Der Sonne hinterher

Was? 2016? Wie ist denn das gegangen? Bevor ich mich jetzt darüber ausbreite, warum der Turm so verwaist ist seit Mitte Dezember, was wahrscheinlich weder unterhaltsam noch abendfüllend ist, da ich einerseits zwar sehr viel zu tun hatte aber wenig erlebt habe, wende ich mich gleich den erfreulicheren Dingen des Lebens zu. Urlaub also.

Steter Tropfen höhlt doch tatsächlich den Stein oder in anderen Worten: Jahrelanges Jammern, wie furchtbar der Jänner im Allgemeinen und im Besonderen in Wien (zur Zeit halt in Strasbourg) ist, und dass ich dem echt einmal, aber so wirklich und ganz entfliehen will und zwar dorthin, wo es wirklich das Jahr über schönes Wetter gibt und blaues Meer und weißen Sandstrand und Palmen und Regenwald, hat nun doch Wirkung gezeigt. Der Göttergatte, ein großer Freund des gepflegten Schilaufes, der verschneiten Berghänge und immer überraschend unbeeindruckt und unbeeinflusst von wochenlanger Sonnenscheinabsenz, hat sich meiner erbarmt und dem Plan, doch einmal wieder der Karibik einen Besuch abzustatten zugestimmt. Ein umstimmender Faktor, neben meinen großen traurigen Augen dürfte auch die Tatsache gewesen sein, dass man ab Paris echt günstige Flüge in die Überseedepartements kriegen kann. Kolonialismus hat da schon was für sich. Guadeloupe, Martinique, das klingt nach Urlaub, ist aber noch EU, so ganz mit Euro und mehr oder weniger unbeschränkter Wareneinfuhr (ich sage nur ein Wort: Kaffee). Und was hat Österreich vorzuweisen? Die einzige Kolonie, die wir jemals hatten war Franz Josefs-Land, da um die Ecke vom Nordpol. Was haben die sich dabei nur gedacht?

Jedenfalls haben der GG und ich die Badehose eingepackt und sind einmal locker acht Stunden gen Westen und Äquator gedüst. Kann ich im Vorfeld der Oscarverleihung übrigens nur empfehlen. Ich hab zwei Oscar-Anwärter anschauen können. (The Martian und Bridge of Spies, falls es jemanden interessiert. Keine schlechten Filme, aber tatsächlich nicht auszeichnungswürdig. Meiner Meinung nach. Aber mich fragt ja wieder keiner.) Aber hier geht es um die Insel und die ist echt der Hammer! Das Meer ist unglaublich blau und sauber und warm, der Strand superfein (wahlweise auch schwarz). Es gibt Zuckerrohrfelder und Bananenplantagen, Steilküsten wie in der Bretagne oder in Cornwall (wir planen einen gemütlichen Dia-Abend mit Fotos von Steilküsten. Unsere Freunde müssen dann raten, wo die Fotos gemacht wurden.). Es gibt einen Vulkan, und Ösis, die wir nun einmal sind: Wenn da ein Berg ist, müssen wir rauf. Das Essen ist wunderbar – viel Garnelen und Fisch aber auch recht viel Fleisch. Meistens als die Inselversion des Currys, Colombo genannt. Immer gerne mit Reis. Vor allem Abends stehen Food Trucks herum, wo man sowas kriegt aber auch sogenannte Bookit, eine Teigflade mit unterschiedlichen Füllungen. Allerdings wird das Brot irgendwie frittiert. Überhaupt wird hier recht viel frittiert. Ist ja per se nix Schlechtes, aber bei 30 Grad halt auch nicht immer passend. Am Markt gibt es frische Früchte, die einen geschmackstechnisch umhauen. Die Leute sind freundlich und bemüht. Viele können auch ein paar Brocken Englisch, wie wir mitgekriegt haben, aber mit Französisch geht es natürlich leichter. Im Vergleich zum französischen Festland schauen sie sehr auf ihre Autos. Wirklich, die sind die Baden-Württemberger Frankreichs und waschen einmal wöchentlich ihr Auto.

Viele Franzosen, v.a. Pensionisten haben sich auf Guadeloupe ein Appartement gekauft und verbringen recht viel Zeit in der Sonne. Absolut nachvollziehbar. Hat auch den schönen Nebeneffekt, dass es hier kaum andere Urlauber gibt. Nur einen Tag ist ein deutsches Kreuzfahrtschiff angelegt, da mussten wir den Strand mit unseren bundesdeutschen Nachbarn teilen. Und mann kann ja von den Franzosen halten, was man will (ich für meinen Teil mag sie sehr) aber es ist wesentlich angenehmer zwischen ihnen am Strand zu liegen als zwischen Deutschen oder Briten oder Russen.

Bevor ich mich noch mehr auslasse, hier einfach einmal ein paar Fotos. Ich lege euch die Insel echt ans Herz. Wer im Winter einmal dem Grau entfliehen will, ist hier sehr gut aufgehoben.

 

plage2

falaise

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Vulkan La Souffrière
Vulkan La Souffrière
Kaffee
Kaffee
Kakao
Kakao
Friedhof in Morne a l'Eau
Friedhof in Morne a l’Eau

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Meine ersten Pelikane. War nur ein bisserl enttäuscht, dass sie kein Werkzeug im Schnabel hatten.
Meine ersten Pelikane. War nur ein bisserl enttäuscht, dass sie kein Werkzeug im Schnabel hatten.

labanane

coucher du soleil

Verfallene Rhumfabrik
Verfallene Rhumfabrik

saute

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