Ich lieb’ Igel voll

Überraschenderweise bin ich ja nicht so die mega Festivalgeherin. Zeltln und Dixieklos sind für mich halt einfach keine Begriffe, die ich mit einem entspannten und lustigen Wochenende verbinde. Abgesehen davon, dass es nicht unbedingt ein leiwandes Gefühl ist, wenn 70 Prozent der Anwesenden halb so alt sind wie ich. Glücklicherweise gibt es aber auch ambitionierte Menschen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, lässige Musik in fast schon heimeliger Atmosphäre zu präsentieren jenseits jedes Girlie-Gekreisches. Beim Acoustic Lakeside Festival in einem eher abgelegenen Zipfel von Unterkärnten geht es super chillig her. Es spielen viele, von denen ich mein Lebtag noch nix gehört hab und ein paar größere Namen. Und das ganze möglichst akustisch. Das Angebot reicht vom Typ Ich-und-meine-Klampfe bis hin zu Bands, die mit Schlagzeug und Co schon recht Druck machen können. Heuer waren wir zum zweiten Mal dort und ich kann nur sagen: Es war wieder ganz wunderbar. Einige neue Musiker kennengelernt, bei denen es sich echt auszahlt, in eine CD oder ein weiteres Konzert zu investieren. Und ganz nebenbei auch ein paar Sozialstudien gemacht.

Wie die liebe C. richtig bemerkt hat: Mit ausreichend zeitlichem Abstand ist es eigentlich ganz leicht Verhaltensmuster zu analysieren. Der zeitliche Abstand zu Studis im zweiten Semester ist wahrlich groß genug also wurde gleich losanalysiert. Folgende Situation: Vor uns drei Hasis: Hasi eins will unbedingt den coolen aber doch irgendwie intellektuell-sensiblen Typen aufreißen. Der ist leider schon ein bisserl gar weich in der Birne, sodass er möglicherweise nicht mehr alle subtilen Zeichen lesen kann. Allerdings hat er generell die richtige und oh so unwiderstehliche Attitude von ich-bin-schon-interessiert-irgendwie-aber-ich-hab’s-eigentlich-nicht-nötig. Hasi zwei wär generell einem Festival-Panscherl nicht abgeneigt, vielleicht auch mit dem Freund von Typ1 aber der ist halt mehr so halbherzig engagiert und tät eigentlich lieber noch was rauchen. Hasi drei ist schon total entnervt. Die Typen gehen ihr am Sender und sie versteht nicht, warum sich ihre Freundin dermaßen peinlich an den einen ranschmeißt und ihm dauernd nur nach dem Mund redet und aufeinmal alles toll findet, was der toll findet. Und dann gibt es da noch den Typen, der schon länger auf Hasi eins steht und möglicherweise nur wegen ihr zu dem Festival gekommen ist. Der ist allerdings so fix in der Friendzone verankert, dass da einfach nie was werden wird. Hach Kinder, ich kann euch sagen, wir haben so gelacht. Gut, auch viel die Augen verdreht und den Kopf geschüttelt aber vor allem gelacht. Besonders auch über die tiefschürfenden Gespräche. Weil, wenn der Hasi- Angebetete mit voller Inbrunst ruft: “Ich lieb’ Igel voll!” – Was soll man da sonst machen. Und Hasi eins war natürlich auch sofort begeistert: “Ja, ich auch! Die sind sooo süß!” – Da haben sich zwei gesucht und gefunden – Eine Liebe made in heaven! Wobei, der Angebetete ja auch sonst viel erlebt hat, wie er zu berichten wusste: “Pfoah, ich bin früher voll einem am Fuß gstiegen!” Ja, auf einem Festival, da erlebt man was.

Aber ich bin wohl ein bisschen abgeschweift, denn eigentlich ging es mir grad um die Musik. Frank Turner etwa, der echt gut war.

Oder auch William Fitzsimmons. Ein bisserl gar ruhig für ein Konzert aber ganz wunderschöne Musik.

Oder auch I am Kloot.

Der gute John Bramwell, wie er bürgerlich heißt, wurde von einem jungen Mann namens Kevin (a very tall and very drunk young man) derart angefeuert, dass er ihn auf die Bühne holte, aber seht selbst. Einer der besten Konzertmomente ever.

One thought on “Ich lieb’ Igel voll

  1. Stefan

    Der Kevin-Moment war ganz, ganz wunderbar. Hoffentlich ist er nächstes Jahr wieder da 😉

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