Ein Stückerl gen Süden

Sommer mag für die meisten Menschen ja die Zeit der Fernreisen sein. Für den Göttergatten und mich hat sich aber über die Jahre herauskristallisiert: Sommer eher in Ö, weil da ist es ja auch schön und in Kärnten ist man ja eh gleich und da sind die halt schon die herrlichsten Seen. Nach unserm Frankreichabenteuer vergangenes Jahr heißt es also wieder “Genieße deine Ursprungsheimat”. Der Nachteil an Kärnten ist halt, dass nur See und Berge sich nicht ganz spielt. Weil die Familien einen doch schon ein bisserl sehen wollen und weil es doch Gärten gibt, die gepflegt werden müssen. Passt ja auch. Aber nach einer Woche Heckenschneiden (alles, von Thujen über Berberitzen bis Kirschlorbeer. Ich verstehe so langsam den Reiz von diesen unglaublich hässlichen Steinkörben), Rasenmähen, Böschung von Brennesseln befreien (ich bin schon echt gut mit der Sense), wuchernden Cotoneaster und Efeu in seine Schranken weisen, Wein und Kiwi entranken sowie Zwetschken, Schwarz- und HImbeeren ernten (aus denen werden zumindest Knödel, Marmelade und Saft), habe ich dann doch an der Weisheit der Entscheidung ganze zwei Wochen durchgehend an der Heimatfront zu verbringen gezweifelt. Vor allem, weil ja die schönen Tage mit besagter Arbeit gefüllt waren und die verregneten dann doch eher indoor verbracht werden mussten.

Um dann doch ein bisschen “Wir haben Urlaub”-Feeling zu erzeugen, haben der GG und ich beschlossen eine Nacht in Triest zu verbringen. Jetzt würde man ja meinen, dass man als Kärntnerin dort schon recht oft war. Tatsächlich war ich erst einmal in Triest. Und zwar damals mit der Schule, da haben wir uns das KZ dort angeschaut. Sehr interessant aber halt nicht schön. Der GG war vielleicht zweimal öfter dort und weil es nur zwei Stunden sind und wir seit letzem Jahr alles unter sechs Stunden als Kurzstrecke empfinden und auch einfach drei Stunden in eine Richtung fahren um irgendwo einen Kaffee zu trinken, haben wir ein Täschchen gepackt und sind los. Jetzt muss man sagen, dass es rein theoretisch zwei Stunden sind. Egal ob über Italien oder über Slowenien. Wenn man allerdings genau jenen Montag erwischt, der dem Samstag des Putin-Besuchs in Slowenien folgt, kann es durchaus sein, dass man verkehrstechnisch die Arschkarte gezogen hat. Zur Erinnerung: Monsieur Putin hat für ein paar Stunden vorbeigeschaut und sämltiche Straßen im Land (oder zumindest im Nordteil) waren den ganzen Tag gesperrt. Die Slowenen waren ganz begeistert, wie wir auf einer Wanderhütte erfahren haben. Na jedenfalls wurde schon Tage vorher vor Megastaus gewarnt. Die Leute waren abgeschreckt und sind aber scheinbar nicht am Sonntag sondern am Montag gefahren. Das Resultat für uns: Drei Zusatzstunden im Stau. War dann aber eh nicht so schlimm, weil es geregnet hat.

Triest hat dann aber für alles entschädigt. Ich finde die Stadt einfach entzückend. Also den Teil, der touristisch interessant ist. Wenn man die Stadt reinfährt kommt man ja an einigen wirklich riesigen, wirklich hässlichen Bauten vorbei, die hoffentlich zumindest funktionell sind. Unsere Unterkunft war entzückend, ein kleines Hotel an der Piazza Barbacan, das Wetter ideal zum herumspazieren, Apero genießen und Leute schauen. Zum Abendessen waren wir dann in einer von einem Freund empfohlenen Ein-Mann-Trattoria. Es war unwahrscheinlich gut. Der Koch/Besitzer hat während wir dort waren die Pasta frisch gemacht. Wer sich sein Essen gerne aussucht, der ist hier zwar nicht richtig, denn da der Chef alles alleine macht, gibt es halt das Tagesmenü. Man setzt sich also hin und er stellt schon einmal Wasser, Wein und Antipasti hin. Ich find’s super, weil mir a) bei italienischem Essen praktisch alles schmeckt und b) mich lange Speisekarten sowieso überfordern. Allerdings hätten wir bedenken sollen, dass der liebe D. nicht nur gerne gut sondern auch gerne viel isst. Und ich hätte unter keinen Umständen vergessen sollen, dass die Pasta immer erst der primo piatto ist.

Chef Paolo (ich hoffe jetzt einmal ich hab den Namen mir richtig gemerkt) kommt natürlich immer auch an den Tisch um sich zu vergewissern, ob eh alles passt und ein bisschen zu plaudern. Seine Frage, wo aus Frankreich wir herkommen, hat mich dann doch überrascht. Offensichtlich spreche ich Italienisch (also das bisserl, was ich zusammenkratzen kann) mit französischem Akzent. Und wenn es hart auf hart geht, streue ich gerne auch spanische Worte rein. Was also bedeutet, dass ich gar keine Sprache richtig kann.

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