Überraschungseffekt

Ach Kinder, es gibt sie noch, die Heureka-Momente in der Beziehung mit dem Göttergatten. Was ja schön ist, denn es zeigt, dass wir uns noch überraschen können. Und ja, das ist im positiven Sinn gemeint. Kürzlich also schaut der GG mich etwas entsetzt an, weil ich doch tatsächlich an einem Dienstagabend mit Besen und Kehrichtschaufel ausgerückt bin, um die Katzenstreu-Teilchen, die eine übereifrige Mutz aus dem Katzenkisterl geschleudert hat, aufzukehren. Nicht die einzige Putzaufgabe, die das Zusammenleben mit einer Katze so mit sich bringt. Wenn man nicht mindestens alle zwei Tage saugt oder swiffert, lurcht einem das haarballige Mengenäquivalent einer zweiten Katze entgegen. Warum Mademoiselle Marie Antoinette trotzdem nicht nackt ist, ist eines der großen Rätsel der Menschheit. Dass es unter der Woche immer ich bin, die ausrückt um den Lurch aus der Wohnung zu kriegen (Sisyphos, anybody?) habe ich darauf geschoben, dass ich den Dreck einfach früher sehe. Also muss er von mir aus auch früher weg. Ich hatte immer den Eindruck der GG sieht selektiver oder verfügt über eine andere innerliche Schmutzigkeits-Skala. Für ihn wäre demnach die Wohnung noch im unteren Grünbereich wenn ich schon lange Rot sehe. Ich war sehr stolz auf mich, dies erkannt zu haben. Und bitte, bis zu einem gewissen Grad auch akzeptiert. Und ihn dazu gebracht zu haben, dass einmal pro Woche Wohnungputzen angesagt ist. Und jetzt das. Mein so mühsam erworbenes Wissen wird vollkommen infrage gestellt. Ach was, es stellt sich als falsch heraus. Denn was antwortet der GG, als ich ihn, seinen warum-putzt-du-jetzt-Blick bemerkend, frage, ob er den Dreck nicht sieht? “Doch, aber es gibt Putztage und Tage an denen nicht geputzt wird.” Ha. Ja, das bringt mein Erkenntnissystem ins Wanken. Allerdings könnte sich auch ein wenig Ärger in mir regen. Denn der sieht den Dreck aber weil der falsche Tag ist, lässt er ihn liegen. Ernsthaft? Aber wie gesagt, zumindest können wir uns noch überraschen.

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