Hupf in Gatsch

Erinnert ihr euch noch, als ihr klein wart und euch total gefreut habt, wenn es geregnet hat, weil ihr danach genügend Wasserlacken zur Verfügung hattet, in die ihr reinspringen konntet? Heute haben wir uns alle einigermaßen den Konventionen gebeugt und hüpfen nicht mehr mit Anlauf in die nächste Lacke. Wär’ ja auch schad’ um die Schuhe. Aber hin und wieder ist es doch schön in so alte Kindheitsmuster zu verfallen und mit Gusto in den Gatsch zu hupfen. Weil wir aber schon groß sind brauchen wir dann doch eine Rechtfertigung, warum wir uns jetzt so einsauen. Die beste ist meiner Meinung nach: Sport. Wenn man etwas als Sport bezeichnet oder sportlich angeht, kann man ziemlich viel und ziemlich Absurdes an der Konventionen- und öffentlichen Akzeptanzgrenze vorbeischleusen. Wie etwa, dass man sich an einem strahlenden Samstagnachmittag im Mai in Wasserlöcher schmeißt, durch Gatschbecken watet, über riesige Strohballen krabbelt, sich über zwei Meter-Wände wuchtet oder zwischen zwei Container gespannte Netze überwindet.

So haben zum bereits zweiten Mal die Schnellen Gazellen, eine lose Gruppierung von FreundInnen der Bewegung, die auch gerne einmal ins Eigenartig-schrullige abgleiten kann, beim X-Crossrun auf der Donauinsel mitgemacht. Zugegeben, so eine Viertelstunde vor Start, wenn schon einige Startblöcke in die Verdammnis ins Rennen geschickt wurden, fragt man sich schon, warum genau man sich das antut. Möglicherweise auch zwischendurch, wenn man gefühlte 10 Stufenberge und 20 Sandplätze durchlaufen hat und der Puls sich bei ebenfalls gefühlten 230 befindet. Ja, es ist superanstrengend. Ja, die Schienbeine/Knie/Ellebogen werden wahrscheinlich aufgeschlagen sein. Ja, man findet zwei Tage später blaue Flecken an Stellen, die einen wirklich überraschen. Aber es macht einfach wirklich so unglaublich viel Spaß. Ich kann mich der kindischen Freude wenn ich durch den Gatsch latsch einfach nicht erwehren. Und wenn man dann im Ziel nach ein paar Bechern Wasser und irgendeinem wirklich grauslichen istotonischen Getränk wieder regelmäßig atmen kann, dann ist man einfach superstolz auf sich, es geschafft zu haben. Also ich zumindest auf mich. Und die restlichen Gazellen. Danke Mädels und Bub! Nächstes Jahr wieder!

PS: Falls jemand eine Teilnahme an einem derartigen Rennen überlegt, hier ein paar kleidungs- und ausrüstungstechnsiche Tipps, die ich nach Beobachtung der MitläuferInnen geben kann:

Ganzkörperplüschanzüge schauen zwar anfangs herzig aus, sind bei 30 Grad aber generell keine gute Idee. Zusatzminus: Sie saugen sich echt ziemlich mit Wasser voll.

Umhänge jeder Art können sich auf den verschiedenen Hindernissen auf die unterschiedlichsten Arten verheddern.

Rettungsbojen gehören zwar zum Baywatch-Outfit, können beim Überwinden eines Hindernisses aber selbst ein beinah unüberwindbares Hindernis darstellen.

Trägerlose Bikinioberteile sind kein adäquater Sport-BH-Ersatz.

Catwoman-Latexanzüge mit passender Maske mögen zwar gewisse Männerphantasien bedienen, sind aber für sportliche Aktivitäten eher unpraktisch. Einziger Vorteil: Wasser und Schmutz perlt ab.

Vorher.
Vorher.

 

Nachher
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Last Modified on May 26, 2014
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