Roadtrip

via hotcarfans
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Fünf Prozent der Verkehrsunfälle sind primär durch Übermüdung verursacht, heißt es. Da kann ich ja nicht die einzige sein, die es seltsam findet, dass Menschen mit Traumfängern im Auto unterwegs sind. Denn soweit ich mich auskenne – und ich kenne mich in diesem Bereich wahrlich nicht gut aus – sollen diese Dinger ja böse Träume abfangen. Das setzt dann ja voraus, dass man davon ausgeht, während des Autofahrens zu schlafen, oder? Sehr verwirrend. Wobei Menschen, die sich Esodekomaterial auf den Rückspiegel hängen, das ausschaut als ob sie ein Hendl gerupft hätten, sind ja sowieso vom Vertrauensgrundsatz ausgenommen. Genauso wie solche, die sich Wunderbäume ins Auto hängen. Neben den Klassikern Pinie und Vanille habe ich letztens einen mit Duftrichtung Erdbeere gesehen. Ich möchte mir tatsächlich nicht vorstellen, welches Odeur ein derartig lufterfrischtes Fahrzeug hat. Mit Schaudern denke ich an die Zeit, als ich mehrmals in der Woche mit meinem Bruder zur Schule gefahren bin. Der hatte immer Wunderbäume – oder irgendwelche Äquivalente – in seinem Auto. Damit wollte er den Rauchgeruch übertünchen. Hat nicht funktioniert. Vielmehr haben alter und neuer Rauch zusammen mit etwas Vanilleähnlichem ein Geruchskonglomerat gebildet, das einen in einem Zustand irgendwo zwischen Betäubung, Schwindel und Brechreiz versetzt hat und das ich den ganzen Tag nicht mehr aus der Nase gekriegt habe. Es hat sich derartig in die Geruchserinnerungsareale meines Gehirns gebrannt hat, dass ich das heute noch abrufen kann. Keine sehr angenehme Wiederbelebung der Vergangenheit. Und was den Vertrauensgrundsatz betrifft: Wer jemals mit meinem Bruder mitgefahren ist, weiß, dass das stimmt.

Ist man nun derartig sensibilisiert und schaut etwas aufmerksamer auf die Rückspiegel der übrigen Verkehrsteilnehmer, ist die Zahl derer, die Traumfänger, Wunderbäume, Würfel, Fuchsschwänze, blaue Glasaugen oder Rosenkränze dort hängen haben und also mit Vorsicht zu genießen sind, erschreckend groß. Hat man nun einen ausgedehnteren Roadtrip vor sich, könnten sich schon gewisse Sorgen einschleichen. Denn wie wir alle wissen, sind immer die anderen die schlechten Autofahrer. Und mit der Hitze gerade werden die Hirne ja extra weich. Nichtsdestotrotz ist die Freude groß, dass es jetzt in den – wie sagt man so schön – wohlverdienten Urlaub geht. Ja, wir sind viel herumgefahren und so. Aber zehn Tage am Stück ohne Arbeit, ohne Computer, ohne Telefon – das ist halt schon was andres. Wo’s hingeht? À la belle Bretagne. Bin schon sehr gespannt. Also, à bientot!

Last Modified on July 3, 2015
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