Advent, Advent…

Strasbourg, ach was sag ich, der ganze Elsass ist im Weihnachtsfieber, im Weihnachtsrausch sogar. Jedes Geschäft hat mindestens weihnachtliche Beleuchtung, und ich rede hier nicht von einer simplen Lichterkette. Da blinkt und blitzt es in Blau, Rot und Grün und das großflächig. Da lächeln Engel und winken Eisbären. Da stapeln sich güldene Packerln zwischen Tannenästen und Riesenmascherln. Strasbourg nennt sich nicht umsonst “La capitale de Noël”. Leider ist irgendwo der gute Geschmack verloren gegangen. Der hat Strasbourg dem Kitsch und den Touristenbussen überlassen und sich in andere Ortschaften geflüchtet. Nach Kaysersberg etwa. Da hat uns unsere Nachbarin hingeschickt. Madame W. ist eine echte Elsässerin, eine echte Strasbourgoise, eine echte Dame. Mit 87 noch immer erstaunlich blond. Immer perfekt frisiert. Immer mit Lidstrich und Lippenstift. Ihr Hund hat ein langes weißes Fell und ein pinkes Mascherl am Kopf und hört auf den Namen Bonnie Blue. Madame W. wohnt im 4. Stock und ihr Sohn, der in Luxemburg lebt, will, dass sie in eine andere Wohnung zieht. Irgendwo in ein Erdgeschoß. Wir haben ja keinen Lift. Doch solange sie noch von alleine hinaufkommt, will sie hier wohnen bleiben. Der Aussicht wegen. Sie kennt jeden im Haus und weiß alles. Sie ist auch nicht geizig mit ihrem Wissen. Da sind wir uns ähnlich. Sie hat schon auch Angst, jetzt nach den Attentaten. Sie hat schon erlebt, wie Menschen erschossen worden sind. Hier direkt vorm Haus. Das will sie nicht noch einmal mitmachen. Aber sie wird sich nicht verstecken. Sie wird, wie jedes Jahr, mindestens einmal auf den Weihnachtsmarkt in der Stadt gehen. Die Standler kennen sie. Und sind jedes Jahr erfreulich erstaunt, dass sie noch immer lebt. Madame W. nimmt sich selbst nicht ernst. Und sie hat mich gerade davon abgehalten in eine längere Litanei gegen Weihnachten zu verfallen. Dabei war ich grade dabei, so richtig in Fahrt zu kommen. Erstaunlich. Natürlich hatte Madame W. mit Kaysersberg recht. Ein unglaublich entzückender Ort, ein weitläufiger Markt, auf dem sich die Leute verlaufen, nicht bling und glitzer. Vielleicht wird der Advent ja doch ganz nett.

Wem es in der Vorweihnachtszeit dann doch einmal zu besinnlich oder kitschig wird, der kann sich ja auf unser aller meist genutztes Videoportal ein paar Folgen Tohuwabohu anschauen. Die liebe M., die dieses Wochenende zu Besuch war, kannte das gar nicht. Natürlich mussten wir diesem enormen Defizit Abhilfe schaffen. Sie ist nun bekehrt und begeistert. Anbei ein kleiner Vorgeschmack. Und aus!

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