La Marseillaise

Hat von euch jemand ein Bild von Marseille, das nicht brennende Banlieus beinhaltet? Eben, ich auch nicht. Aber der Göttergatte hat einen Flyer vom Marseille-Marathon in die Finger gekriegt und befunden, dass das ja eine ganz wunderbare Gelegenheit wäre, die Stadt im Süden zu besuchen. Sport-Toursimus sozusagen. Und weil ich erstens ein Frühjahrslaufziel brauchte und zweitens immer gerne gen Süden fahre, hab ich halt zugesagt. Sechs Zugstunden später (ok, das ist jetzt im Zeitraffer, aber manchmal bieten sich solche Stilmittel einfach an) waren wir auch schon am Mittelmeer. Und positiv überrascht. Marseille kann mit einigen wunderhübschen Gebäuden aufwarten, die vielleicht umso mehr auffallen, als dass es hier auch eine Vielzahl an architektonischen Verbrechen der 60er und 70er gibt. Anders als viele andere Städte hat Marseille kein “Konzept”. Keine großen Boulevards wie Paris, die die Stadt gliedern. Hier wirkt alles wild zusammengeschustert. Was Menschen ohne ausgeprägten Orientierungssinn, wie ich es nun einmal bin, das Zurechtfinden erheblich erschwert. Es gibt auch nicht wirklich ein Zentrum, wenn dann ist es wohl der alte Hafen (vieux port) – heute der Jachthafen – , der ganz bezaubernd ist. Die alten Docks im jetzt neuen Hafengebiet wurden revitalisiert und hipsterisiert. Da gibt es jetzt Büros und sehr coole Geschäfte. Wer dort allerdings einkaufen soll ist mir ein Rätsel. Die Marseillais fallen nicht gerade durch ihr Modebewusstsein auf. Ich habe tatsächlich noch nie so viele Menschen in Jogginganzügen gesehen. In allen Farben und Fassonen. Die Erfindung der Jean ist scheinbar noch nicht in Marseille angekommen. Sonst war ich von Marseille aber positiv überrascht. Die Stadt hat schon Charakter. Und einige sehr nette Ecken. Allerdings auch einige weniger schöne, in die ich als Frau alleine nicht unbedingt gehen wollen würde. Ein Gefühl, das ich tatsächlich schon länger nicht hatte.

Für etwas Fußmarode sei angemerkt, dass Marseille recht hügelig ist. Es ist auch ganz wunderbar am Tag vorm 10K-Lauf vom GG auf den höchsten der Hügel gezaht zu werden nur um eine wirklich hässliche Kirche anzuschauen. Notre Dame de la Garde ist sowas wie das Wahrzeichen der Stadt und thront über Marseille. Die im 19. Jahrhundert errichtete Kirche ist ein wunderbares Beispiel für Pomp und fehlgeleitete Vergangenheitsanleihen in der Architektur und passt sehr gut zu den Zeitgenossinnen in Lyon und Paris (Sacre Coeur), die für mich zu den mit Abstand grauenhaftesten Sakralbauten gehören, die ich jemals angeschaut habe. Das Einzige, was alle drei rausreißt, ist der Wahnsinnsausblick über die jeweiligen Städte, die sie gewähren.

Und weil ich weiß, dass ihr auf nähere Infos zu meinen sportlichen Erfolgen brennt: Mein Ziel ist erreicht und ich unter einer Stunde geblieben. Der GG war weniger froh, auch wenn seine Zeit nicht so top war. Seiner Meinung nach. Für alle Lauflustigen seien die Läufe in Marseille aber echt empfohlen. Die 10K-Strecke ist total schön. Geht sehr viel am Meer entlang.Und im März ist das Wetter dort auch ideal zum Laufen. So, und jetzt ein paar Eindrücke.

PS: Ein kleines Häppchen Wissen so nebenbei: Die französische Nationalhymne heißt zwar “La Marseillaise”, wurde aber in Strasbourg geschrieben. Und zwar aus Anlass der Kriegserklärung an Österreich im schönen Jahr 1792. Ursprünglich war sie als Lied der Rheinarmee gedacht. Der Namen Marseillaise entstand, weil die Hymne von Soldaten aus Marseille bei ihrem Einzug in Paris gesungen wurde. 1795 wurde die Hymne dann die offizielle französische. Zwar nicht durchgehend bis heute, aber das könnt ihr selber googlen,

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