Rosa Brille

Kinder, wie die Zeit vergeht. Und ja, es stimmt, was alle sagen: An Kindern sieht man das besonders gut. Den grade war Mademoiselle noch ein frischgeschlupftes rosa Minizwutsch und schon ist sie aus allen Anfangssachen rausgewachsen, kann ihren Kopf halten und übt den Unterarmstütz. Natürlich ist sie das beste Baby ever – trust me, I made her – und ich könnte jetzt seitenweise von Mademoiselle N. schwärmen, aber da gibt es etwas, das mich vor allem die letzten acht Wochen sehr beschäftigt.

Warum, frag ich euch, warum sind alle Mädchenbabysachen rosa. Oder pink. Oder wenn es Richtung unisex geht gibt es maximal Grau, Beige oder Weiß. Alles so gedeckte Farben. Wo bleiben die quietschbunten Babysachen (und ich bin wirklich sehr viele Geschäfte abgeklappert) oder bin ich aktuell die einzige, die findet, dass Babys bunt angezogen sein sollten. Zumindest hin und wieder. Und dass diese rosa-himmelblau Geschlechterdefinition schrecklich ist und ungeahnte Ausmaße annimmt. Aus Erfahrung kann ich nach neun Wochen sagen: Sobald ein Baby nicht rosa angezogen ist, dann wird angenommen, dass es ein Bub ist. Egal, ob es jetzt meiner Meinung nach völlig unisex im blau-weiß gestreiften Strampler mit rotem Westerl unterwegs ist oder grüne Wollsocken trägt oder in einem dunkelblauen Schianzugsack steckt. Und auch wenn ich mich nicht sehr gerne auf die Vergangenheit als so viel besser berufe, aber das war früher schon anders und meines Erachtens nach besser. Ich finde es tatsächlich schrecklich, schon Frischgeschlupfte in die “richtigen” weil geschlechterdefinierenden Farben zu packen. Ich habe jetzt nicht per se etwas gegen Rosa. Es gibt eh süße rosa Sachen, aber es gibt halt nur rosa und die getrennte Kleidung ist ja nur ein Vorbote für all die anderen Geschlechtertrennungen im Kindesalter. Eigene Wasserflaschen, Bücher, Überraschungseier – you name it. Mädchen sind Prinzessinnen, Buben Piraten. Mädchen kriegen hübsches, häusliches Spielzeug, Buben Basteleien und Waffen. Es wird eine ganz schöne Herausforderung meine Tochter davor zu bewahren, das sie zu früh in irgendwelche Rollenbilder hineingepresst wird, die wohl deshalb von der Industrie so forciert werden, weil sie dadurch mehr verkaufen kann. Denn wenn alles so spezifisch auf ein Geschlecht zugeschnitten ist, muss man ja im Falle von zumindest zwei Kindern unterschiedlichen Geschlechts alles doppelt kaufen. Mademoiselle N. hingegen trägt einstweilen die Sachen vom Cousin nach. Glücklicherweise haben wir genug Kleidung geschenkt bekommen – in rosa natürlich- sodass ich nicht ständig sagen muss: Nein, das ist ein Mädchen.

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