Geräuschkulisse

Ein Workshop zum Thema Geräusch im Grätzl hat mir nicht nur vor Augen geführt, wie leicht es ist, mit einem halbwegs guten Aufnahmengerät jemanden abzuhören, sondern auch, aus wie vielen Einzelgeräuschen sich die Geräuschkulisse “Stadt” eigentlich zusammensetzt. Doch neben, den steten Hintergrundgemurmel tun sich immer auch spezielle Geräusche hervor. Als home-office-Mensch, der ich aktuell bin, entwickelt man irgendwie auch aufgrund der Geräusche, die einen täglich umgeben, eine andere Beziehung zu seiner Wohnung. Finde ich halt. Da fällt einem auch auf, wie viele Menschen eigentlich tagsüber zu Hause sind. Vor allem, wenn man einen Innenhof hat und sein Büro ein Fenster zu diesem. Der sein Handwerk beherrschende Pianist macht mir zum Beispiel sehr viel Freude. Ein schöner Gegenpol zu unserer Nachbarin von unten, die eine zeitlang an ihr musikalisches Talent geglaubt hat und mit wenig Können aber dafür umso mehr Ausdauer jeden Sonntagmorgen den Floh-Walzer geübt hat. Als sich auch nach mehrwöchigem Abquälens kein Erfolg eingestellt hat, hat sie aufgegeben. Ich bin dankbar.

Die Nachbarin von nebenan hat einerseits einen kleinen Hund, der gerne anschlägt, andererseits einen wirklich hartnäckigen Husten. Den hatte sie schon vor unserem Frankreich-Jahr und irgendwie ist sie ihn noch immer nicht losgeworden. Das gelegentliches Gehüstel verfügt aber über ein verschwindend geringes Störpotential im Vergleich zum Beuschel-Reißen des Paares aus der Innenhofwohnung gegenüber. Vor allem Madame dürfte eine wirklich verschleimte Lunge haben. Wenn mir nicht jedesmal so schlecht dabei würde, wenn sie loslegt, hätte ich vielleicht Mitleid. Der Göttergatte rät mir ja bei Husten immer zu Inhalieren. Nun, das tut die Gute ja auch, aber halt nur aus der Bong. Dürfte nicht helfen.

Ein Hofbewohner spielt liebend gerne französische Chansons, sehr zu meiner Freude. Ein anderer liebt es zu Bohren. Eher nicht so zu meiner Freude. Entweder arbeitet er an einem Kunstwerk oder er hat inzwischen recht löchrige Wände. Die Nachbarin von oben mit dem extremen Fersentritt, die zudem bevorzugt um zwei in der Früh steppgetanzt hat – nachdem ich dann bei ihr auf der Matte gestanden bin, hat sie das doch unterlassen – ist glücklicherweise ausgezogen. Die neuen Nachbarn sind eher sanfte Schleicher.

Ich persönlich bin natürlich die beste Nachbarin von allen. Mit einem eklektischen Musikgeschmack, sanftem Auftreten und keinen lauten chronischen Krankheiten

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