Superbowl

Hat jemand von euch gestern die Superbowl geschaut? Also ich bin brav bis vier Uhr Früh in einer (der einen?) Sportbar in Strasbourg gesessen. Für alle, die jetzt denken, meine media naranja hat sich zum unterdrückenden Ehemacho entwickelt, der die Gattin in versiffte Kneipen schleppt und zum Sehen von S P O R T – Übertragungen zwingt, der irrt. Das war, und ich staune über mich selbst, wirklich freiwillig.  Ich kann selber kaum glauben, dass ich das sage, aber ich finde tatsächlich gefallen am American Football. Letztes Jahr waren wir im EM-Finale im Happel-Stadion und da war nicht nur eine tolle Stimmung, ich hab so langsam auch das Spiel zu verstehen begonnen. Beim College Football in New England hab ich zwar mehr damit zu tun gehabt mich bei strömenden Regen möglichst klein zu machen, um unter den Schirm zu passen. Aber lustig war’s trotzdem. Bis ich meine Zehen nimmer gespürt hab. Aber das ist eine andere Geschichte. New England hatte Football-technisch für mich den Vorteil, dass der einzige NFL-Spieler, den ich bis dahin mit Namen und Gesicht gekannt hatte, bei den Patriots spielt. Zugegeben, Tom Brady trat auf meinen Radar nur, weil er mit Gisele Bündchen verheiratet ist, die ihn dazu gebracht hat, sich eine richtige Frisur zuzulegen. Nebenbei ist er hübsch. You gotta start somewhere, oder? Also war es auch voll ok Patriots-Flauschi- und Lauf-Hoodies zu kaufen. Und irgendwie zu ihnen zu halten. So, und jetzt waren sie also im Superbowl-Finale. Das ist doch ein Zeichen! Da muss man doch einfach zuschauen.

Und was soll ich sagen: Es war richtig spannend und ich bin ab jetzt offiziell davon fasziniert, wieviel Strategie hinter diesem Spiel steckt. Vielleicht auch, weil ich für so etwas absolut keinen Kopf habe. Bei Risiko hab ich nie den Überblick behalten und das einzige Mal, dass ich bei den Siedlern gewonnen habe, war mein erstes Spiel überhaupt und auch nur deshalb, weil die anderen sich befetzt und mich in meinem Eckerl komplett in Ruhe gelassen haben, wo ich vollkommen unbeeinträchtigt die längste Route bauen konnte. Und so war es scheinbar auch ein bisserl ein Taktik-Fehler, der den Seahawks den Sieg gekostet haben soll. Sagen halt alle anderen. Denn anstatt dass der Head Coach den einen Typen, der meistens durch die gegnerische Defense durchgeht wie ein Messer durch weiche Butter, was scheinbar auch daran liegt, dass er sich kiloweise Skittles reinschaufelt, hat er einen Pass angesagt. Und der wurde von einem bisher unauffälligen Rookie einfach so abgefangen. Und schon war’s vorbei mit’m möglichen Touchdown. Wie cool ist das denn? Und davor hat ein Seahawk einen Ball Cirque de Soleil-reif gefangen. Und davor hat es einen Patriot beim Stoppen von einem Seahawk einfach zweimal um den herumgedreht. Und Edelman ist fies getackelt worden und einfach weitergelaufen. Hach, Kinder der Berge, ich könnt noch ein bisserl so weiterbrabbeln. Aber ich denke, ihr kriegt meine Begeisterung mit. Also vielleicht schauen wir uns die nächste Superbowl gemeinsam an? Und weil über Spiele schreiben in etwa so prickelnd ist, wie ein Vortagsspiel im Radio erklärt zu bekommen, hier ein paar Bilder. Und falls sich wer wundert, warum ich die Pauseneinlage ausgelassen habe: Wer auch immer die Idee hatte Katy Perry auf einen 90er-Jahre-Gedächtnis-Roboter zu stellen, sie eine Miley-Cyrus-Reibepose an Lenny Kravitz machen zu lassen und dann noch einmal den 90er Rap in Form von Missy Elliot aufleben zu lassen, der gehört 24 Stunden mit den größten Hits der 90er dauerbeschallt. I’m a Barbie Girl.

Marshawn Lynch liebt seine Skittles.

Jermaine Kearse jongliert mit ganzem Körpereinsatz.