per pedes

Darf ich mich kurz einmal aufregen? Ich fürchte nämlich, ich muss etwas ganz dringend los werden sonst ersticke ich noch daran. Oder krieg ein Magengeschwür. Oder einen Kropf. Es geht um das dieses mein temporäres Heimatland bewohnendes Völkchen und seinen Zugang zur Körperpflege. Nicht falsch verstehen: Ich will nicht sagen, dass die Franzosen sich nicht waschen. Auch wenn das, wie mir von einer Französin mitgeteilt wurde, eines der weitverbreitetsten Vorurteile sein soll. Soll auf die Zeit von Louis dem soundsovielten zurückgehen, als der Adel sich lieber parfümierte als zu waschen. Sie stinken nicht, auch wenn die Neigung mancher Menschen sich ihr Parfum mit der Gießkanne drüberzuleeren zu unbestreitbaren Geruchsbelästigungen führt. Sie laufen auch nicht mit fettigen Haaren durch die Gegend. Für die Französin von Welt ist es höchstens eine kunstvoll zerwuschelte Mähne. Und wie uns jedes Frankreich-Cliché-Sammelband erklärt, gewanden sie sich auch nicht in das, was sie aus dem Altkleidercontainer fischen. Nein, denn Französinnen und auch Franzosen sind ja immer so unendlich chic angezogen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass das so ganz sicher nicht stimmt. Kleinstadt-Französinnen ziehen sich auch hier so an, wie es vor 15 bis 20 Jahren modern gewesen wäre. Oder um mit den Worten der lieben L. zu sprechen: So schaut man heutzutage einfach nicht mehr aus. Aber sei’s drum. Denn das Problem liegt viel tiefer. Bei den Französinnen fängt der Fisch nicht am Kopf sondern an der Flosse zu stinken an. Man verzeihe mir diese echt schlechte Metapher aber ihr merkt, ich bin wirklich mitgenommen. Denn auch wenn sich die Französin durchwegs viel Gedanken über Haare, Lippenstift, Hemd und Hose macht, die Füße finden im täglichen, ja nicht einmal im monatlichen Pflegeritual keinen Platz. Das ist ja schon schlimm genug, wenn Sommer ist und alle ihre dicken bis rissigen Hornhäute und den abblätternden Nagellack in zierlichen Sandälchen zur Schau stellen. Wenn man (also ich) dann allerdings mit diesen Damen –  von den Herren will ich gar nicht reden, bei denen ist man ja froh, wenn die einmal im Halbjahr mit dem Nagelclips herumfuhrwerken – im Yogakurs ist, wird das echt schwierig. Man verbringt da nämlich viel Zeit Auge an Ferse. Wie soll man dann in sich ruhend bleiben, frag ich euch. Ernsthaft, es gibt auch in der alten Heimat genug Menschen, die glauben Pediküre wäre was Unanständiges. Aber zumindest haben die, die regelmäßig ihre Füße anderen ins Gesicht halten die Freundlichkeit, diese in eine gepflegte Form zu bringen. So, ich geh jetzt nachschauen, was Hornhauthobel auf Französisch heißt. Oooooohhhhhmmmm.

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