Reindlingfieber

Ostern is. Und ich muss sagen, auch wenn das Wetter eher bescheiden ist, ich freu mich. Ich hab ja Ostern immer lieber mögen als Weihnachten. Das war immer irgendwie fröhlicher. Und wärmer. Gut, wir haben jetzt zu Ostern mehr Schnee als zu Weihnachten. Aber das ist ja eine Ausnahme. Hoffentlich.

Also Ostern ist super. Nicht nur wegen dem normalerweise vorherrschenden Frühlingswetter. Und der Schoki. Vor allem wegen der Osterjause. Das können Menschen, die jenseits der Pack aufgewachsen sind ja meist nicht verstehen. Also je östlicher es wird, desto weniger haben die Ahnung von Ostern. Das was etwa in Wien und in Erwinland als Osterjause durchgeht ist ja wirklich nicht einmal erwähnenswert. Weshalb Ostern wohl auch nicht so einen Stellenwert hat wie in Kärnten. Denn ohne Reindling kann das ja gar nix. Da stimmt mir auch Kollege A. zu. Und in noch einem Punkt habe ich in ihm eine verwandte Seele gefunden: Rosinen sind grauslich, ABER notwendig für den Geschmack im Reindling. Das bedeutet, sie werden beim Verzehr einzeln aus dem Germteig-Backwerk rausgefutzelt. Schaut für die Umgebung wahrscheinlich wenig g’schmackig aus, ist den wahren Genießern aber auch eher wurscht. Einen spannenden Twist erhält der Reindling durch Nüsse. Puristen wie meinen Lieblings-W. beutelts da zwar immer. Aber er kriegt eh seinen normalen Rosinenreindling. Da soll er schön still sein.

An dieser Stelle ist es wohl passend zuzugeben, dass wir Kärntner essenstechnisch meist vollkommen integrationsunwillig sind. Der liebe W. und ich etwa importieren neben dem auch unterm Jahr gerne genossenen Reindling selbstgebackenes Brot von meiner Mama, Bauerntopfen und Ghee (also Butterschmalz, ebenfalls von Mama), Rindfleisch und ganz wichtig Zuckerreinkalan. Und wer sich jetzt fragt, was ist denn ein Zuckerreinkale? Das ist ungefähr das Geilste, das es zum Essen gibt. Irgendwie ein Minireindling, ohne die störenden Rosinen und mit viel mehr Zucker. Innen drin soviel das da oft richtige karamellisierte Stückerln sind. Außen mit einer schön geschmolzenen Zuckerkruste. Wenn wir an der Heimatfront sind, wird regelmäßig der Bäcker gestürmt, um diese Krönung des comfort food mit in die Hauptstadt zu nehmen. Mit einem kleinen Vorrat zum Einfrieren. Für schlechte Zeiten.