Genie und Wahnsinn

Sagt’s, bilde ich mir das ein oder gibt es jedes Jahr mehr Filme, die als bester Film für die Oscars nominiert sind? Heuer sind es ganze acht. Das erschwert mir natürlich meine selbstgestellte Aufgabe, einen Großteil vor der Preisverleihung zu sehen. Vor allem wenn viele gar so knapp davor – wenn überhaupt – rauskommen. Aber seit gestern Abend bin ich wieder einen Schritt weiter. Am Programm stand “The Imitation Game”. Oberflächlich geht es darin um die Entzifferung der mittels der Enigma-Maschine verschlüsselten deutschen Funksprüche während des Zweiten Weltkrieges. Die britische Regierung setzt eine Gruppe von Mathematik-Genies und Kryptographie-Experten – allen voran einen gewissen Alan Turing – darauf an, den Nazi-Code zu brechen. Ein Wettlauf gegen die Zeit. Und eine spannende Geschichte. Wenn man ein bisserl genauer hinschaut, geht es aber natürlich vor allem um Alan Turing selbst. Ein Mathematik-Genie, der die sogenannte Turing-Bombe ersonnen hat – die Maschine, die die Entschlüsselung erst möglich gemacht hat. Im Film bekommt er autistische Züge, was möglicherweise nicht den Fakten entspricht. Fakt ist aber Turings Homosexualität.

(Kleiner SPOILER: wegen der ihm Anfang der 50er Jahre der Prozess gemacht wurde. Um nicht ins Gefängnis zu müssen, hat er der chemischen Kastration zugestimmt, die ihn in Depressionen gestürzt hat und möglicherweise zum Selbstmord im Jahr 1954 geführt hat. (SPOILER ENDE)

Es ist die Geschichte eines Besessenen, eines Getriebenen und der gute Mr. Cumberbatch ist wirklich ganz großartig in der Rolle. Ich finde es ja immer bewundernswert, wenn sich Schauspieler so hinter eine Rolle zurücknehmen können (erinnert sich wer an den meine Zeilen zum Hawking-Film?), wenn die Gesten, die Mimik, ja sogar die Stimme sich verändert und man die spielende Person gar nicht mehr wahrnimmt. Und das ist hier ganz klar der Fall. Also von meiner Seite her, ist die Oscar-Nominierung hoch verdient. Allerdings verdient Eddie Redmayne für seine Hawking-Darstellung den Preis noch mehr. Auch die übrige Darsteller-Riege versetzt mich in Verzückung: Mark Strong, Charles Dance, Matthew Goode – was kann da schon schief gehen. Und ja, Keira Knightley hält sich mit ihren Riesenrehaugen zurück und ist auch nicht schlecht. Also, Freunde der hervorragenden Kinokost: Bitte anschauen.

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