Durch flaches Land

Zeit war es, dass der Göttergatte und ich uns wieder auf eine Reise begeben haben. Ich hatte ja schon richtige Entzugserscheinungen. Das diesmalige Ziel war richtiggehend exotisch weil noch nie bereist. Polen war das gelobte Urlaubsland. Gut, das mag jetzt nicht so viel hermachen als wenn man sagt: Ich war als Rucksacktouristin in Kambodscha oder auf Safari in Namibia, aber bitte, man sollte Osteuropa nicht ganz außen vor lassen bei seinen Reiseplänen. Was ich zugegebenermaßen bisher gemacht habe. Naja, Prag, Budapest und Bratislava wurden schon abgegrast, aber das macht ja auch jeder Ami-Touri auf seiner Europa in einer Woche-Tour. Da haben wir ja einen höheren Anspruch. Polen also. Nicht ohne Grund, da ein Freund gerade auf der Uni in Danzig unterrichtet. Damit haben wir aber nicht angefangen sondern mit Krakau. Jetzt ist die Stadt an der Weichsel luftlinienmäßig nicht so weit von Wien entfernt, mit dem Auto wird es dann aber schon schwieriger. Weil knapp nach Wien hört da die Autobahn auf und dann kann man das landschaftlich wirklich schönste Eck des Weinviertels bei 70 auf der Landstraße genießen. Eingekeilt zwischen zwei Lastern. Übertroffen wird dieses Erlebnis nur noch vom Stau durch Poysdorf. Na, aber die Autobahn soll da ja doch 2018 kommen. Da hat man was zum Hinfreuen. Durch Tschechien ist man bald durch und das Stückerl durch Polen sieht man, was im Straßenbau mit EU-Geldern so alles möglich ist.

Krakau selbst ist dann wirklich bezaubernd. Wir haben im aktuell scheinbar hippen Viertel von Kazimierz gewohnt, dem ehemaligen Ghetto. Die Innenstadt mit Hauptplatz, Wawel-Hügel inkl. Schloss und Kathedrale ist locker per pedes zu erreichen. Generell ist Krakau ergehbar. Was die erstaunlich viele Touristen – und es gibt generell viele, viele Touristen in Krakau – aber nicht davon abhält sich mit diesen Golfwagerln herumkutschieren zu lassen. Da muss man echt aufpassen, dass einen sowas nicht überfährt. Das wäre kein ehrenhafter Tod.

Architektonisch erinnert Krakau stark an Wien – ja gut, war ja auch Teil der Monarchie mag man sagen – es fehlen nur ein, zwei Stockwerke. Kazimierz hat total nette Lokale. Überhaupt, wer in Krakau hungrig oder durstig bleibt ist selber schuld. Was nur irgendwie seltsam war, war diese künstlich wirkende wiederbelebte jüdische Kultur. Es gibt zwar einen Platz und ein, zwei Straßen mit jüdischen Lokalen, die scheinen aber nur für Touristen da zu sein. Ich habe, anders als in Wien im Zweiten oder auch in Strasbourg, keine “offensichtlichen” Juden, sprich mit Kippa oder Beikeles oder Scheitel, gesehen, geschweige denn ein koscheres Geschäft. Tatsächlich sollen in Krakau auch nur 120 Juden leben. Und die dürften einfach damit beschäftigt sein, den Touristen, die grad aus Auschwitz-Birkenau gekommen sind, ein jüdisches Viertel vorzuspielen. Naja.

Von Krakau ging es nach Danzig. Dazwischen liegt sehr viel, sehr flache Landschaft. Von der Danziger Innenstadt war nach dem Krieg nicht mehr viel übrig, allerdings wurde sie originalgetreu wieder aufgebaut. Das Ergebnis ist eine hübsche hanseatische Innenstadt, ziemlich viel Plattenbauten aber auch Einfamilienhäuser und Villengegenden. Alles wirkt etwas inhomogen. Zum Meer ist es eine Straßenbahnfahrt und wir konnten einen letzten Sonnentag dort am Pier genießen. Danach hat das Wetter umgeschlagen, was an der Ostsee so richtig ungemütlich sein kann. Wir haben uns dann auch die Marienburg angeschaut, ehemaliger Sitz des Deutschen Ordens. Nicht unspannend so eine Backsteinburg. Und dann stand noch Warschau am Programm. Allerdings war das Wetter so schleißig, dass wir nur eine Bekannte getroffen haben und am nächsten Tag früher abgereist sind. Also kann ich dazu nicht allzuviel sagen, außer dass wir wiederkommen wollen.

Resumee? Bei Urlaub denke ich zwar nach wie vor nicht automatisch an Osteuropa, aber es war durchaus spannend und schön. Vor allem, wenn man Leute vor Ort hat, die einem ein bisserl was zu aktuellen Lage und den Polen im Allgemeinen sagen kann. Landschaftstechnisch würde mich noch die masurische Seenplatte interessieren, städtetechnich Warschau. Na, man wird sehen.

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