Menasse vor der Haustür

Seine Nachbarn kann man sich ja nicht aussuchen. Die eine hat etwa einen derartigen Fersentritt, dass ich mich wundere, dass sie nicht schon längst durch unsere Wohnzimmerdecke gestoßen ist. Der andere hat gröbere Lungenprobleme, zumindest aber einen eher unguten weil ziemlich beuschelreißerischen Husten. Ein anderer wiederum mag es untenherum lieber luftig und verzichtet meist auf Hosen – Über- und Unter-. Ein anderer, sitzt praktisch täglich im Lokal gegenüber. Das mag jetzt wenig nervig klingen. Allerdings geht mir diese Person, nennen wir sie Menasse, schon durch ihre bloße Existenz am Sender. Also ist diese Omnipräsenz – dieser M. kommt mir auch mit dem Radl entgegen, oder aus einer Haustür raus (deshalb weiß ich, dass er ein Nachbar ist), steht im Lebensmittelgeschäft vor mir in der Kassenschlange – gelinde gesagt schwierig. Jetzt ist M. nicht nur einfach so ein Reizwort für mich. Ich habe gute Gründe. Allein, dass jemand zu egal welchem Thema seinen Senf dazugibt, mag für manche ja schon ausreichend sein. Ich brauche für langanhaltende Ablehnung aber eine persönliche Komponente. Dieser M. etwa hat es im U-Bahnlift nicht ausgehalten, die drei Sekunden, die es braucht, bis die Lifttür aufgeht und die Liftbenützer ins Freie stürmen können, zu warten, um sich einen Tschick anzuzünden, sondern musste das noch knapp vorm Türöffnen erledigen und hat also eine schöne Wolke Qualm hinterlassen. Das finde ich unhöflich. Das wird diesen M. zwar eher kaum bis überhaupt nicht berühren, aber so isses halt. Was das jetzt mit diesem Post zu tun hat? Gar nichts. Der liebe W. hat nur gemeint, er wartet darauf, bis ich endlich einmal über M. vor unserer Haustüre schreib und schließlich will ich den Zukünftigen nicht enttäuschen. Allerdings hat er mich auf die geltenden Stalkinggesetze aufmerksam gemacht und mir geraten, bei meiner Wortwahl etwas vorsichtig zu sein. Schließlich ist es immer unangenehm, mit dem Tatbestand der gefährlichen Drohung in Verbindung gebracht zu werden. Und es wäre auch nicht so schön, wenn die Wega aufeinmal durch unsere Fenster käme. Die sind frisch geputzt.

Während dieser M. also sicher auch vergangene Woche vor unserem Haus gesessen ist, haben meine media naranja und ich, das gemacht, was man im Urlaub, der ob der unguten Kaltfront nicht zum Wandern genutzt werden konnte, halt so macht. Wohnung ausmalen und so. Oder um es mit den Worten des Zukünftigen zu beschreiben: “Wir sind zu sehr Kinder unserer Väter.” Hätte dieser M. also vergangene Woche einen Blick in unser Heim geworfen, praktisch durch die Mauern in unser Wohnzimmer geschaut, dann hätte er den Zukünftigen und mich fleißig beim Abkleben und Farbwalzenschwingen gesehen. Und um mir jetzt einfach einmal selbst auf die Schulter zu klopfen: Es ist schön geworden. Nicht nur die Maler- und Anstreicharbeiten. Neue Bilder hängen, eine Lampionkette auch. Der Zukünftige meint ja, dass die Wohnung durch ebendiese entschieden weiblicher wirkt. Weil ja sonst ganz viel schwarzes Leder und Edelstahl-Elemente die Wohnung total männlich machen würden. Tja, ich hoffe, er zieht jetzt nicht wirklich los und kommt mit einer schwarzen Ledercouch heim. So für die Dosis Männlichkeit.

Ich male ja tatsächlich gerne aus. Der Weg dorthin stört mich mehr, sprich das Abkleben. Auch so eine vom Vater an die Tochter weitergegebene Eigenschaft: Bevor wir arbeiten anfangen, muss alles superduper hergerichtet sein. Das braucht meist länger, als die eigentliche Arbeit, aber dafür muss man dann nicht soviel putzen. Außer sich selbst. Denn wir die liebe Ch. und ich kürzlich festgestellt haben: Etwa die Hälfte der Farbe landet immer auf uns. Größtenteils in Form von winzigen Sprenkeln, die den gesamten Arbeitskörper überziehen. Der mit Kleidung bedeckte Teil muss zumindest nicht geschrubbelt werden. Die Dinger gehen nämlich fast nicht runter. “Seife, Peeling, Sandstrahlen – egal. Die Sprenkel bleiben”, wie die liebe Ch. aus Erfahrung sagen kann. Es gibt zwar offentsichtlich Menschen, die sich beim Arbeiten nicht komplett einsauen, was für uns beide ja ein vollkommenes Mysterium ist. Ich trage zwar immer Arbeitshandschuhe, habe dann aber trotzdem eingefärbte Hände. Mein Highlight war bisher dieses Frühjahr. Eigentlich wollte ich die Walze mit Nitrolösung vom mintgrünen Lack befreien. Die Walze war sauber, meine Hände hatten allerdings eine eher ungesunde grünblaue Färbung angenommen. Da half nur noch mehr Nitrolösung. Noch mehr davon musste übrigens herhalten, um mein Ohr zu reinigen. Das war irgendwie auch mintgrün angepinselt. Nur zur Info: Ich kann Nitroverdünnung nicht als Hautpflege empfehlen.

 

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