Wär’ ja schade ums Genmaterial

Ihr kennt das Phänomen: Man überlegt sich, sagen wir, ein neues Auto zu kaufen, einen Twingo vielleicht. Und plötzlich sieht man allerorts Twingos herumfahren. Ich sehe aktuell vor allem schwangere Frauen. Die sind wirklich überall. Also kann es mit den zukünftigen Pensionszahlungen in diesem Land ja nicht so schlecht ausschauen. Der Göttergatte und ich tun auch unseren Teil dazu. Wär’ ja auch schade um das Genmaterial. So eine Schwangerschaft kommt aber auch mit ein paar Komplikationen. Etwa dem wem und wann-Erzählen. Es ist ja nicht ganz unüblich mit der Mitteilung an Familie, Wahlverwandtschaften und Freunde etwas zu warten und nicht gleich mit dem positiven Schwangerschaftstest beim nächsten Sonntagsbrunch herumzuwedeln. Dass die übliche Schwangerschaftsübelkeit aber just in dieser ersten Phase auftritt, erschwert die Aufgabe des für sich -Behaltens erheblich. Der Ekel vor praktisch sämtlichen Lebensmitteln und Speisen lässt sich nur sehr schwer überspielen. Vor allem wenn sowohl Mutter als auch Schwiegermutter mit einer beängstigenden Dringlichkeit auf Enkel warten und so jedes vorhandene oder eingebildete Zeichen in diese Richtung deuten. Und das seit Monaten, ach was sag ich, Jahren. Übrigens: Sie haben es eh schon gewusst. Die Zeichen, die waren ein-deu-tig.

Der erste, den wir über meinen aktuellen Zustand informieren mussten, war der Wirt in dieser entzückenden Trattoria in Triest, der aufeinmal mit der Grappaflasche am Tisch gestanden ist. Das Wort, das ich für “schwanger” verwendet habe, war scheinbar nicht korrekt, also wurde ein “bambino” mit Fingerzeig auf meinen Bauch daraus. Wie man es sich bei einem Italiener vorstellt, ist er sofort in Verzückung geraten und hat mir gratuliert. Ein vorsichtiges Nachfragen beim Göttergatten, ob er denn der Vater sei, und die Begeisterung, über das ja, das ist der Erzeuger, hat dem GG dann auch gleich drei Runden Grappa eingebracht.

Man muss ja dann leider in die wunderbare Welt der Kinderausstattung eintauchen. Kinderwägen zum Preis eines Mittelklasse-Autos, Kinderbetten in den Ausführungen hässlich bis unpraktisch, Babywannen, Fläschchen, Windeln, Stillkissen und zahlreiche andere Sachen, die auf diesen tollen Kinderlisten stehen, an die ich mich aber tatsächlich nicht mehr erinnern kann. Wieviel Scheiß kann so ein kleines Zwutsch denn brauchen? Nach jedem Ausflug in eine Babyabteilung muss ich ein paar Wochen Pause einlegen, um nicht komplett auszuticken.

Der GG ist zwar ebenso reizüberflutet aber nach wie vor organisierter und erledigungsfreudiger als ich. Was bisher zum Erwerb eines Kinderbettes geführt hat. Möglicherweise nicht die allerdringendste Erledigung, aber irgendwo muss man mit dem Abhaken anfangen. Und solche Aufgaben lenken den GG zumindest von anderen Spinnereien ab. Ich habe nämlich nicht nur den Fehler gemacht, ein Schwangerschaftsbuch zu kaufen – es war übrigens das einzige, bei dem beim ersten Durchblättern nicht auf jeder zweiten Seite gestanden ist: “Genießen Sie die Schwangerschaft, atmen Sie, streicheln Sie ihren Bauch.” – sondern auch dieses dem GG zu zeigen. Das hat dazugeführt, dass er mit dem Bratenthermometer mein Badewasser misst (Warum Bratenthermometer und nicht Fiebermesser? Ich habe tatsächlich keine Ahnung.) und wenn es zu heiß ist mich nicht hineinlässt, bevor es nicht auf die vorgeschriebenen 36 Grad abgekühlt ist. Und darf ich sagen: 36 Grad sind nicht sonderlich warm. Da verkürzt sich die Badezeit ungemein. Ich habe dem GG das Buch dann weggenommen. Ich persönlich lese es auch nicht mehr. Nachdem darin empfohlen wurde, vor der Geburt vorzukochen und einzufrieren, damit die Liebsten sich im Wochenbett um einen kümmern können und nicht mit so lästigen Sachen wie Kochen ihre Zeit verplempern müssen, habe ich befunden, dass ich meine Zeit nicht mit dem Lesen von Schwachsinnigkeiten, die nur meinen Blutdruck in die Höhe treiben, vergeuden muss.

 

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