Paris, mon amour

Na gut, so innig und pathetisch wie in der Überschrift sehe ich meine Beziehung zu Paris zwar nicht, aber es klingt halt gut. Und irgendwie lässt sich mein mittlerweile fünfter Besuch innerhalb von eineinhalb Jahren so besser erklären. Es ist zumindest besser als “Mit dem TGV sind’s nur zwei Stunden”, was ja für Strasbourg gestimmt hat. Und tatsächlich ein sehr gutes Argument war, in die Stadt an der Seine zu fahren.

Nachdem der Göttergatte und ich letztes Jahr meinen Geburtstag in Paris verbracht haben, wollte ich auch dieses Jahr wieder wohin fahren. Rom stand ganz oben auf der Liste, oder vielleicht eine andere italienische Stadt. Oder London. Zu teure Flüge, keine gute Möglichkeit der Anreise oder nur noch freie Plätze im 6er-Liegewagen (und dafür bin ich echt zu alt) oder auch das Wetterargument (London) haben unser Augenmerk wieder auf Paris gelenkt. Und ich bin wirklich froh. Bis auf Samstag war es supersonnig. Ideal also um es den Parisern gleich zu tun und sich auf deren liebste Beschäftigungen zu konzentrieren: lesen und Leute schauen im Park und essen/trinken und Leute schauen im Bistro. Ach, so lässt es sich leben. Ein bisschen mehr Kultur haben wir uns dann doch auch gegönnt. Ein Ausflug nach St. Denis zu den Königsgräbern war dabei und ein Spaziergang durch ein paar der noch übriggebliebenen Passagen. Und etwas weniger Kultur in einem Ausflug in die Galeries Lafayettes am Boulevard Haussmann. Ehrlicherweise kann ich mir nicht vorstellen, dass noch sonderlich viele Asiaten (Chinesen?) in Asien sind. Die sind mir alle in den Galeries vor den Füßen herumgestiegen. Ansonsten hab ich mich wieder durch möglichst viele Croissants und Salade de chèvre chaud gekostet. Den Louvre haben wir auch diesmal nicht geschafft. Zu blöd auch, dann müssen wir wiederkommen.

 

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Durch flaches Land

Zeit war es, dass der Göttergatte und ich uns wieder auf eine Reise begeben haben. Ich hatte ja schon richtige Entzugserscheinungen. Das diesmalige Ziel war richtiggehend exotisch weil noch nie bereist. Polen war das gelobte Urlaubsland. Gut, das mag jetzt nicht so viel hermachen als wenn man sagt: Ich war als Rucksacktouristin in Kambodscha oder auf Safari in Namibia, aber bitte, man sollte Osteuropa nicht ganz außen vor lassen bei seinen Reiseplänen. Was ich zugegebenermaßen bisher gemacht habe. Naja, Prag, Budapest und Bratislava wurden schon abgegrast, aber das macht ja auch jeder Ami-Touri auf seiner Europa in einer Woche-Tour. Da haben wir ja einen höheren Anspruch. Polen also. Nicht ohne Grund, da ein Freund gerade auf der Uni in Danzig unterrichtet. Damit haben wir aber nicht angefangen sondern mit Krakau. Jetzt ist die Stadt an der Weichsel luftlinienmäßig nicht so weit von Wien entfernt, mit dem Auto wird es dann aber schon schwieriger. Weil knapp nach Wien hört da die Autobahn auf und dann kann man das landschaftlich wirklich schönste Eck des Weinviertels bei 70 auf der Landstraße genießen. Eingekeilt zwischen zwei Lastern. Übertroffen wird dieses Erlebnis nur noch vom Stau durch Poysdorf. Na, aber die Autobahn soll da ja doch 2018 kommen. Da hat man was zum Hinfreuen. Durch Tschechien ist man bald durch und das Stückerl durch Polen sieht man, was im Straßenbau mit EU-Geldern so alles möglich ist.

Krakau selbst ist dann wirklich bezaubernd. Wir haben im aktuell scheinbar hippen Viertel von Kazimierz gewohnt, dem ehemaligen Ghetto. Die Innenstadt mit Hauptplatz, Wawel-Hügel inkl. Schloss und Kathedrale ist locker per pedes zu erreichen. Generell ist Krakau ergehbar. Was die erstaunlich viele Touristen – und es gibt generell viele, viele Touristen in Krakau – aber nicht davon abhält sich mit diesen Golfwagerln herumkutschieren zu lassen. Da muss man echt aufpassen, dass einen sowas nicht überfährt. Das wäre kein ehrenhafter Tod.

Architektonisch erinnert Krakau stark an Wien – ja gut, war ja auch Teil der Monarchie mag man sagen – es fehlen nur ein, zwei Stockwerke. Kazimierz hat total nette Lokale. Überhaupt, wer in Krakau hungrig oder durstig bleibt ist selber schuld. Was nur irgendwie seltsam war, war diese künstlich wirkende wiederbelebte jüdische Kultur. Es gibt zwar einen Platz und ein, zwei Straßen mit jüdischen Lokalen, die scheinen aber nur für Touristen da zu sein. Ich habe, anders als in Wien im Zweiten oder auch in Strasbourg, keine “offensichtlichen” Juden, sprich mit Kippa oder Beikeles oder Scheitel, gesehen, geschweige denn ein koscheres Geschäft. Tatsächlich sollen in Krakau auch nur 120 Juden leben. Und die dürften einfach damit beschäftigt sein, den Touristen, die grad aus Auschwitz-Birkenau gekommen sind, ein jüdisches Viertel vorzuspielen. Naja.

Von Krakau ging es nach Danzig. Dazwischen liegt sehr viel, sehr flache Landschaft. Von der Danziger Innenstadt war nach dem Krieg nicht mehr viel übrig, allerdings wurde sie originalgetreu wieder aufgebaut. Das Ergebnis ist eine hübsche hanseatische Innenstadt, ziemlich viel Plattenbauten aber auch Einfamilienhäuser und Villengegenden. Alles wirkt etwas inhomogen. Zum Meer ist es eine Straßenbahnfahrt und wir konnten einen letzten Sonnentag dort am Pier genießen. Danach hat das Wetter umgeschlagen, was an der Ostsee so richtig ungemütlich sein kann. Wir haben uns dann auch die Marienburg angeschaut, ehemaliger Sitz des Deutschen Ordens. Nicht unspannend so eine Backsteinburg. Und dann stand noch Warschau am Programm. Allerdings war das Wetter so schleißig, dass wir nur eine Bekannte getroffen haben und am nächsten Tag früher abgereist sind. Also kann ich dazu nicht allzuviel sagen, außer dass wir wiederkommen wollen.

Resumee? Bei Urlaub denke ich zwar nach wie vor nicht automatisch an Osteuropa, aber es war durchaus spannend und schön. Vor allem, wenn man Leute vor Ort hat, die einem ein bisserl was zu aktuellen Lage und den Polen im Allgemeinen sagen kann. Landschaftstechnisch würde mich noch die masurische Seenplatte interessieren, städtetechnich Warschau. Na, man wird sehen.

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Ein Stückerl gen Süden

Sommer mag für die meisten Menschen ja die Zeit der Fernreisen sein. Für den Göttergatten und mich hat sich aber über die Jahre herauskristallisiert: Sommer eher in Ö, weil da ist es ja auch schön und in Kärnten ist man ja eh gleich und da sind die halt schon die herrlichsten Seen. Nach unserm Frankreichabenteuer vergangenes Jahr heißt es also wieder “Genieße deine Ursprungsheimat”. Der Nachteil an Kärnten ist halt, dass nur See und Berge sich nicht ganz spielt. Weil die Familien einen doch schon ein bisserl sehen wollen und weil es doch Gärten gibt, die gepflegt werden müssen. Passt ja auch. Aber nach einer Woche Heckenschneiden (alles, von Thujen über Berberitzen bis Kirschlorbeer. Ich verstehe so langsam den Reiz von diesen unglaublich hässlichen Steinkörben), Rasenmähen, Böschung von Brennesseln befreien (ich bin schon echt gut mit der Sense), wuchernden Cotoneaster und Efeu in seine Schranken weisen, Wein und Kiwi entranken sowie Zwetschken, Schwarz- und HImbeeren ernten (aus denen werden zumindest Knödel, Marmelade und Saft), habe ich dann doch an der Weisheit der Entscheidung ganze zwei Wochen durchgehend an der Heimatfront zu verbringen gezweifelt. Vor allem, weil ja die schönen Tage mit besagter Arbeit gefüllt waren und die verregneten dann doch eher indoor verbracht werden mussten.

Um dann doch ein bisschen “Wir haben Urlaub”-Feeling zu erzeugen, haben der GG und ich beschlossen eine Nacht in Triest zu verbringen. Jetzt würde man ja meinen, dass man als Kärntnerin dort schon recht oft war. Tatsächlich war ich erst einmal in Triest. Und zwar damals mit der Schule, da haben wir uns das KZ dort angeschaut. Sehr interessant aber halt nicht schön. Der GG war vielleicht zweimal öfter dort und weil es nur zwei Stunden sind und wir seit letzem Jahr alles unter sechs Stunden als Kurzstrecke empfinden und auch einfach drei Stunden in eine Richtung fahren um irgendwo einen Kaffee zu trinken, haben wir ein Täschchen gepackt und sind los. Jetzt muss man sagen, dass es rein theoretisch zwei Stunden sind. Egal ob über Italien oder über Slowenien. Wenn man allerdings genau jenen Montag erwischt, der dem Samstag des Putin-Besuchs in Slowenien folgt, kann es durchaus sein, dass man verkehrstechnisch die Arschkarte gezogen hat. Zur Erinnerung: Monsieur Putin hat für ein paar Stunden vorbeigeschaut und sämltiche Straßen im Land (oder zumindest im Nordteil) waren den ganzen Tag gesperrt. Die Slowenen waren ganz begeistert, wie wir auf einer Wanderhütte erfahren haben. Na jedenfalls wurde schon Tage vorher vor Megastaus gewarnt. Die Leute waren abgeschreckt und sind aber scheinbar nicht am Sonntag sondern am Montag gefahren. Das Resultat für uns: Drei Zusatzstunden im Stau. War dann aber eh nicht so schlimm, weil es geregnet hat.

Triest hat dann aber für alles entschädigt. Ich finde die Stadt einfach entzückend. Also den Teil, der touristisch interessant ist. Wenn man die Stadt reinfährt kommt man ja an einigen wirklich riesigen, wirklich hässlichen Bauten vorbei, die hoffentlich zumindest funktionell sind. Unsere Unterkunft war entzückend, ein kleines Hotel an der Piazza Barbacan, das Wetter ideal zum herumspazieren, Apero genießen und Leute schauen. Zum Abendessen waren wir dann in einer von einem Freund empfohlenen Ein-Mann-Trattoria. Es war unwahrscheinlich gut. Der Koch/Besitzer hat während wir dort waren die Pasta frisch gemacht. Wer sich sein Essen gerne aussucht, der ist hier zwar nicht richtig, denn da der Chef alles alleine macht, gibt es halt das Tagesmenü. Man setzt sich also hin und er stellt schon einmal Wasser, Wein und Antipasti hin. Ich find’s super, weil mir a) bei italienischem Essen praktisch alles schmeckt und b) mich lange Speisekarten sowieso überfordern. Allerdings hätten wir bedenken sollen, dass der liebe D. nicht nur gerne gut sondern auch gerne viel isst. Und ich hätte unter keinen Umständen vergessen sollen, dass die Pasta immer erst der primo piatto ist.

Chef Paolo (ich hoffe jetzt einmal ich hab den Namen mir richtig gemerkt) kommt natürlich immer auch an den Tisch um sich zu vergewissern, ob eh alles passt und ein bisschen zu plaudern. Seine Frage, wo aus Frankreich wir herkommen, hat mich dann doch überrascht. Offensichtlich spreche ich Italienisch (also das bisserl, was ich zusammenkratzen kann) mit französischem Akzent. Und wenn es hart auf hart geht, streue ich gerne auch spanische Worte rein. Was also bedeutet, dass ich gar keine Sprache richtig kann.

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La Marseillaise

Hat von euch jemand ein Bild von Marseille, das nicht brennende Banlieus beinhaltet? Eben, ich auch nicht. Aber der Göttergatte hat einen Flyer vom Marseille-Marathon in die Finger gekriegt und befunden, dass das ja eine ganz wunderbare Gelegenheit wäre, die Stadt im Süden zu besuchen. Sport-Toursimus sozusagen. Und weil ich erstens ein Frühjahrslaufziel brauchte und zweitens immer gerne gen Süden fahre, hab ich halt zugesagt. Sechs Zugstunden später (ok, das ist jetzt im Zeitraffer, aber manchmal bieten sich solche Stilmittel einfach an) waren wir auch schon am Mittelmeer. Und positiv überrascht. Marseille kann mit einigen wunderhübschen Gebäuden aufwarten, die vielleicht umso mehr auffallen, als dass es hier auch eine Vielzahl an architektonischen Verbrechen der 60er und 70er gibt. Anders als viele andere Städte hat Marseille kein “Konzept”. Keine großen Boulevards wie Paris, die die Stadt gliedern. Hier wirkt alles wild zusammengeschustert. Was Menschen ohne ausgeprägten Orientierungssinn, wie ich es nun einmal bin, das Zurechtfinden erheblich erschwert. Es gibt auch nicht wirklich ein Zentrum, wenn dann ist es wohl der alte Hafen (vieux port) – heute der Jachthafen – , der ganz bezaubernd ist. Die alten Docks im jetzt neuen Hafengebiet wurden revitalisiert und hipsterisiert. Da gibt es jetzt Büros und sehr coole Geschäfte. Wer dort allerdings einkaufen soll ist mir ein Rätsel. Die Marseillais fallen nicht gerade durch ihr Modebewusstsein auf. Ich habe tatsächlich noch nie so viele Menschen in Jogginganzügen gesehen. In allen Farben und Fassonen. Die Erfindung der Jean ist scheinbar noch nicht in Marseille angekommen. Sonst war ich von Marseille aber positiv überrascht. Die Stadt hat schon Charakter. Und einige sehr nette Ecken. Allerdings auch einige weniger schöne, in die ich als Frau alleine nicht unbedingt gehen wollen würde. Ein Gefühl, das ich tatsächlich schon länger nicht hatte.

Für etwas Fußmarode sei angemerkt, dass Marseille recht hügelig ist. Es ist auch ganz wunderbar am Tag vorm 10K-Lauf vom GG auf den höchsten der Hügel gezaht zu werden nur um eine wirklich hässliche Kirche anzuschauen. Notre Dame de la Garde ist sowas wie das Wahrzeichen der Stadt und thront über Marseille. Die im 19. Jahrhundert errichtete Kirche ist ein wunderbares Beispiel für Pomp und fehlgeleitete Vergangenheitsanleihen in der Architektur und passt sehr gut zu den Zeitgenossinnen in Lyon und Paris (Sacre Coeur), die für mich zu den mit Abstand grauenhaftesten Sakralbauten gehören, die ich jemals angeschaut habe. Das Einzige, was alle drei rausreißt, ist der Wahnsinnsausblick über die jeweiligen Städte, die sie gewähren.

Und weil ich weiß, dass ihr auf nähere Infos zu meinen sportlichen Erfolgen brennt: Mein Ziel ist erreicht und ich unter einer Stunde geblieben. Der GG war weniger froh, auch wenn seine Zeit nicht so top war. Seiner Meinung nach. Für alle Lauflustigen seien die Läufe in Marseille aber echt empfohlen. Die 10K-Strecke ist total schön. Geht sehr viel am Meer entlang.Und im März ist das Wetter dort auch ideal zum Laufen. So, und jetzt ein paar Eindrücke.

PS: Ein kleines Häppchen Wissen so nebenbei: Die französische Nationalhymne heißt zwar “La Marseillaise”, wurde aber in Strasbourg geschrieben. Und zwar aus Anlass der Kriegserklärung an Österreich im schönen Jahr 1792. Ursprünglich war sie als Lied der Rheinarmee gedacht. Der Namen Marseillaise entstand, weil die Hymne von Soldaten aus Marseille bei ihrem Einzug in Paris gesungen wurde. 1795 wurde die Hymne dann die offizielle französische. Zwar nicht durchgehend bis heute, aber das könnt ihr selber googlen,

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Bella Italia

Kinder, wie die Zeit verfliegt. Unser letzter Strasbourg-Monat beginnt heute und bevor jemand fragt: Ja, ich freu mich auf die Rückkehr. Und ja, ich bin traurig, dass ich Frankreich verlasse. Was gäbe ich manchmal für ein bisschen mehr Schwarz und Weiß im Leben. Diese Grauzonen sind nicht immer leicht fürs Gemüt. Nachdem ich aber den Beginn des Jahres damit verbracht habe, wehmütig zu sein, habe ich beschlossen, dass das ja so gar nix bringt. Das versaut mir ja die letzten Monate hier und von Genuss keine Rede. Es ist schon erstaunlich, wie man wirklich bewusst seine Laune ändern kann. Jetzt ist aber auch schon Schluss mit meiner westentaschenpsychologischen Pseudoselbstanalyse. Es gibt nämlich Schöneres zu berichten und herzuzeigen. Meine Reisefreude ist nämlich ungebrochen und so hat es mich im März nach Mailand verschlagen. Ist ja lächerliche sechs Zugstunden von hier und so hab ich endlich eine Freundin, die dort wohnt, besucht. Meine Lieben, ich kann die Stadt nur empfehlen. Sehr schön isses da. Halt sehr viele Kirchen. Also wirklich sehr viele. Wir haben jeden Tag drei bis vier angeschaut und haben an dem verlängerten Wochenende sicher nicht alle erwischt. Die beeindruckendste ist natürlich der Duomo, nach dem Petersdom die zweitgrößte Kirche der Welt und die größte gotische. Das hat mir zumindest der Reiseführer von 1999 verraten, der bei der lieben M.-S. herumgelegen ist. Wenn also inzwischen eine größere Kirche gebaut wurde, bitte diesen Fehler zu entschuldigen, Ich hab’s nicht nachkontrolliert. Und wenn man schwindelfrei ist, oder seine Höhenangst zumindest gut unter Kontrolle hat, so wie ich gerne von mir glaube, dann kann man da auch aufs Dach und hat einen wirklich ganz wunderbaren Blick auf die Stadt. Und natürlich gibt es hier das letzt Abendmahl von Da Vinci zu sehen. Nur nach vorhergehendem Ticketbestellen und nur für eine Viertelstunde.

Neben Kultur ist Mailand natürlich auch für die Shoppingmöglichkeiten bekannt. Ich für meinen Teil war aber brav und hab nur ein paar Schuhe gekauft. Aber da konnte ich nicht vorbei, die haben in der Auslage förmlich nach mir gerufen. Wer kann schon nein, zu wunderhübschen roten Schuhen sagen? Jetzt kann ich endlich nach Oz!

Und endlich, endlich, hab ich wieder wirklich gute Pizza gegessen. Das ist etwas, was ich hier im Land der Flammkuchen wirklich vermisst habe. Nicht einmal bei echten Italienern kriegt man in Strasbourg eine Pizza, die diesen Namen auch verdient. Und wie ich gelernt habe, gibt es einen Unterschied zwischen nord- und süditalienischer Pizza. Im Normalfall wird überall die neapolitanische oder halt südliche Version serviert. Also mit etwas mehr Kruste und so. In Milano aber ist die Pizza etwas anders. Weniger Kruste, der Teig einen Hauch anders. Aber auch ganz wunderbar. Natürlich mussten wir beider Versionen verkosten. Und ich könnte mich tatsächlich nicht entscheiden, welche besser war. Da müsste ich mich glatt noch einmal durchkosten.

Das Allerschönste an Mailand war aber, Zeit mit der lieben M.-S. zu verbringen. Wir kennen uns seit unserem Erasmus-Jahr in Madrid, was inzwischen 14 Jahre her ist. Hüstel. (Bin ich wirklich schon so alt?). Und wir schaffen es meist uns alle zwei Jahre zu sehen. Das letzte Mal 2014 in Madrid eben. Und jetzt muss ich kurz nostalgisch werden: Ich finde es so ganz großartig, dass man manche Menschen oft Jahre nicht sieht, vielleicht nur ein paar Mails schreibt oder SMS, das aber überhaupt nichts macht, weil wenn man sich sieht ist da wieder diese Vertrautheit und man kann wieder über alles quatschen, so wie früher, als man sich ständig gesehen hat. Nahtloser Übergang sozusagen. Und ich habe das große Glück ein paar solcher Menschen in meinem Leben zu haben. Das ist wirklich unglaublich schön.

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Balkon

Der Sonne hinterher

Was? 2016? Wie ist denn das gegangen? Bevor ich mich jetzt darüber ausbreite, warum der Turm so verwaist ist seit Mitte Dezember, was wahrscheinlich weder unterhaltsam noch abendfüllend ist, da ich einerseits zwar sehr viel zu tun hatte aber wenig erlebt habe, wende ich mich gleich den erfreulicheren Dingen des Lebens zu. Urlaub also.

Steter Tropfen höhlt doch tatsächlich den Stein oder in anderen Worten: Jahrelanges Jammern, wie furchtbar der Jänner im Allgemeinen und im Besonderen in Wien (zur Zeit halt in Strasbourg) ist, und dass ich dem echt einmal, aber so wirklich und ganz entfliehen will und zwar dorthin, wo es wirklich das Jahr über schönes Wetter gibt und blaues Meer und weißen Sandstrand und Palmen und Regenwald, hat nun doch Wirkung gezeigt. Der Göttergatte, ein großer Freund des gepflegten Schilaufes, der verschneiten Berghänge und immer überraschend unbeeindruckt und unbeeinflusst von wochenlanger Sonnenscheinabsenz, hat sich meiner erbarmt und dem Plan, doch einmal wieder der Karibik einen Besuch abzustatten zugestimmt. Ein umstimmender Faktor, neben meinen großen traurigen Augen dürfte auch die Tatsache gewesen sein, dass man ab Paris echt günstige Flüge in die Überseedepartements kriegen kann. Kolonialismus hat da schon was für sich. Guadeloupe, Martinique, das klingt nach Urlaub, ist aber noch EU, so ganz mit Euro und mehr oder weniger unbeschränkter Wareneinfuhr (ich sage nur ein Wort: Kaffee). Und was hat Österreich vorzuweisen? Die einzige Kolonie, die wir jemals hatten war Franz Josefs-Land, da um die Ecke vom Nordpol. Was haben die sich dabei nur gedacht?

Jedenfalls haben der GG und ich die Badehose eingepackt und sind einmal locker acht Stunden gen Westen und Äquator gedüst. Kann ich im Vorfeld der Oscarverleihung übrigens nur empfehlen. Ich hab zwei Oscar-Anwärter anschauen können. (The Martian und Bridge of Spies, falls es jemanden interessiert. Keine schlechten Filme, aber tatsächlich nicht auszeichnungswürdig. Meiner Meinung nach. Aber mich fragt ja wieder keiner.) Aber hier geht es um die Insel und die ist echt der Hammer! Das Meer ist unglaublich blau und sauber und warm, der Strand superfein (wahlweise auch schwarz). Es gibt Zuckerrohrfelder und Bananenplantagen, Steilküsten wie in der Bretagne oder in Cornwall (wir planen einen gemütlichen Dia-Abend mit Fotos von Steilküsten. Unsere Freunde müssen dann raten, wo die Fotos gemacht wurden.). Es gibt einen Vulkan, und Ösis, die wir nun einmal sind: Wenn da ein Berg ist, müssen wir rauf. Das Essen ist wunderbar – viel Garnelen und Fisch aber auch recht viel Fleisch. Meistens als die Inselversion des Currys, Colombo genannt. Immer gerne mit Reis. Vor allem Abends stehen Food Trucks herum, wo man sowas kriegt aber auch sogenannte Bookit, eine Teigflade mit unterschiedlichen Füllungen. Allerdings wird das Brot irgendwie frittiert. Überhaupt wird hier recht viel frittiert. Ist ja per se nix Schlechtes, aber bei 30 Grad halt auch nicht immer passend. Am Markt gibt es frische Früchte, die einen geschmackstechnisch umhauen. Die Leute sind freundlich und bemüht. Viele können auch ein paar Brocken Englisch, wie wir mitgekriegt haben, aber mit Französisch geht es natürlich leichter. Im Vergleich zum französischen Festland schauen sie sehr auf ihre Autos. Wirklich, die sind die Baden-Württemberger Frankreichs und waschen einmal wöchentlich ihr Auto.

Viele Franzosen, v.a. Pensionisten haben sich auf Guadeloupe ein Appartement gekauft und verbringen recht viel Zeit in der Sonne. Absolut nachvollziehbar. Hat auch den schönen Nebeneffekt, dass es hier kaum andere Urlauber gibt. Nur einen Tag ist ein deutsches Kreuzfahrtschiff angelegt, da mussten wir den Strand mit unseren bundesdeutschen Nachbarn teilen. Und mann kann ja von den Franzosen halten, was man will (ich für meinen Teil mag sie sehr) aber es ist wesentlich angenehmer zwischen ihnen am Strand zu liegen als zwischen Deutschen oder Briten oder Russen.

Bevor ich mich noch mehr auslasse, hier einfach einmal ein paar Fotos. Ich lege euch die Insel echt ans Herz. Wer im Winter einmal dem Grau entfliehen will, ist hier sehr gut aufgehoben.

 

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Vulkan La Souffrière
Vulkan La Souffrière
Kaffee
Kaffee
Kakao
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Friedhof in Morne a l'Eau
Friedhof in Morne a l’Eau

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Meine ersten Pelikane. War nur ein bisserl enttäuscht, dass sie kein Werkzeug im Schnabel hatten.
Meine ersten Pelikane. War nur ein bisserl enttäuscht, dass sie kein Werkzeug im Schnabel hatten.

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Verfallene Rhumfabrik
Verfallene Rhumfabrik

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À la lyonnaise

Ihr Lieben da draußen, ich würd’ euch ja gerne bessere Nachrichten bringen, aber leider bin ich wieder einmal krank. Entsetzt euch das auch so sehr wie mich? Na, dann ist ja gut. Zugegebenermaßen geht es mir heute eh schon wieder besser. Fast gut, könnte man sagen. Aber das lenkt ja nur von der Tatsache ab, dass es mir vor zwei Tagen so richtig schlecht gegangen ist. Ich schiebe es ja auf die Killerkeime, die der anverwandte und sonstige Nachwuchs mit sich herumgeschleppt hat beim wochenendlichen Besuch an der Heimatfront. Ach was sag ich. Hätten sie diese nur mit sich herumgeschleppt! Nichts wär’ passiert. Aber diese kleinen Bazillenmutterschiffe müssen die ja auch noch verteilen. Nichts und niemand ist dann mehr sicher. Und dann prackt es eine gstandene Frau wie mich vollkommen ohne Vorwarnung auf oder hin oder jedenfalls ins Bett. Ganz fertig war ich den ganzen Dienstag. Nichts als schlafen konnte ich, wollte ich. Und zu der gnadenlosen Erschöpfung, dem Halsweh und Husten kam dann das, was gemeinhin nur als erhöhte Temperatur bezeichnet wird. Ach, so ein verniedlichender Name für etwas, das nicht so weit vom Fieber entfernt ist. Gilt nicht auch der Schlaf als der kleine Bruder vom Tod? Und dann gibt es auch keine Mutter in der Nähe, die einen umsorgt, umhätschelt, umschwirrt. Ja, was bleibt denn dann noch als schier grenzenloses Selbstmitleid? Dieses mächtige Gefühl, das einen umspült und überwältigt. Langsam mag es abebben, ganz weg ist es gewiss noch nicht, dafür kratzt der Hals noch zu sehr, ist die Stimme noch zu rostig. Aber ich sehe wieder ein Lichtlein am Ende des Tunnels. Und damit ihr auch etwas habt, das euch vielleicht einen sonst schnöden Arbeitstag versüßt ein paar Impressionen vom letzten Aufenthalt in Lyon. Eine, das kann ich auch geschwächt wie ich gerade bin noch inbrünstig vorschwärmen, wirklich bezaubernde Stadt. Renaissance-Altstadt, Hügel zum auf die Stadt hinabblicken und gar zwei Flüsse, die sie durchfließen. Nun denn, genießt den Anblick, der diesmal ein vorwiegend schwarz weißer ist. Ich tu mir heute noch ein bisserl selber leid.

Lyon en haut

Hotel de Ville

Streetlights

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Café

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Rhone

À Paris, mon amour!

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Generell brauchen der Göttergatte und ich ja keinen besonderen Grund irgendwo hinzufahren. Aber es ist doch schön, einen zu haben. So wie letztes Wochenende. Da hat sich der Tag, an dem ich meine media naranja endlich zum ehrbaren Mann gemacht habe, zum ersten Mal gejährt. Um diesen Tag gebührend zu feiern, sind wir zwei also in die angeblich romantischste Stadt der Welt, dem Sehnsuchtsort sämtlicher Amerikaner zwischen Cape Cod und Salem, Oregon, nach Paris. Und mein zweiter Besuch in der Stadt an der Seine hat nur untermauert, was mein erster bereits gezeigt hat: Paris und ich, das passt. Was soll ich sagen, Paris hat sich uns wieder von seiner schönsten Seite gezeigt, auch mithilfe des strahlenden Sonnenscheins, der uns das ganze Wochenende verwöhnt hat. Und so ein salade de chevre chaud mit einem Glaserl Cote du Rhone lässt sich bei blauen Himmel halt ganz besonders gut genießen. Der GG hat ja gemeint, ich sollte nun keine weiteren Informationen mehr preisgeben. Denn bisher würden alle noch glauben, wir wären ein ganz normales Pärchen, das halt seinen Hochzeitstag in der Stadt der Lichter verbringt und nicht zwei sehr seltsame Menschen mit Hang zum Morbiden. Tja, so gerne ich natürlich an dem Bild der Außenwelt von mir feile, es je nach meinem Belieben zurechtrücke, manchmal gibt es hehrere Ziele zu verfolgen. Wie etwa den Menschen da draußen auf bezaubernde, wunderbare, verwundernde, überwältigende Eckerln und Fleckerln aufmerksam zu machen, die unter Umständen nicht in jedem einzelnen Touriführer der Welt wiedergekaut werden. Wie das grandiose Musée d’Anatomie Comparée et de Paléontologie. Das Museum ist so herrlich unmodern, dass es einem den Atem raubt. Keine Touchscreens, kein Museum zum Mitmachen, nicht einmal erklärende Tafeln. In die unglaublich schönen alten Räume mit knarrendem Holzboden und Gusseisen-Geländern wurden gefühlsmäßig alle Skelette und eingerexten Tierkörper gepackt, die der Museumbestand so hergibt. Nicht sehr pädagogisch aber sehr überwältigend. Und vor die Vitrine die Menschenaffen-Köpfe bzw Skelette denen von Menschen gegenüberstellt, möchte ich bitte jeden Kreationisten schleppen. Im Dino-Saal haben mir die leuchtenden Augen der dort herumwuselnden Kinder gezeigt, dass die noch immer ziehen. Das Museum wird gerade renoviert, doch ich hoffe sehr, dass es sich nur auf die Fassade, die Risse in den Wänden und abblätternde Farbe beschränkt. Es wäre wirklich schade, wenn sich an der Ausstellung viel ändern würde. Doch nicht nur das Museum, auch der Jardin des Plantes, indem es sich befindet, ist durchaus einen längeren Besuch wert. Und wenn das Wetter schön ist, kann man dort gemütlich auf einem Bankerl sitzen und Leute schauen.

Das Quartier Latin ist auf jeden Fall auch einen Abstecher wert. Da gibt es nette Läden zum Stöbern und entzückende Lokale für ein Glaserl Wein oder zwei. Den tatsächlichen Hochzeitstag haben der GG und ich dann ganz stilecht mit Croissants und Kaffee am Canal du St. Martin verbracht. Unser Hotel war gleich um die Ecke und die Sonne hat so vom Himmel gelacht, dass wir uns einfach in einer Bäckerei mit dem Notwendigsten versorgt haben und uns ans Wasser gesetzt haben. Wer in Paris seine Laufrunden drehen will, kann hier übrigens auch vorbeischauen. Offensichtlich wird am Wochenende die Straße für Autos gesperrt und dann gehört die Strecke den Läufern. Und da geht es echt rund. Tja, Frankreich ist wirklich eine Läufernation. Aber möglicherweise muss man sich ein bisserl bewegen, wenn man dann zum Sonntagsessen zur Mama fährt.

Im Anschluss sind wir dann in eine Veranstaltung der – noch recht zögerlichen – grünen Bewegung geraten- wohl auch aus Anlass des autofreien Tages in der Pariser Innenstadt. Also die steckt in Frankreich noch in den Kinderschuhen. Aber so wirklich. So stell ich mir die Birkenstockler in den 70ern bei uns vor. Eigentlich schon idealistisch aber halt doch recht unbedarft. Und wenn wir schon dabei sind, dann sind wir auch gleich für alles Gute, zeigen uns solidarisch mit allen, von den Migranten bis hin zu den Arbeitern in den Sweatshops Asiens und natürlich den französischen Bauern, die ja die Ärmsten von allen sind. Also nicht falsch verstehen. Nicht, dass ich das meiste nicht gut finde. Aber ich habe den Eindruck, dass Solidarität in Frankreich ein sehr, sehr häufig eingesetzter Begriff ist. Man ruft schnell einmal zur Solidarität auf, ob es im Endeffekt aber zu wirklichen Taten kommt, ist eher fraglich. Ich hab mir dabei auch gedacht, dass bei einer derartigen Veranstaltung, wenn es ums grüner Leben geht, bei uns die Atomkraftgegner sehr prominent vertreten wären. In Paris hab ich kein einziges Schild gesehen, dass auch nur irgendwie in die Richtung Atomenergie ist böse ging. Die ist in Frankreich noch immer die sauberste Form der Energieerzeugung. Und ich tu mir halt schwer damit, mir von einem Franzosen die Wichtigkeit des Mülltrennens erklären zu lassen, wenn das darin besteht, Papier und Plastik gemeinsam wegzuschmeißen und Dosen in den Restmüll zu geben.

Aber jetzt werd ich noch zu ernst. Was noch sehenswert ist, ist natürlich der Friedhof Montmartre. Der GG hat übrigens gemeint, falls wer fragt, soll ich nicht sagen, dass wir an unserem Hochzeitstag dort waren. Also gut, sag ich’s halt nicht. Man kann ja auch an jedem anderen Tag dorthin. Allerdings empfiehlt es sich, nicht zu spät einzutrudeln. Um 17.30 ist da im Herbst Schluss, dann treiben einen die Friedhofswärter vom Gelände. Und die haben Glocken und keine Angst sie zu gebrauchen. Mich wundert, das die Aufpasser nicht schon taub sind, ich bin es fast geworden.

Und jetzt lasse ich den Worten Fotos folgen. Der GG und ich planen übrigens einen netten Dia-Abend mit sämtlichen Gegenlichtaufnahmen, die wir über die Jahre angefertigt haben. Reservierungen werden gerne entgegengenommen.

Notre Dame

Jardin de Plantes

Musee d'Anatomie

Musee

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palais de justice

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GG

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les chats

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Einmal Bretagne und zurück

Hab ich schon einmal erwähnt, dass ich Urlaub mag? Ja, ich weiß, damit steh’ ich nicht alleine da aber darum geht’s ja auch gar nicht. Ich wollte das nur einmal (wieder) gesagt haben. Also Thema Urlaub. Wie bereits angekündigt, hat es sich diesmal um die Kombi Roadtrip mit längerem Verweilen an einem Ort aka wir versuchen diesmal den ferienwohnunglichen Aufenthalt gehandelt. Jetzt ist es natürlich schon ein bisserl ungeschickt, immer von den teilweise nicht so bekannten Orten vorzuschwärmen, die einen begeistert haben, weil, dann fahren da ja alle hin und dann isses dort vielleicht nicht mehr so toll. Aber ich kann mich halt nicht alleine freuen – genauso wenig wie ich still und leise vor mich hinleide. Irgendwo in meiner Doppelhelix ist die Mitteilsamkeit einprogrammiert. Was für eine, die einen Blog schreibt ja nicht ganz blöd ist. Der Göttergatte und ich haben also wieder einmal Paula Polo vollgepackt (unglaublich wieviel Zeugs zwei Personen für zehn Tage einpacken können. Aber wenn wir keine Gewichtsbegrenzungen haben, werden wir gleich übermütig. Der am häufigsten gefallene Satz beim Packen war (wieder einmal): “Ach, pack ein. Das ist jetzt auch schon wurscht.”)  und sind los gen Westen. Der erste Stopp war Troyes, das sich dadurch auszeichnet die “capitale européenne des magasins d’usine” zu sein. Die europäische Hauptstadt der Outlet-Stores also. Franzosen lieben ja Superlative und Komparative und alles wird gleich zur capitale. Mein persönlicher Favorit ist hier immer noch Krautergersheim – la capitale de la choucroute – die berühmt berüchtigte Hauptstadt des Sauerkrauts. Für die Elsässer ist das wichtig. Zum Erntedankfest wird hier ein Altar aus Krautköpfen aufgebaut. Wir haben für diesen Herbst also schon einmal ein Ausflugsziel. Aber zurück zu Troyes. Da gibt es wirklich viele Outlets aber auch ein paar der schiefsten Fachwerkshäuser, die mir bisher untergekommen sind. Und mir sind tatsächlich schon viele, viele Fachwerkshäuser untergekommen. Keines davon sonderlich grade aber die meisten wirken zumindest nicht akut einsturzgefährdet.

Von Troyes ging’s dann direkt in die Bretagne. Oder so direkt wie des Göttergatten Schleichwege es erlaubt haben. Aber anders als 80 Prozent der Reisenden in Frankreich an diesem Wochenende sind wir nicht auf der Autobahn von Paris in die Provence im Stau gestanden. Wir hatten ein Appartement an der bretonischen Nordküste. Wenn wir uns nicht am Sandstrand die Sonne auf den Bauch scheinen haben lassen – zwei Tage hat es sogar 30 Grad gehabt, eine richtiggehende Hitzewelle für die Bretagne – dann haben wir die Gegend erkundet. Vielleicht nur kurz die wichtigsten Infos zur Bretagne: Die Küste ist eigentlich komplett anders, als wir uns das vorgestellt haben: meistens sehr flach mit ganz vielen Sandstrandbadebuchten, alles leicht zu erwandern. Temperaturtechnisch hat es im Sommer meistens so um die 25 Grad, würd’ ich sagen. Und der Spruch: “Das Wetter in der Bretagne ist schön. Fünfmal am Tag.” – stimmt. Nur weil es in der Früh bewölkt ist, heißt es nicht, dass der Vormittag nicht super sonnig sein kann, es mittags regnet, nachmittags die Wolken herumziehen und am Abend die Sonne noch einmal so richtig vom Himmel lacht (da wir doch etwas weiter nördlich sind, ist es echt lange, lange hell.). Lagenlook ist meistens angesagt. Aber wir hatten echt sehr viel Glück. Es hat nur zweimal geregnet. In der ganzen Woche. Kulinarisch wartet die Bretagne natürlich mit Meeresfrüchten und Fisch aber auch mit Crepes, Galettes und Cidre auf. Mir persönlich passt das ja ganz gut in den Speiseplan. Und die Einheimischen sind auch ganz entzückend. Etwas reserviert – aber generell sind Franzosen ja nicht das überschäumendste Völkchen. Auf der Rückreise sind wir übers Loire-Tal gefahren und haben uns dort ein paar Schlösser angeschaut. Kann ich auch nur empfehlen.

Bevor der Text jetzt zu lange wird, hier einfach ein paar Bilder zum Anglusten sozusagen.

 

Bucgt

Locquirec

Die Katze war beim Appartement dabei.
Die Katze war beim Appartement dabei.

Maison

St. Malo
St. Malo

Coucher de soleil2

Konserven

Sandstrand

Moulin

 

Mont St Michel
Mont St. Michel

Menhir

Pointe de Corsen

Pont Anven

 

Phare

 

Cocher de Soleil

Chateau de Chambord
Chateau de Chambord
Chateau de Chenenceau
Chateau de Chenenceau

Bei den Normannen

Eigentlich dürfte man ja gar nicht soviel von den Orten vorschwärmen, die einen binnen Minuten, ja Augenblicken für sich gewonnen haben. Denn dann kommen da noch mehr Menschen drauf, dorthin zu fahren und dann ist es vielleicht nicht mehr ganz so schön. Oder halt schon noch schön aber überfüllter. Eigentlich. Denn uneigentlich möchte man dann schon vorschwärmen von all diesen herrlichen Fleckchen und wenn wir uns ehrlich sind die Leute auch ein bisschen neidisch machen. Und wenn ich die Bilder wieder anschaue, dann packt mich gleich das Fernweh. Wo es den Göttergatten und mich diesmal hinverschlagen hat? Zu den Normannen. Eigentlich sollte es für ein verlängertes Wochenende ja nach St. Malo in der Bretagne gehen, das auf den Fotos einfach nur superkitschigschön ausschaut. Die acht Stunden Autofahrt haben uns dann doch abgeschreckt. Sind wir halt sechs Stunden nach Honfleur in der Normandie getuckelt. Und das war keine schlechte Entscheidung. Am Donnerstagabend ging es los mit einer Übernachtung in Reims, der Hauptstadt der Champagne. Und das ist auch so ziemlich das Highlight der Stadt. Die hat mich ja nicht so aus den Socken gehauen aber wir haben natürlich brav Champagner eingekauft. Wenn man schon einmal da ist. Wobei der GG meint, wir sollten uns überlegen unser Geld in etwas Dauerhafteren anzulegen als Alkohol und Käse. Und Blumen und Schuhe meinerseits. Wobei die Schuhe da ja noch das Haltbarste sind. Aber egal am nächsten Vormittag ging’s weiter nach Deauville/Trouville. Ja das mit dem Filmfestival. Deauville war früher auch Sommer-Treffpunkt der Haute volée, wovon Casino und Jachthafen heute noch zeugen. Sonst strahlt es einen Glamour vergangener Zeiten aus. Sehr schön. Der Strand ist auch auf jeden Fall einen Besuch wert.

Nach einem Spaziergang und Kaffetschi dort haben wir also unser eigentliches Ziel Honfleur erreicht. Ein wirklich malerisches altes Fischerdorf, das vom Tourismus allerdings durchaus entdeckt wurde. Im Sommer dürfte es da vor allem am Wochenende schon recht abgehen aber es ist einfach so putzig dort. Wir hatten ein herrliches Miniappartement direkt beim alten Hafenbecken. Weil es zwar nett ist, in so einem Fischerdorf, das aber natürlich nicht alles sein kann, haben wir die Küste erwandert. Und da kann ich leider auch nur ins Schwärmen geraten. Die Kreidefelsen sind sehr malerisch, das Meer weit und blau. Am Land haben sich leuchtend gelbe Rapsfelder mit frischem Grün abgewechselt und dazwischen grasen und wiederkauen immer wieder Kühe oder platzieren sich Pferde gekonnt bei einem blühenden Apfelbaum. Unglaublich idyllisch alles.

Auch kulinarisch ist die Normandie nicht so schlecht aufgestellt. Der Camembert kommt von hier und auch der restliche Käse ist ein Gedicht. Aus den ganzen Äpfeln und Birnen, die hier wachsen, wird Calvados, Cidre und Poiré (also Birnenmost) und da das Meer ja gleich da ist, kann man sich auch fischtechnisch recht gut durchkosten.

Und so ist ein verlängertes Wochenende leider viel zu schnell vorbei und wir haben wieder ein Fleckerl gefunden, zu dem wir un-be-dingt zurückkehren wollen. Wenn es da nicht noch so viel anderes zu sehen gäbe. Hach, das Leben ist hart.

Trouville

Trouville2

 

La Mer

 

Honfleur
Honfleur
Entretat
Entretat

Vachedylle

 

Cheval

 

Vaches