmal ging zum ersten und bittebittebitte letzten Mal in meinem Leben zum Toys r’us. Es ging ums Laufrad für den Neffen. Der liebe W. hatte im Vorfeld ausführliche Informationen von bekinderten Kolleginnen eingeholt. Scheinbar erfordert die Anschaffung eines Kleinkinderlaufrades mindestens genausoviel Recherche wie der Kauf eines Autos. Es gibt da nämlich unglaublich viel zu bedenken. Holz oder Metall. Ist der Sitz höhenverstellbar, damit das Rad auch möglichst lange verwendet werden kann. Das gleiche gilt für die Lenkstange. Hat das Rad in der Mitte eine Verbreiterung damit der Nachwuchs Bernhard Kohl Jan Ullrich dammit, sind alle Radler des Dopings überführt? Na jedenfalls kann der Miniradler da seine Füße drauftun damit er das mit dem Gleichgewicht bald draufhat. Hat das Radl einen Ständer? Scheinbar wichtig, damit das Kind gleich lernt, dass das Radl nicht einfach so in den Straßengraben gepfeffert sondern schön sorgsam abgestellt wird. usw. usf. Wir waren vor dem Laufradkauf sicher besser über die Anforderungen, Möglichkeiten und Notwendigkeiten so eines Fortbewegungsmittels informiert als vorm Kauf unserer Wohnung über eben diese. Aber das sollte die Auswahl dann ja auch erleichtern. Rush in, rush out sozusagen. Und dann haben wir dieses Geschäft betreten, das in etwa den Charme einer Lagerhalle versprüht. Meterhohe Regale vollgestopft mit so ziemlich allem, was auf dem Kinderspielsektor produziert wird. 90 Prozent der Waren sind aus Plastik. 80 Prozent leuchten, glitzern oder fluoreszieren. 75 Prozent machen irgendwelche nervötenden Geräusche wenn man draufdrückt, daran vorbeigeht oder auch nur in die Richtung des Dings schaut. Und da überall Menschen in sämtlichen Größen und Altersstufen herumwuseln ist der Lärmpegel dementsprechend. Eltern scheinen in diesem Geschäft auch jegliche Erziehungsansätze zu vergessen. Ich will nämlich einfach nicht glauben, dass alle Menschen da drinnen ihren Nachwuchs generell zu nervigen, unfolgsamen Fratzen heranwachsen lassen. Überall flitzt irgendsoein Winzling mit irgendeinem Spielzeug in der Hand herum, drückt auf einer Krachmaschine herum oder quietscht einfach nur so. Weil’s lustig ist. In der Radabteilung wird man von den kleinen Quälgeistern auf ihren Rädern, Tretrollern oder Dreiradlern fast totgefahren. Der liebe W. meinte, mein Gesichtsausdruck, als drei um mich gekreist sind, was göttlich. Ich hätte ihm am liebsten mit meinem göttlichen Fuß ganz fest in seinen irdischen Popsch getreten. Na jedenfalls, wie die liebe S. festgestellt hat: Also es klingt nicht so, als ob meine innere Uhr schon arg tickt. Ich kann nur sagen: Nein, da tickt nix. Also keinesfalls nach einem Besuch bei Toys r’us. Falls ich aber jemals Kinder haben sollte, lagere ich solche Einkäufe sicher aus. Ich geh da nicht mehr hin.

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