À Paris, mon amour!

boda

Generell brauchen der Göttergatte und ich ja keinen besonderen Grund irgendwo hinzufahren. Aber es ist doch schön, einen zu haben. So wie letztes Wochenende. Da hat sich der Tag, an dem ich meine media naranja endlich zum ehrbaren Mann gemacht habe, zum ersten Mal gejährt. Um diesen Tag gebührend zu feiern, sind wir zwei also in die angeblich romantischste Stadt der Welt, dem Sehnsuchtsort sämtlicher Amerikaner zwischen Cape Cod und Salem, Oregon, nach Paris. Und mein zweiter Besuch in der Stadt an der Seine hat nur untermauert, was mein erster bereits gezeigt hat: Paris und ich, das passt. Was soll ich sagen, Paris hat sich uns wieder von seiner schönsten Seite gezeigt, auch mithilfe des strahlenden Sonnenscheins, der uns das ganze Wochenende verwöhnt hat. Und so ein salade de chevre chaud mit einem Glaserl Cote du Rhone lässt sich bei blauen Himmel halt ganz besonders gut genießen. Der GG hat ja gemeint, ich sollte nun keine weiteren Informationen mehr preisgeben. Denn bisher würden alle noch glauben, wir wären ein ganz normales Pärchen, das halt seinen Hochzeitstag in der Stadt der Lichter verbringt und nicht zwei sehr seltsame Menschen mit Hang zum Morbiden. Tja, so gerne ich natürlich an dem Bild der Außenwelt von mir feile, es je nach meinem Belieben zurechtrücke, manchmal gibt es hehrere Ziele zu verfolgen. Wie etwa den Menschen da draußen auf bezaubernde, wunderbare, verwundernde, überwältigende Eckerln und Fleckerln aufmerksam zu machen, die unter Umständen nicht in jedem einzelnen Touriführer der Welt wiedergekaut werden. Wie das grandiose Musée d’Anatomie Comparée et de Paléontologie. Das Museum ist so herrlich unmodern, dass es einem den Atem raubt. Keine Touchscreens, kein Museum zum Mitmachen, nicht einmal erklärende Tafeln. In die unglaublich schönen alten Räume mit knarrendem Holzboden und Gusseisen-Geländern wurden gefühlsmäßig alle Skelette und eingerexten Tierkörper gepackt, die der Museumbestand so hergibt. Nicht sehr pädagogisch aber sehr überwältigend. Und vor die Vitrine die Menschenaffen-Köpfe bzw Skelette denen von Menschen gegenüberstellt, möchte ich bitte jeden Kreationisten schleppen. Im Dino-Saal haben mir die leuchtenden Augen der dort herumwuselnden Kinder gezeigt, dass die noch immer ziehen. Das Museum wird gerade renoviert, doch ich hoffe sehr, dass es sich nur auf die Fassade, die Risse in den Wänden und abblätternde Farbe beschränkt. Es wäre wirklich schade, wenn sich an der Ausstellung viel ändern würde. Doch nicht nur das Museum, auch der Jardin des Plantes, indem es sich befindet, ist durchaus einen längeren Besuch wert. Und wenn das Wetter schön ist, kann man dort gemütlich auf einem Bankerl sitzen und Leute schauen.

Das Quartier Latin ist auf jeden Fall auch einen Abstecher wert. Da gibt es nette Läden zum Stöbern und entzückende Lokale für ein Glaserl Wein oder zwei. Den tatsächlichen Hochzeitstag haben der GG und ich dann ganz stilecht mit Croissants und Kaffee am Canal du St. Martin verbracht. Unser Hotel war gleich um die Ecke und die Sonne hat so vom Himmel gelacht, dass wir uns einfach in einer Bäckerei mit dem Notwendigsten versorgt haben und uns ans Wasser gesetzt haben. Wer in Paris seine Laufrunden drehen will, kann hier übrigens auch vorbeischauen. Offensichtlich wird am Wochenende die Straße für Autos gesperrt und dann gehört die Strecke den Läufern. Und da geht es echt rund. Tja, Frankreich ist wirklich eine Läufernation. Aber möglicherweise muss man sich ein bisserl bewegen, wenn man dann zum Sonntagsessen zur Mama fährt.

Im Anschluss sind wir dann in eine Veranstaltung der – noch recht zögerlichen – grünen Bewegung geraten- wohl auch aus Anlass des autofreien Tages in der Pariser Innenstadt. Also die steckt in Frankreich noch in den Kinderschuhen. Aber so wirklich. So stell ich mir die Birkenstockler in den 70ern bei uns vor. Eigentlich schon idealistisch aber halt doch recht unbedarft. Und wenn wir schon dabei sind, dann sind wir auch gleich für alles Gute, zeigen uns solidarisch mit allen, von den Migranten bis hin zu den Arbeitern in den Sweatshops Asiens und natürlich den französischen Bauern, die ja die Ärmsten von allen sind. Also nicht falsch verstehen. Nicht, dass ich das meiste nicht gut finde. Aber ich habe den Eindruck, dass Solidarität in Frankreich ein sehr, sehr häufig eingesetzter Begriff ist. Man ruft schnell einmal zur Solidarität auf, ob es im Endeffekt aber zu wirklichen Taten kommt, ist eher fraglich. Ich hab mir dabei auch gedacht, dass bei einer derartigen Veranstaltung, wenn es ums grüner Leben geht, bei uns die Atomkraftgegner sehr prominent vertreten wären. In Paris hab ich kein einziges Schild gesehen, dass auch nur irgendwie in die Richtung Atomenergie ist böse ging. Die ist in Frankreich noch immer die sauberste Form der Energieerzeugung. Und ich tu mir halt schwer damit, mir von einem Franzosen die Wichtigkeit des Mülltrennens erklären zu lassen, wenn das darin besteht, Papier und Plastik gemeinsam wegzuschmeißen und Dosen in den Restmüll zu geben.

Aber jetzt werd ich noch zu ernst. Was noch sehenswert ist, ist natürlich der Friedhof Montmartre. Der GG hat übrigens gemeint, falls wer fragt, soll ich nicht sagen, dass wir an unserem Hochzeitstag dort waren. Also gut, sag ich’s halt nicht. Man kann ja auch an jedem anderen Tag dorthin. Allerdings empfiehlt es sich, nicht zu spät einzutrudeln. Um 17.30 ist da im Herbst Schluss, dann treiben einen die Friedhofswärter vom Gelände. Und die haben Glocken und keine Angst sie zu gebrauchen. Mich wundert, das die Aufpasser nicht schon taub sind, ich bin es fast geworden.

Und jetzt lasse ich den Worten Fotos folgen. Der GG und ich planen übrigens einen netten Dia-Abend mit sämtlichen Gegenlichtaufnahmen, die wir über die Jahre angefertigt haben. Reservierungen werden gerne entgegengenommen.

Notre Dame

Jardin de Plantes

Musee d'Anatomie

Musee

petit dejeuner

linie

palais de justice

egalite

centre pompidou

GG

cemetiere4

cemetiere1

les chats

cemetiere2

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